Schmiergeld? – im Bus von Malaysia nach Thailand

Eingetragen bei: Malaysia, Südostasien | 4

Schmiergeld ist für uns Mitteleuropäer etwas was wir aus dem Fernsehen kennen oder aus Wirtschaftsthrillern. In unserem Alltag spielt das Schmiergeld zur Beschleunigung von Behördenvorgängen glücklicherweise keine Rolle.

Anders als in anderen Ländern. Manchmal ganz offen, manchmal unter der Hand. Wem die Gebräuchlickeiten des richtig getimten Schmiergeldeinsatzes nicht geläufig sind kann manchmal etwas ins stolpern kommen. So ging es uns beim Grenzübertritt von Malaysia nach Thailand am Grenzübergang Sadao.

Nachdem wir Penang nun gründlich erforscht hatten hieß die nächste Station auf unserer Reise Krabi in Thailand. Fliegen wolllten wir nicht, ein direkter Zug ging von hier nicht, die Fähre war uns zu teuer und so blieb uns nur noch der Minibus als Fortbewegungsmittel der Wahl.

Die Reise dauert bei ca 400 Kilometern etwa 8 Stunden, davon verbringt man in etwa zwei Stunden am Grenzübergang und eine an der Minibuswechselstation in Hattya. Kostet etwa 15€ pro Person und bringt ne Menge „Spaß“ mit sich.
Die Tickets sind in Penang in allerlei Büros zu kaufen. Die günstigsten Preise findet man bei den chinesischen Agenturen am Einkaufszentrum (AG & Shenhua).

Am Grenzübergang angekommen, schon einige Zeit in der Schlange vor den Officerhäuschen der Immigration wartend. Sahen wir mit einem Male das Schild „Visa on Arrival – Office Level 1“.

„Ja hoppla!“ Dachten wir. „Das ist doch genau was wir brauchen!“.
Tina verließ die Schlange in der wir seit ca. 30 Minuten standen um im Office zu fragen.
Sie fragte und kam zurück um mich zu holen.
„Ja easy! Dann mal auf zum Visum. Sparen wir uns den Scheiss hier.“
Zurück im Office die Pässe an die soeben befragte Dame übergeben.
„Where from? „Where from?“
„Germany.“
„Denmark?!“
„No Germany!“ – auf den Pass zeigend und noch lächelnd.
„Ah – Denmark!“
Blättert den Pass durch.
Nochmal.
Nochmal.
Blättert Nochmal.
Dann meinen.
Nochmal.
Nochmal.
Schüttelt den Kopf.
Murmelt etwas – hätte mit Dänemark zu tun haben können.
Blättert Nochmal.

Ich erinnere mich irgendwie an den Film „Herr Lehmann“.

Die Frau nimmt die Arrival/Departure Karte aus dem Pass. Reisst „Departure“ ab. Gibt uns die Pässe mit dem Kommentar „No Visa – Denmark.“ zurück.

Fragen weshalb wir für die Immigration unsere Schlange verlassen und in das Büro kommen sollten werden nicht mehr beantwortet.
Neu anstellen, Pass und „Arrival“ nehmen wir mit.

Vor jedem der acht Schalter stehen etwa 20 Meter Menschenmasse. Alle mit dem gleichen Schicksal.
Dem Officer im Häuschen auf gedeih und verderb ausgeliefert.
„Ob die auch alle aus Dänemark kommen?“ Frage ich mich.

Wir bemerken wie die Menschen um uns herum Geldscheine in ihre Pässe, zu den weissen „Arrival/Departure“ Karten legen, ist das Schmiergeld?
Nein, Dänen sind das sicherlich nicht, diese Ritual wäre mir sonst sicherlich schon zu Ohren gekommen.

Dänen haben lange, rote Bärte, Fahren zur See und trinken Met und gehe auf Raubzüge.
Zumindest war das mal so.

Die Schlange verkürzt sich mit der schier ewig scheinenden Zeit.
„Noch vier vor uns dann sind wir da.“

Manchmal haben wir auch schon gesehen, dass die Menschen vor uns aufgefordert werden einen oder zwei (Geste mit den Fingern) Scheine IN den Pass zu legen und durchzureichen falls kein Geld enthalten war (es waren immer ca. 1 – 3 Ringgit pro Person), nicht auf den Schalter.

„Noch zwei…“
Jetzt erscheint ein (selbstgeschriebenes) Schild mit der Aufschrift „Closed“ auf dem Schalter.
Der Officer sagte noch etwas wie „Dao Dao“, deutet auf die andere Schlange und verschwindet.

Der ganze Mist also von vorne.
Wieder eingereiht.
20 Meter Mensch vor uns.
Schnatternd und aufgeregt in den exotischsten Sprachen Südostasiens.
Wenn ich jetzt ein Däne aus grauer Vorzeit wäre…
Bin ich aber nicht, sind wir beide nicht.
Wir halten uns für zivilisiert.
Auch deshalb wollen wir das Ringgitspiel nicht mitspielen.
Für den Fall der Fälle sucht Tina schonmal ihre letzten 4 US$ zusammen – mehr besitzen wir gerade nicht. Das restliche Hab und Gut befindet sich im Minibus und der ist schon in Thailand.

Wir stehen also, und stehen, tapfer und wacker wie ein Däne nur stehen kann.
Alle paar Minuten geht’s ein Mensch weiter. Geldscheine werden in den Pass gesteckt – herausgenommen – abgestempelt – durchgewunken.

Irgendwann bin auch ich dran.
Der Pass wird durchgeblättert.
Nochmal.
Nochmal.
Die Arrivalkarte wird entnommen.
„Departure. Departure!“
Ich versuche zu erklären, dass die Frau im Büro nebenan, die uns zu Dänen erklärte, diesen Teil einbehielt.
Für ihn egal – ich renne ins Büro um die Karten zu holen, Tina hinter mir versucht ihr Glück, gleiches Schicksal.
Kein Ringgit also wird alles genau geprüft.

In der Zwischenzeit stehe ich im Büro nebenan und frage nach der Departure Karte. Die Frau würdigt mich diesmal keines Blickes (und ich war noch immer wirklich höflich). Sie drückt mir, ohne hinzusehen, zwei dieser Karten in die Hand.
Begleitet von dem Hinweis wohin ich mich nun zu begeben habe.
„Outside!“
Wir schlucken das…
…denken uns: „Leck mich – nicht noch einmal Menschenschlange spielen.“
Drängeln uns ganz nach vorne, füllen unsere Karten erneut aus.
Legen noch immer keinen Ringgit rein und schieben unseren Pass ins Häuschen.

VisastempelGleiches Spiel – mit Ergänzungen.
Drei mal blättern.
Karten raus.
Arrival wird behalten. Mütze ab.
Fotos.
Departure wird eingetackert.
Stempel gestempelt.
Nicht lächelnd durchgewunken.

 

Uns wird langsam klar – mit einigen Ringgit als Schmiergeld im Pass hätten wir uns die Gunst erkaufen können und wären schon zwei Stunden zuvor bei der Dame im Büro, für die wir bis in alle Ewigkeit Dänen bleiben werden, durchgewunken worden.

Als weisser und damit vermeintlich reicher Tourist wird man in Südostasien oft als Gelddruckmaschine angesehen.
Entweder spielst du mit, oder man lässt dich auflaufen.
Nicht das erste mal – aber das bisher eindrucksvollste.

Keine Zeit darüber nachzudenken. Unser Fahrer wartet schon auf uns weisse Teufel fluchend ungeduldig hinter dem Checkpoint, wenn wir in Krabi ankommen wollen sollten wir uns nun sputen.

„Ein komischer Start in ein Land – hoffentlich sind die nicht alle so.“ – dachten wir uns.

 

Und irgendwann später, ich denke an die News aus Deutschland und Europa und erinnere mich daran, dass viele Menschen zu Hause die wertvolle Errungenschaft des Schengener-Abkommen dieser Tage vergessen haben zu scheinen.
Die sind in ihrem Lebtag noch nicht unterwegs gewesen und waren dem Zoll ausgeliefert.

P.S.: Sollte es sich bei dem bschriebenen Szenario nicht um das anwenden von Schmiergeld handeln, muss es sich um ein kulturelles Missverständnis unsererseits handeln. Andererseits war auf allen ausgehängten Informationstafeln im Sicherheitsbereich nichts über Gebühren jeglicher Art zu lesen.


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4 Antworten

  1. Ich finde deine Bemerkung am Ende nicht in Ordnung. Die „Vollpfosten“ wollen überhaupt wieder eine Grenze und eine Politik die nicht gegen geltende Gesetze verstößt und Andersenkenden nicht diffamiert. Ein Land ohne Grenzen ist kein souveränes Land mehr. Alle Länder der Welt schaffen das, vor allem die Thais wo du ja nun bist. Hätten die Thailänder nicht so strenge Bedingungen (Migration, Eigentum, Arbeit etc. ) für „Ausländer“, wäre das Land schon komplett unterwandert und aufgekauft geworden vom „Farang“ mit starker Währung. Es ist Völkerrechtlich völlig legitim eine Grenze zu fordern, die vor allem auch kontrolliert wird. Und nun wünsche ich eine Gute Zeit in Thailand.

    • Hallo Martin,
      vielen Dank für deinen reflektierten und konstruktiven Kommentar.
      Ich möchte diesen Blog gerne (weitgehend) politikfrei halten, deswegen werde ich auf den Kommentar dem ich zumindest teilweise beipflichte nicht tiefer eingehen, ich hoffe Du hast Verständnis dafür.
      Allerdings – habe ich meinen etwas polemisch formulierten Absatz um die „Vollpfosten“ etwas überarbeitet und spezifiziert.
      Wir wünschen Dir alles Gute und schicken Dir ein paar Sonnenstrahlen nach Deutschland.
      Viele Grüße aus Krabi
      Hotze und Tina

  2. Winfried Hötzel

    Hallo Micha, Hi Tina
    Ärgert euch nicht über „kulturelle“ Sitten und Gebräuche. Ein bisschen wundern sei aber allemal erlaubt.
    Es sind alles Erfahrungen, an denen ihr noch in Jahrzehnten euren Enkel zu erzählen wisst.

    Weiterhin gute Reise wünscht euch aus dem (eben mal) schneienden Deutschland die Gemeinschaft der Daheimgebliebenen …
    PaPa

    • Hallo Gemeinschaft der Zurück…äh…der Daheimgebliebenen. 🙂
      Ach, nein, ärgern tun wir uns nicht.
      Ist ja alles gut gegangen bisher.
      Humor ist schliesslich, wenn man trotzdem lacht.
      Alles Liebe von uns aus dem viel zu schwülen Bangkok ins kalte Deutschland.

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