Tuol Sleng – Das Foltergefängnis S21

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Das Foltergefängnis S21 war eine der Stätten, für die von den Roten Khmer Verdächtigten  gegen die Revolution zu sein, und auch mit einem ausländischen Geheimdienst wie der CIA oder dem KGB zu kollaborieren.
Für diesen Verdacht genügte es schon ein Studierter zu sein, eine Fremdsprache zu beherrschen oder weiche Hände zu haben. Der Verdächtige wurde zum “Verhör” in eines der geheimen Hochsicherheitsgefängnisse, wie es das Foltergefängnis S21 war, abtransportiert.
Diese waren im ganzen Land zu finden. Geschätzt sollen es 200 bis 250 gewesen sein. Eines davon: “Tuol Sleng” oder auch “S21” genannt, befand sich mitten in der entvölkerten Hauptstadt Phnom Penh.

Es ist eine dieser grausamen zynischen Verwerfungen der Weltgeschichte, die das Gymnasium “Tuol Svay Prey” nach der Eroberung Phnom Penhs durch die Roten Khmer zur Folterstätte Intellektueller, Oppositioneller – aus welchem Grunde auch immer Verdächtigter – zum Foltergefängnis S21, haben werden lassen. Ein Gymnasium, umgebaut zur Folteranstalt, um Gebildete zu “zerschmettern” wie es in der Sprache der Roten Khmer hieß, die einen reinen Bauernstaat errichten wollten und jeden Studierten töteten. Umso zynischer, dass der Anführer der Roten Khmer, der “Bruder Nr.1”, selbst ein studierter Lehrer war.

Wer einmal im Tuol Sleng, dem Foltergefängnis S21 Gefängnis eingeliefert wurde, kam nicht mehr lebend heraus.

Es wurde so lange gefoltert bis der Insasse, oder die Insassin, mitunter auch Kinder, ihr Geständnis ablegten für ein Verbrechen verantwortlich zu sein.
Verrat an der Bewegung, Sabotage, Widerstand, Kollaboration.
Es spielte keine Rolle, ob die Geständnisse echt waren oder nicht.

Pol Pot war paranoid, in allem und jedem witterte er Widersacher und Feinde und so lautete eines der Mottos, die den oftmals selbst noch minderjährigen Bewachern und Folterern einprägte:

“Es ist besser versehentlich einen Unschuldigen zu töten als einen schuldigen am Leben zu lassen.”

Wurden die Geständnisse erpresst, wurden diese gleichsam mit einer Liste aufgenommen, die weitere Namen aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten enthielten.
Diese wurden dann vernommen.
Ebenfalls wurden nicht nur die Beschuldigten ermordet, es wurde die gesamte Familie hingerichtet.
Aus Angst vor Rache.

“Wer Unkraut beseitigen möchte, muss es mit der gesamten Wurzel herausreissen.”

Der Zweck von Tuol Sleng, dem Foltergefängnis S21, bestand nicht im Töten der Angeklagten.
Das Foltergefängnis S21 sollte Geständnisse und Informationen zu Verschwörungen produzieren.
Erst nach dem das Geständnis erpresst wurde, gab es eine Verurteilung.
Lebend verlies das Foltergefängnis S21 kaum Einer.
Eine Handvoll Menschen haben die Befreiung durch die vietnamesische Armee erlebt.
Ein Maler, ein Mechaniker, ein Wärter…

Absichtlich getötet wurde im Foltergefängnis S21 nicht.
Es kam vor.
Aber das Ziel war eine Verurteilung.
Die Hinrichtung fand auf den “Killing Fields” vor den Türen der Stadt statt.

Sollte es doch ein mal dazu kommen, dass ein Opfer die Foltermethoden nicht ertragen konnte und drohte zu sterben, wurde es von den “Ärzten” der Roten Khmer wieder hergerichtet.
Richtige Ärzte gab es nicht mehr. Diese saßen ein, waren auf der Flucht oder bereits getötet worden.
Starb der Gefolterte musste auch der Wärter mit einer Verurteilung rechnen, denn es war nur dem Gefängnisleiter
– Duch – gestattet über Leben und Tod zu entscheiden.

Die Menschen wurden in Sammelzellen, Einzelzellen und Isolationszellen gehalten.
Unter schlimmsten Bedingungen.
Die Atmosphäre im Foltergefängnis S21 ist auch heute noch … kaum zu ertragen.
Das Blut, der Urin und der Kot haben sich in die Fliesenböden gebrannt.
Bilder der Hingerichteten, wie diese bei der Befreiung aufgefunden wurden, hängen an den Wänden.
Stacheldraht vor den Galerien der Gebäude sollte Opfer am Selbstmord hindern.

Die Foltermethoden waren kreativ.
Waterboarding, Aufhängen bis zur Bewusstlosigkeit, kochendes Wasser in die Münder der Opfer gießen, so dass diese dann verhungerten, Fuß- und Zehennägel ziehen.
Tausendfüßler in offene Wunden oder Körperstellen einführen – besonders bei Frauen beliebt, Elektroschocks, Brustwarzen abschneiden…alles was man sich (nicht) ausdenken kann, war im Foltergefängnis S21 möglich.

Der Audioguide führt sehr gut geleitet durch die Gedänkstätte, erzählt die Geschichte um Pol Pot und der Organisation, Angkar, in deren Zeichen dies alles geschah.
Einige Lebenslinien, der hier ermordeten, solange noch nachvollziehbar.
Die Lebenslinien der Überlebenden.
Bilder des Malers, der die Zeit hier im Foltergefängnis S21 überlebte, stellen Szenen dar, die fotografisch nicht festgehalten worden sind.

Zwichen 1975 und 1979 waren in etwa 20.000 Menschen in diesem Folterzentrum inhaftiert.
Rund 1.800 Wärter waren in dieser Zeit hier beschäftigt.
14 waren nach der Befreiung durch die vietnamesische Armee, die dem Treiben unter Ächtung der westlichen Welt ein Ende setzte, noch am Leben.
Von diesen 14 starben aufgrund von Entkräftung noch weitere 7 innerhalb von einer Woche.
Heute, 2016, sind noch drei am Leben.
Ein Künstler, ein Mechaniker, ein Aufseher.

Der Leiter des Foltergefängnisses “Duch” wurde in einem Gerichtsverfahren 2010 lebenslänglicher Haft verurteilt.

Das “touristische” Foltergefängnis S21.

Es handelt sich um eine Gedächtnisstätte,die an eine grausame Zeit erinnert.
Schonungslos und oft ungefiltert.
Man benötigt starke Nerven und sollte sich überlegen,ob man seine Kleinkinder mit hinein nehmen möchte.
Es gibt viele schlimme Bilder zu sehen und Geschichten zu hören.

Ebenso sollte man sich angemessen kleiden – auch wenn es heiss ist. Für die Frauen bedeutet das: Schultern bedecken und Hosen/Röcke tragen, die über die Knie gehen.

Und hey…muss das wirklich sein?! Ein Selfie vor dem Galgen, an dem so viele Menschen gequält wurden?
Reisst euch zusammen. Das hier ist nicht Disneyland. Hier wurde gequält und gemordet. Tausendfach.
Es ist komisch das zu schreiben – aber anscheinend nicht selbstverständlich.

Die Führung mit Audioguide dauert rund 3 Stunden und lässt einen am Ende mal wieder mit einer Frage allein, die “wir Deutsche” uns oft stellen, wenn wir an unsere Vergangenheit denken:

Wie hatte es so weit kommen können? Wie kann der Mensch zu dem Punkt gelangen, an dem er alles vergisst was ihn zu einem Menschen macht? Ist dieses auch heute, in unseren modernen Zeiten noch möglich, dass es soweit kommt?

Die Öffnungszeiten des Foltergefängnis S21 und Preise

Geöffnet ist von
08:00 – 17:00 Uhr.

An sieben Tagen die Woche.
An Feiertagen kann das natürlich variieren.

Eintrittspreise liegen bei:
3 US$ pro Person + 3US$ pro Audioguide.

Mit gültigem Studentenausweis wird euch die Eintrittsgebühr erlassen.
Der Audioguide, der sich wirklich sehr lohnt, ist allerdings dennoch kostenpflichtig.
Dieser ist in folgenden Sprachen verfügbar: Khmer, Deutsch, Englisch, Französisch.

Wer möchte, kann sich einen privaten Guide “mieten” – für 6US$.

Weitere Einlicke in das Thema

Meine Artikel über:

Die Roten Khmer
Die Killing Fields

Wikipedia:

S21 Genozid Museum

Youtube:

S21 – The Khmer Rouge Killing Machine

 

 

…nie wieder Krieg!


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