Ho Chi Minh City – Saigon, eine aufregende Begegnung

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Saigon – oder Ho Chi Minh City – wie die Stadt im offiziellen Sprachgebrauch seit der Niederlage und dem Abzug der Amerikaner nach Ende des Vietnamkrieges 1976 genannt wird, ist zwar nicht die Hauptstadt Vietnams, ob schon diese bedeutend größer und lebhafter ist als der Regierungsmittelpunkt Hanoi im Norden des Landes, aber eine pulsierende Metropole, die es mit westlichen Zentren durchaus aufnehmen kann.

Ho Chi Minh City Saigon - Propaganda

Ho Chi Minh schaut an jeder Straßenecke und von jedem dritten Haus von einem Propagandaplakat auf die Passanten hinab, die sich wie Ameisen durch die Gassen wühlen. Vorbei an Banh Mi Ständen, entlang der mit tausenden Motorrollern vollgestopften Straßen, an Coca Cola Werbeplakaten vorbei… Coca Cola?!

Ja – Coca Cola. Die Amerikaner wurden zwar vertrieben und die Staatsform ist an einen sich langsam öffnenden Sozialismus angelehnt, aber solche westlichen Symbole scheinen kein Problem zu sein in diesem sonst sehr stolzen Land.
Der Held der Nation und Namensgeber dieser Stadt Ho Chi Minh hat davon nichts mitbekommen – denn dieser ist schon vor Kriegsende verstorben.
Aber ich bin mir sicher, würde er das wissen, er würde sich in seinem Glassarg im Mausoleum Hanois drehen bis sein letztes Gewand durchrotiert wäre.

Ho Chi Minh City Saigon - Propaganda Onkel Ho

Nichtsdestotrotz ist Saigon, beziehungsweise Ho Chi Minh City eine absolut sehenswerte Stadt, die so einiges inpetto für den den wagemutigen Entdecker hat.
Wie wäre es mit einigen Tipps?

Die Gassen:

Ho Chi Minh City ist eine alte Stadt, eine Stadt mit viel Geschichte, die Häuser sind dicht aneinander gereiht, sehr dicht.
Wer den Mut hat von den Hauptstraßen der Menschenströme abzuweichen, findet sich mit einem Male in einem Labyrinth aus verwinkelten Gassen, in denen sich Katzen jagen, Kakerlaken aufgeschreckt davon rasseln und mandeläugige Kinder auf dem bloßen Beton sitzend mit dem spielen was ihre kleinen Fingerchen gerade zu greifen bekommen.
Das pure Leben eben.

Die Handwerksstraßen:

Wie überall in Südostasien gibt es auch hier die Straßen der verschiedenen Handwerke, Spielzeugstraßen, in denen es nur Spielzeuge zu kaufen gibt (unter anderem großartige Plagiate), Blechwaren in der “Spenglerstraße”, Medikamente und Gewürze in eben dieser Straße, Handwerkszubehör in der “Baumarktstraße” und so weiter…ein eigenes Kaufhaus nur für sich.

Das Kriegsmuseum:

Ist nichts für schwache Nerven, nicht so schonungslos wie zum Beispiel das Foltergefängnis S21 in Phnom Phen, aber die Ausstellung zu “Agent Orange” ging uns schon tief unter die Haut.
Viele Ausstellungsstücke, gefühlt alles was irgendwie von amerikanischer Seite aus im Vietnamkrieg zum Einsatz kam ist hier ausgestellt. Vom Karabiner bis zum Panzer, Boote und Flugzeuge, alles da. Alles sehr sehenswert. 15.000Dong kostet der Eintritt – zwischen 12:30 und 13:30 ist Mittagspause. In dieser Zeit ist weder Einlass noch ein Aufenthalt im War Remnants Museum gestattet.
Man darf es danach aber wieder betreten. Mittagspause ist heillig – gar nicht mal so schlecht eigentlich.

Diese nationale Erinnerungsstätte findet ihr hier: 28 Võ Văn Tần, 6, 3, Hồ Chí Minh, Vietnam

Die Cu Chi Tunnel des Vietcong:

Vor den Toren der Stadt, ca. eine Autostunde entfernt, findet ihr das “Vietcong-Disneyland” wie ich es gerne bezeichne.
Alte Tunnel und ein Lager der Vietcong wurden hier den interessierten (westlichen) Besuchern zugänglich gemacht.
Alle Arten von Fallen werden ausgestellt mit denen der Urwald gespickt wurde, eine Bombenwerkstatt, Einschlagskrater amerikanischer Fliegerbomben, die Cu Chi Tunnel selbst, die für Klaustrophobiker absolut ungeeignet sind, ein gesprengter Panzer und ein Schiessstand auf dem man seine US Dollars in Kugeln verwandelt in eine Sanddüne schiessen darf.
Die Fahrten werden von jedem Tourist Office in Ho Chi Minh City (HCMC) angeboten und gehen zwei mal am Tag dorthin.
Fahrtpreis, Eintritt und Führung liegen bei ungefähr 8US$ pro Person.

Der “Ben Thanh” Markt:

Im Stadtzentrum gelegen, befindet sich der 1914 eröffnete “Ben Thanh” Markt, hier halten die Touristenbusse, werfen das weisse Fleisch in das Becken der Geschäftstüchtigen vietnamesischen Händler und sehen zu wie diese die Touristen sprichwörtlich zerfleischen. Wir haben ja schon viel gesehen aber so etwas … Wahnsinn. Man wird tausende Male angesprochen, festgehalten, man stellt sich in den Weg, um zum kaufen zu animieren – ein Blick zu viel auf die Ware und man hat einen Vietcong auf dem Hals, ein Blick in die Augen des Verkäufers und man befindet sich direkt im eins gegen eins Stellungskampf.
Wer keine Körpernähe mag, wer gerne so etwas wie ein zurückhaltendes Verkaufsgespräch führen möchte, wer nicht gerne bis aufs Blut handelt, ist hier falsch.
Ein typisches verkaufsgespräch läuft so ab:
“Was kostet das?”
“Das? 15 Dollar”
“Nein – viel zu teuer, will ich nicht.”
“Ist gute Qualität, sehr gut, 14$!”
“Nein nein – danke, ich brauche das eigentlich gar nicht.”
“Sehr gut kauf das 14$ Gute Qualität.”
“Nein nein danke.”
“Sag mir ein Preis.”
“Nein ich brauche das nicht.”
“12$?! – Ist original, gute Qualität.”
“Okay – ich geb dir 2$.”
“WAS?! Nein. 11$”
“Ne – 2$.”
“Ist gute Qualität, original Ware, geb mir 10$ du bist doch reich, ich helfe dir ein bisschen, du hilfst mir ein bisschen ja? 10$?!”
“Ne…ich geb dir 3$.”
“Nein nein nein
*…irgendwelche vietnamesischen Worte die ich nicht zuordnen kann, die sich aber nicht freundlich anhören…* 10$ Gute Qualität.”
“…ach ne…ich wills nicht mehr ich geh dann…”
“Halt, stopp, warte…Okayokay…8$. Kaufst Du…8$.”
“…ne sorry…” umdrehen und weggehen..
“Halt halt halt okay okay 3$ kein Problem hier 3$.”
Entweder man kauft nun und wird dann beschimpft oder…man kauft es nicht, weil man es tatsächlich nicht will und wird dann beschimpft.
So oder so – wenn man den Markt betritt, muss man damit rechnen mit einem Fluch auf seine gesamte Familie belegt wieder heraus zu kommen.

Ein großartiges Einkaufserlebnis, das man sich wirklich nur gönnen sollte, wenn man einen guten Tag hat.
Aber erlebnisreich ist es auf jeden Fall und das Gefühl des Überlebthabens, welches sich beim Verlassen der Markthallen einstellt, ist auch nicht zu verachten.
So müssen sich die Amerikaner in den 70er und 80er Jahren hier gefühlt haben.
Onkel Ho schaut von oben gütig lächelnd zu.

Die Adresse weist hier her: 32-30, 36-34-32-30 Phan Bội Châu, Bến Thành, Hồ Chí Minh, Vietnam

Der Ho Chi Minh City Wasserpark “Dam Sen”:

Mit dem Bus gelangt man vom Zentrum in den Wasserpark, der eine Abkühlung nach all den Händlerscharmützeln im tropischen Wetter südostasiens verspricht.
Der Eintritt kostet 200.000Dong und bietet Zugang zu einem Wasserpark voller wahnsinniger Rutschen, die in ihrem Leben allerhöchstens einen sehr sehr großzügigen Sichherheitscheck abbekommen haben.
Sowas steiles, einen fast aus der Bahn herausschleuderndes, durch stockfinstere Tunnel, die einen durch einen riesigen Trichter katapultieren oder auf Schaumstoffmatten fast gegen den Beckenrand schleudern haben wir in unserem Leben noch nie erlebt.
Ängstlich darf man hier nicht sein.
Und eine Liegewiese darf man auch nicht erwarten, zwischen den Becken ist nämlich alles zubetoniert, und….wer ein Problem mit Anstehen hat oder Menschen, vielen Menschen, der ist hier auch an der falschen Ecke, denn der Laden ist voll. Wie wir erfahren haben, ist er das auch eigentlich immer, an Wochenenden und Feiertagen ganz besonders.
Für uns Farangs gibt es wenigstens noch ein kleines Zwischendeck mit eigener Toilette und Schliessfächern auf das nur Weisse dürfen.
Was gut und gleichzeitig sehr komisch ist aber naja…
Ein Besuch auf jeden Fall wert.
Achso…an den Blicken sollte man sich natürlich nicht stören, Weisse sind nicht selbstverständlich hier – da wird schon mal geschaut. 😉

Den Wasserpark findet ihr im “3 Hòa Bình” District.

Skydeck “Bitexo Tower”:

Wer einen Blick über die Stadt geniessen will, kann dies vom Skydeck. Haben wir damals nicht gemacht.
Kostet allerdings auch nur 5 oder 6 US Dollar und kann man eigentlich mal machen.
Oder…man geht auf eine der zahlreichen Rooftop Bars und geniesst die Aussicht von oben auf die Stadt mit einem Bierchen in der Hand.

Den Bitexo Tower findet ihr hier: 36 Hồ Tùng Mậu, Bến Nghé Hồ Chí Minh, Vietnam

Ho Chi Minh City Saigon - Ausblick auf Saigon

Reunification Palace:

Saigon beziehungsweise Ho Chi Minh City war Regierungssitz des von den Besatzungsmächten (erst Frankreich dann US) südvietnamesischen Marionettenregimes.
Das ehemalige Regierungsgebäude befindet sich im Zentrum der Stadt und ist zu einem nationalen Wahrzeichen des Sieges über den Imperialismus der (US) Welt geworden.
Die Panzer der Nordvietnamesen die 76 die Palastbefestigungen durchbrachen, sind noch heute im Palastgarten ausgestellt.
Mit ihren Rohren noch immer auf den Palast gerichtet mahnen die Panzer chinesischer und russischer Bauart geradezu sich den Nationalstolz Vietnams immer und immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Horden von (asiatischen) Touristen machen ein um das andere Foto und lehnen stolz an die schweren Ketten als hätten sie selbst die Mauern
der Abwehr in diesen Ungetümen durchbrochen.
Der Palast gibt Einblicke in die Geschichte, lässt den Besucher in die einzelnen Räume spazieren und informiert über die Geschehnisse im Gebäude.
Vom Helikopterdeck bis zum Bunker unter dem Gebäude kommt man dem Ganzen sehr sehr nahe.
Ein must-do und ein Stück Geschichte, das man für wenige Dong erleben kann und sollte.

Den Wiedervereinigungspalast findet ihr hier: 135 Nam Kỳ Khởi Nghĩa, Bến Thành, Quận 1, Hồ Chí Minh, Vietnam

Kaffee:

Vietnam, der zweitgrößte Kaffeeproduzent weltweit hat ausgezeichneten Kaffee und den besten davon haben wir in Ho Chi Minh City getrunken.
Im Schnitt kostet dieser 15.000Dong (~75€cent) und kommt auf gezuckerter Kondensmilch und sehr sehr süss!
Und so gut.
An jeder Ecke kann man den Kaffee kaufen und eigentlich sollte man das sogar tun.
Wer noch etwas näheres zu diesem herrlichen Produkt erfahren will sollte auch mal auf dieser Seite dazu nachschlagen -> www.schwarzundheiss.de .
Tipp: Solltet ihr Kaffee kaufen wollen – tut dies nicht in den Touristenzonen. Hier zahlt ihr das drei bis vierfache.
Gleiches gilt für die kleinen Kaffeebereiter. Besorgt euch das Zeug lieber etwas ausserhalb. Sprich – 15 Minuten Fußweg entfernt.

Ho Chi Minh City Saigon - Vietnamesischer Kaffee Cà phê

Sehenswürdigkeiten:

Ansonsten gibt es noch das alte Postamt, die Basilika, den russischen Markt (der nichts russisches aber günstige Kleidung hat), die vielzahl an Parks, den Mekong, Restaurants und Garküchen und so vieles mehr. Ho Chi Minh City ist eine wundervolle Stadt. Bis auf den “District 1”, das Vergnügungsviertel in denen sich Happy Hour Bar an Happy Hour Bar reiht (every Hour is Happy Hour) und die fetten Weissen sich besoffen daneben benehmen als gehörte ihnen die Welt, weil sie drei Dollar mehr einstecken haben als das (wahrscheinlich) minderjährige Mädchen, das sie im Arm halten.

Postamt und Basilika befinden sich nur unweit vom Wiederverinigungspalast gelegen hier: 1, Công xã Paris, Bến Nghé, Ho Chi Minh City, Ho Chi Minh, Vietnam

Der russische Markt hier: 328 Võ Văn Kiệt, Cô Giang, Hồ Chí Minh, Vietnam

Unterkünfte:

In einer Stadt wie Ho Chi Minh City gibt es Unterkünfte in allen Preis- und Ausstattungsklassen.
Man kann durch die Gassen ziehen und sich durchfragen oder sich im Internet vorab etwas reservieren.
Die Preise liegen bei 10 – XXX $ pro Nacht im Stadtzentrum.

Das Portal www.booking.com hat uns auf all unseren Reisen nie im Stich gelassen.

Flughafentransfer:

Natürlich könnt ihr mit Taxen und privaten Chauffeurdiensten zum Flughafen gebracht werden oder vom Flughafen in die Stadt (Ben Thanh Market) kommen aber…für ein fünftel des Preises könnt ihr auch einfach mit dem Bus fahren. Neu und klimatisiert ermöglicht er euch den Erstkontakt mit den Einheimischen in Ho Chi Minh City. Es gibt zwei Buslinien (152, ca. 1$, abhängig von eurem Gepäck, dauert ca. 1.5h) oder der gelbe Touristenbus 109. Der Flughafenbus 109 fährt zwischen 5.30 früh bis 1.30 nachts alle 15 bis 20 Minuten vom Flughafen zur Endstation, direkt vor den Türen von District 1 und kostet ungefähr 20.000 Dong.Die Fahrt dauert ca. 45min.

Ho Chi Minh City Saigon - Flughafentransfer gelber Bus 109

Zur offiziellen Seite geht es hier -> offizielleseitenlink

Ho Chi Minh City ist ausser Rand und Band so kam es uns oft vor und genau das macht die Stadt so wunderbar erlebenswert.
Sie scheint einfach alles zu bieten zu haben was es in Südostasien gibt.
Nur nicht so schmutzig wie in Bangkok es kam mir oft aufgeräumter und ordentlicher vor in all dem Chaos.


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