Unsere kleine Farm – Carroboblin bei Forbes NSW

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Da waren wir nun also, nach drei Monaten Zigeunerleben unser erster bezahlter Job – gemeinsam auf einer Farm in NSW, um genauer zu werden: 40 Kilometer westlich der zehntausend Einwohnerstadt Forbes.

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Forbes ist eine gemütliche Kleinstadt mit allem was man so benütigt – die zehntausender Grenze ist schon fast etwas magisches für Australien, denn dies bedeutet immer auch einen Woolworths, also (relativ) günstige Lebensmittel und einen McDonalds, also spottbilliges Softeis (50cent)
und kostenfreies WiFi. Noch dazu hats in Forbes einen kostenfreien Stellplatz für Camper, auf dem hatten wir uns ersteinmal niedergelassen und die Stadt erkundet.
Der Stadtkern mit seinen Häusern aus den 1860ern muss erst vor wenigen Jahren hergerichtet worden sein denn alles blitzt und scheint. Schön ist es hier – viel Wasser, viele Vögel, freundliche Menschen. Die meisten von ihnen leben in der weiteren Umgebung auf Farmen.
Wie auch wir bald schon sollten.

Es hat uns also auf Carroboblin verschlagen, Carroboblin bedeutet übersetzt ungefähr soetwas wie „Fettes Tier“. Endlich mal etwas Geld verdienen, war es in Coober Pedy doch nur zu einer Teilzeitstelle gekommen. Das war uns zu wenig, also Anzeige auf Gumtree geschaltet, per Telefon alles ausgemacht und nach einem Schlenker über Adelaide und einem mehrtägigen Roadtrip über insgesamt 1.500 Kilometer hier gelandet.

Die Farm hat ungefähr 6.500 Hektar Acker und Weidefläche.
Bepflanzt wird diese Fläche mit Raps, Weizen und Gerste bepflanzt – in diesem Jahr.
Auf den Weiden finden sich ca. 2.000 Schafe die Angorawolle und Fleisch produzieren und einige hundert Rinder für Eigenbedarfsleisch und Weiterverkaufszwecken.
Also garnicht mal so klein…
Die Farm ist ungefähr seit Beginn der Besiedelung und Urbarmachung der Umgebung in Familienbesitz, es kam immer mal etwas Land hinzu und es ist immer auch mal wieder immer etwas Land abgefallen.
Ein Spaziergang über das Farmgelände zeigt das ziemlich deutlich, wenn man einen Blick auf die Maschinerie wirft entdeckt man zwischen hochmodernen Gerätschaften der Landwirtschaft die GPS gesteuert über die Felder ziehen und ernten wenn es dann soweit ist, Lastwagen aus den 50ern und Traktoren aus noch früherer Zeit die langsam vor sich hin rosten.
Allein die Maschinerie ist schon beeindruckend genug für Stadtkinder wie uns – hätten wir doch nie gedacht das es so große Traktoren gibt.
Also – SO große Traktoren.
Holy Cow!!!
Ich habe Reiheneinfamilienhäuser gesehen die diese Größe hatten.

Unsere Unterkunft war um die 1900er Wende herum gebaut worden und in dem typischen Stil der NSW Arbeiterhäuser dieser Zeit gehalten.
Veranda, Wohnraum mit offenem Kamin, zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein ausserhalb gelegenes Badezimmer – muss nachträglich angebaut worden sein.
Volle Airconditioning! – War es draussen kalt, war es das innen auch – für Hitze golt das natürlich auch.
Dieses herausragende Klimatisierungsverhalten muss wohl an den obligatorischen Löchern in den Wänden und im Fenster gelegen haben.
Daran hat auch der gezielte Einsatz von Klebeband nicht viel geändert.
Zumindest aber hat es die Moskitos davon abgehalten in unser bescheidenes Heim einzudringen.
Nicht aber die Mäuse – im Schnitt ist eine pro Woche unseren Fallenstellkünsten zum Opfer gefallen und wurde gegessen.
Natürlich nicht von uns, nach erfolgreicher Mausfangaktion per Falle wurde das tote Geviech einfach den Katzen vorgeworfen, die werden hier nämlich absichtlich hungrig gehalten damit es noch einen Anreiz zur Jagd gibt, Katzen fressen nämlich nicht nur Mäuse sondern auch kleinere Schlangen.
…und wenn ich an meine zurückdenke – auch Spinnen.

Schlangen und Spinnen gibt es hier zuhauf.
Während unserer Arbeit auf Caro haben wir an spinnen die wir identifizieren konnten Huntsman und Redback´s gefunden und an Schlangen sind uns die wirklich gefährliche, weil giftige, Brown Snake und eine Python gesehen – und einmal sogar einen Skorpion.
Kängurus sind uns oft begegegnet, wenn auch nicht so zutraulich wie in Coober Pedy und sogar eine Schildkröte haben wir auf der Weide gefunden.
Von der Sagenhaften Vogelwelt australiens mal ganz zu schweigen – Vögel hatten nie meine Aufmerksamkeit erregt, aber hier in Australien?! WOW!!
Überall zwitschert und flattert es in verschiedensten Tönen und Farben.
Ein kleines Paradies.

Arbeiten als Backpacker

– auf ein einer Farm bedeutet natürlich hauptsächlich die Arbeiten zu machen die sonst kein anderer machen möchte
oder Assistent für wen auch immer zu sein. Also ganz unten in der Hierarchiebene zu stehen. Aber wenn einem das bewusst ist, und man sich wie wir bewusst dafür entschiedenen hat zumindest zeitweise so leben zu wollen, ist das OK.

Was haben wir also für Arbeiten verrichtet?
Eine Weide wurde zu Ackerland umgewandelt, dazu wurden Bäume gefällt. Das produziert nutzloses Holz und Stöcke, die Bäume müssen verbrannt und die Stöcke müssen aufgehoben werden – um diese zu verbrennen.
Das haben wir in einem Dreierteam drei Wochen lang gemacht.
Zumindest Tina und ein weiterer Backpacker der in der Hauptsache Radlader gefahren ist um brennende Bäume hin und her zu schieben – bis eines Tages der Radlader selbst Feuer fing. Das war dann das Ende des Stick Picking.

Aber auch sonst ist so ein dauerhaftes verbrennen bei der Trockenheit australiens kein ungefährliches Unterfangen.

Ich hatte das „Glück“ immer mal wieder abgezogen zu werden um anderen Kram zu machen.
Es war gut, dass es dann zu Ende war denn mittlerweile wurde es heiß, Temperaturen über 30°C waren schon ab 11 Uhr morgens keine Seltenheit. Das macht einen 8 stündigen Pickertag ziemlich lang, auch wenn man schon um 6 Uhr morgens auf der Weide steht.
Schatten gibt es nämlich keinen – die Bäume wurden ja verbrannt.

Nachdem Tina drei Wochen, 7 Tage die Woche á 8 Stunden auf der weide verbrachte hatte sie das Glück ersteinmal für etwas leichtere Arbeiten abgezogen zu werden. Gartenmöbel reinigen und lackieren, einen Wohncontainer streichen und Putzdienst in den Arbeiterbaracken einer angemieteten Farm verrichten.
Wär das Wetter nicht so unglaublich heiß (ich vermisse den deutschen Herbst tatsächlich) wäre das auch nicht weiter wild.

„Zwischendurch“ gab es aber auch harte Arbeiten zu tun.
Zwei Tage standen wir bei den Schafen und behandelten diese gegen das „pink eye syndrome“. 400 Schafe die sich auf der Weide Grassamen in die Augen eingefangen haben, siese rutschen unter das Lid, das Auge entzündet sich, das Schaf droht blind zu werden, der Samen muss rausgepickt werden.
Mit einer Pinzette ins Auge also – dass das dem Schaf nicht gefällt ist klar. Einer „wrestled“ das Schaf also zu Boden und pult im Auge herum, der andere Pinzettiert das Fundstück heraus und sprüht Antibiotika in das entzündete Auge…Knochenarbeit mit unmengen blauer Flecken.

Oder für mich hieß es an anderen zwei Tagen Schafe gegen Würmer behandeln.
Schafwrestling“ – Maul auf – Medizin rein – weiter. 400 Mal.
Ebenfalls Knochenarbeit.

Oder „pilot car driving„, Straße frei machen für einen 40 Tonner Schwerlasttransport mit Überbreite.
Mit meinen Orientierungsfähigkeiten sehr spannend – für alle.
Nie wieder.

Ansonsten alles was so anfällt auf einer Farm. Streichen. KfZ- und Landmaschinenmechanikereien. Schweißen, Sägen, Biegen. Veranda bauen. Gras- und Radladerbrände Löschen. Radlader und Telehandler Fahren. Gärtnerarbeiten.

Ich muss sagen – langweilig war es eigentlich nie. Zumindest für mich.
Und auch das Stickpicking hatte immer eine Überraschung parat.
Ausgebüchste Kühe, Brände, Schlangen unter Bäumen, fahrten mit ungewohnten Transportmitteln.

Wir haben so unglaublich viel gearbeitet – jeden Tag – und so unglaublich viel (neues) gelernt – jeden Tag.

Die Tage sind vorbeigerast, um 21:00 Abends, manchmal auch früher hat uns die Nacht eingeholt, das Konto hat sich wieder etwas gefüllt und es hat sich schon am „Erwerb“ der Erfahrungen total gelohnt.

Die wichtigste Erfahrung für mich allerdings war: Landwirtschaft? Höchsten Restpekt vor diesen Menschen – aber für mich ist das nichts.

Es war also wieder an der Zeit weiter zu ziehen…

…weiter nach Nowra, an die See zu unserem nächsten Job, mal sehen was uns hier erwarten wird.


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