Sak Yant – Das gesegnete Tattoo aus dem Wat Bang Phra

Eingetragen bei: Südostasien, Thailand | 3

Das gesegnete Ritual, um das von  buddhistischen Mönchen gestochene Schutztattoo – das “Sak Yant”, wurde von leutenden Glocken eingeleitet.

Es war 05:30 morgens, im Herzen Bangkoks und mein Wecker riss mich aus meinem, in dieser Nacht nicht gerade erholsam gewesenen, Schlaf. Mein Puls beschleunigte sich und ich schreckte hoch.

Finden wir den Tempel?
Werden wir rechtzeitig dort sein und die Gelegenheit bekommen neben all den anderen bis zum Mönch vorzudringen?
Wird er mich mit einem “Sak Yant” tätowieren und segnen?
Welches Symbol wird er wählen und an welcher Stelle meines Korpers wird es sein?

“…bitte kein Swastika auf der Stirn…” dachte ich noch im Halbschlaf.
“…das kann dieser Tage leicht zu Unstimmigkeiten in Deutschland kommen…”

Hoffentlich schickt er mich nicht wieder nach Hause, weil ich eine Verbeugung falsch ausführe oder ihm ein anderes Tattoo auf meinem Körper nicht gefällt.

Allerlei Gedanken jagten in dieser Nacht durch meinen Kopf.

Aber jetzt wurde es Zeit, um selbst in die Gänge zu kommen und durch die Dämmerung des Frühmorgens in Bangkok zu jagen.
Immer dem “Sak Yant” entgegen.
Immer in Richtung “Wat Bang Phra”.

Wat Ban Prah
Wat Bang Prah

 

Der Dunst aus meiner Tasse stieg in der Hotellobby auf und der heisse Kaffee, der sich in meinem Körper ausbreitete machte mich wieder ein Stück menschlicher.

Wir hatten am Vortag versucht den Weg zum Tempel in Erfahrung zu bringen, im Internet haben wir verschiedene Hinweise gefunden und dann und wann haben wir in Reiseagenturen oder auch in unserem Hotel gefragt.

Wenn es eine Antwort gab, dann höchstens eine aus den folgenden Sätzen bestehenden:
“…Nooo, we don’t go there…”
“…Why do you want go there?…”
“…You are the first farang who is asking….”
“…Very complicated!…”

Nun gut, dachten wir, wir sind nun fast 9 Monate unterwegs, haben es bis hier geschafft, dorthin zu kommen werden wir jetzt auch noch hinbekommen.

Google verriet mir immerhin die Lage.
Die Dame in der Travelagency noch welche Bus Station in Bangkok wir ansteuern müssen, um nach “Nahkon Chaisi” zu kommen, von wo aus wir dann noch irgendwie in den Tempel “Wat Bang Prah” zu kommen hatten, in der die “Sak Yant” gestochen werden.

Wir hätten natürlich auch in ein Taxi steigen können und uns für 1.500 Bath die knapp 65 Kilometer in den Nordwesten fahren lassen können.

Aber schließlich ist der Weg das Ziel und wer vor dieser Ungewissheit zurück schreckt…wie soll er sich dann von einem unbekannten etwas Unbekanntes tätowieren lassen?

Ein “Sak Yant” sollte man sich nicht zu leicht machen.

Will man es ohne Hürden und es geht einfach nur um das reine Besitzen, sollte man in ein Tattoostudio gehen … nein … ich glaube dann sollte man es lassen.
Das verfehlt meiner Meinung nach Sinn und Zweck, dann bringt man den nötigen Respekt dafür nicht auf.

Ein “Sak Yant” ist nicht nur eine schöne Zier auf der Haut, es ist die Verneigung vor dem Ritual, den Geboten, die an das Symbol geknüpft sind, dem Vertrauen an den Mönch und damit die Respekterweisung, die an die Lehren der Religion geknüpft sind.

Ich bin kein religiöser Mensch, was aber nicht bedeutet, keine gewisse Spiritualität und einen Glauben an das Leben und um es herum zu haben, mit dem wir eins sind.

Es gibt Menschen mit Christustatto auf dem Unterarm, oder mit dem Schwerte Mohammeds auf dem Bauch.
Weshalb auch nicht?
Solange es hilft, sein Zentrum zu finden und zu wahren?
Solange es hilft dem Leben mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen?
So lange es nicht getragen wird wie ein T-Shirt mit dem Antlitz von Madonna?

Wir sprangen also in den ersten Bus.

Oldie but Goldie
Oldie but Goldie

 

Bus Nr. 40 vom Hauptbahnhof nach “Sai Tai Mai”, der Busbahnhof, das “Southern Bus Terminal” vor den Toren Bangkoks.
Die einsetzende Rushhour und einige Baustellen verlangsamten die Anreise. 45 Minuten für 15 Kilometer warfen uns im Zeitplan zurück.
Hierhin kamen wir also schon mal, 15 Bath pro Person.

Von “Sai Tai Mai” nach “Nakhon Chaisi” musste es weitergehen, rumgefragt, kein Problem. Der nächste Bus (Nakhon Pathom) wartete bereits.
Für die nächsten 30Km wurden 22 Bath fällig. Kein Problem soweit.
Mittlerweile verstand uns zwar keiner mehr…wir aber auch nicht.
Status quo.

Irgendwann, ungefähr weitere 45 Minuten später, hielt der Bus.
Man deutete uns auszusteigen.
So taten wir es also.
Wir standen am Rande einer Schnellstraße…was nun?
Wir gingen über die Fußgängerbrücke, um die sechs Fahrstreifen in Richtung “Wat Bang Prah” queren zu können und dem “Sak Yant” näher zu kommen.

Die verbleibenden 20 Kilometer waren eine zu Fuß unüberwindbare Strecke.

Als wir gerade den Überweg gequert hatten, winkte uns ein Mototaxifahrer in seine Richtung.
Wir waren offenbar nicht die ersten Farangs auf dem Weg zum Tempel.
Er rief einen Kollegen, zeigte auf die Tafel mit dem Preis (100Bath) und unser Nicken katapultierte uns sofort mit 80 Sachen auf dem Rücksitz eines lachenden Thais über halbbefestigte Landstraßen.
Ohne Helm, in der Hoffnung sich dem richtigen Tempel zu nähern, war das die erste richtige Mutprobe an diesem Tag.

Tränen schossen mir durch den Fahrtwind getrieben in die Augen und wir vorbei an Bananenplantagen und Reisfeldern, Häusern und Industrieanlagen.
Ich drehte mich um und sah Tina lachend im Rücken des anderen Thais…sie hatte offenbar weniger Muffensausen als ich. Ich merkte wie sich meine Finger am Sattel festkrallten.

20 Minuten später waren wir da.
Man fuhr uns in die Tempelanlage, direkt vor den Raum in dem die Tattoos, das heilige “Sak Yank” gestochen werden soll.

Wir bezahlten, bedankten uns gegenseitig beieinander und verabschiedeten uns.
Leider konnten wir uns nicht wirklich austauschen. Aber manchmal bedarf es keiner Sprache, um zu merken ob Menschen ein gutes Herz haben oder nicht und unsere Fahrer hatten etwas an sich…

Das Tätowieren des “Sak Yant”

Bis zu drei Mönche stechen zeitgleich die Tattoos und segnen diese im Anschluss um ihre beschützende Wirkung zu aktivieren.
Teilweise mit elektrischen Maschinen wie man sie aus Studios von überall auf der Welt her kennt.
Teilweise mit stählernen Nadeln, die mit der Kraft und dem Geschick der Hände der Mönche ihre Farbe und die Magie unter die Häute treiben.
Bambus wird heute, zumindest hier, nicht mehr verwendet, habe ich in einem Bericht des Magazins “Der Spiegel” gelesen.
Was darüber entscheidet, wer nach welcher Methode gestochen wird, ist mir nicht ganz klar geworden.
Zufall?
Magie?
Schicksal?
Klar war mir jedoch, dass es gilt sich einzureihen und sich treiben zu lassen.
Du bekommst was du bekommst. (“…hoffentlich kein Swastika…”)

Vor dem “heiligen Studio”, an dem wir nun angekommen waren, wartet eine Dame, die an einem Tisch “Donation Sets” gegen eine Spende von 75 Bath bereit hält.

  • Blüten der Frangipani
  • eine Tempelkerze
  • ein Päckchen Mentholzigaretten “Falling Rain 90”
  • auf Wunsch ein rosa Umschlag, in den eine Geldspende in individueller Höhe gegben werden kann

Bewaffnet mit den Dankesgaben dieser Dame betritt man barfuß das “Studio”.
Katzen machen es sich gemütlich und schnurren sich durch die Gegend.
Der Raum ist mit buddhistischen Symboliken und Statuen geschmückt.
Fotografieren verboten!
Rauchen verboten!
…ausser für die Mönche, die die Mentholzigaretten paffen und mit dem Rauch im Anschluss den Segen auf die Haut blasen. In der traditionellen Dankesgabe gibt es Tabak in Palmenblätter gerollt.

In einer Ecke sitzen Mönche beieinander und unterhalten sich.
Man folgt den Stufen in einen weiteren Raum.
Menschen sitzen auf dem Boden, dem Mönch gegenüber.
Verneigung.
Setzen, demütige Ruhe, das Surren der Maschine.
Die Spenden werden in eine Schale gelegt.

Mit dem Rücken zum Mönch sitzt der zu Tätowierende auf einem Kissen auf dem Boden.
Vornübergeneigt.
Zwei Helfende straffen die Haut.
Der Mönch greift in einen Kasten.
Wählt das Symbol.
Drückt die Schablone auf ein Stempelkissen, dann auf die entsprechende Stelle.
Die Nadel, mit der auch schon die Vorherigen gestochen wurden, wird in die Tinte getaucht.

Ob hier irgendwas irgendwann desinfiziert wird ist fraglich.
Ich habe es während über einer Stunde Beobachtung nicht gesehen.
Aber vielleicht ist es auch nur meinen Augen entgangen.

Dafür ist es magisch.

Der Mönch scheint kein sanfter Tätowierer zu sein.
Frei nach dem Motto “Physischer Schmerz ist ein ehrliches Gefühl.” werden die Symboliken unter die Haut gebracht.

Verzerrte Gesichter.
Man ist ja nicht zum Spaß hier.

Ein weiterer Mönch betritt den Raum, setzt sich in die andere Ecke.
Er scheint derjenige zu sein, der heute für die manuelle Methode zuständig ist.

Meine Gruppe ist wohl die “Maschinengruppe”, das macht mir aber nichts.
Alles hat seinen Grund, ich bleibe eingereiht.

Die Menschen im Raum rutschen auf.
Man entledigt sich seines Shirts, verneigt sich dreimal vor dem Mönch und wendet ihm seinen Rücken zu.

Nachdem das Symbol gestochen wurde, spricht der Mönch ein leises Gebet und haucht seinen Segen auf die vor Blut und Farbe tropfenden Zeichnungen.

Tätowierte werden zu Helfern, man verneigt sich, man verlässt den Raum leise, gebeugt, demütig und glücklich.

Wir sind dran, der Mönch winkt uns fast unmerklich zu sich, meine Gruppe nimmt mich mit und deutet mir was zu tun ist, alle fassen die Opferschale an, der Mönch ebenso, spricht einen Segen, die Schale wird übergeben – wir sind bereit für unser “Sak Yant”.

Irgendwann bin ich dran, Verneigung, umdrehen, festegehalten werden, 15 Minuten brennen unter der Haut (…hoffentlich kein Swastika…), Segnen, Klopfer auf den Rücken (ab mit Dir) und zum Helfer geworden.

Derjenige nach mir vollzieht das Ritual, beugt seinen Körper, der Mönch drückt ihn weiter nach vorne, zückt die Maschine und schmückt seinen Rücken kurz über dem Steiß mit einem reich verziehrten Swastika.
Mir wird etwas flau.
Hoffentlich ist heute nicht “Buddhas Fusspuren Tag” denn diese sollen durch das Swastika symbolisiert werden.
Auf jeden Fall scheint diese Stelle noch um einiges Schmerzhafter zu sein als die in meinem Nacken.

Wir verlassen den Raum.

Was ich haben wolle fragte Tina – genau das was ich bekam, antwortete ich.
(Hoffentlich kein Swastika)
Schön sei es.
Ob ich es mal sehen wolle!?
Um Himmels Willen Ja!!! Mach ein Bild los!!

Mein “Sak Yant” stellt ein “Gao Yord” da.

Sak Yant
Frisch gestochen, mit Blut, Farbe und Segen verschmiert.

Es symbolisiert mit seinen neun Spitzen den heilligen Berg “Meru”, der das Zentrum des Universums darstellt, buddhiststische Symboliken enthält und ist eines der Tattoos, mit denen üblicherweise das “Sak Yant” begonnen wird, welches sich, wenn alle Elemente gestochen wurden, über den ganzen Rücken erstreckt.
Es steht für den direkten Weg ins Nirvana.

Dieses Symbol, der “Gao Yord” verspricht seinem Träger Glück und schützt vor bösen Geistern und Flüchen.

Um die Wirksamkeit dieses Bildes beizubehalten, müssen allerdings gewisse Regeln beachtet und befolgt werden; so soll sich die Energie nicht umkehren und gegen den Träger richten.

Für das “Gao Yord” gelten unter anderem die folgenden Regeln:

Nicht stehlen.

Nicht töten.

Keine Drogen zu sich nehmen.

…ich denke daran kann man sich halten.

Zurück geht es vom Tempel mit einem Bus (20Bath) zur nächsten Minibusstation und von dort für 60Bath zurück nach Bangkok (Demokratie Denkmal).

…was ein Tag.
Ich bin gesegnet und zufrieden…ich mach jetzt ersteinmal ein Nickerchen.

Wann immer es möglich ist, sollte man dieses Tattoo jährlich im Tempel zum alljährlichen Wai Khru gehen, “der Tag zu Ehren des Lehrers” Khru bedeutet in Thai “Lehrer”, neu segnen lassen um seine schützende Wirkung beizubehalten.
Der Träger des “Sak Yant” ist der Schüler – der “Lugsit”.

Über die Aussprache oder der Verwendung des Namens gibt es mehrere Möglichkeiten.
Diese Tätowierung ist eine sogenannte “Yantra Tätowierung” weshalb sich in unserem Sprachgebrauch die Bezeichnung “Sak Yant” durchgesetzt hat. Etwas korrekter wäre wohl die Bezeichnung “Sap Yon” denn so wird diese Tätowierung in Kambodscha genannt aus der sie ursprünglich stammt. In Thai nennt man diese “Sak Yan”.

Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr diese gerne hier lassen, oder euch an Patrick von “Thai Amulet Guide” wenden, den ich kurz nach meinem “Sak Yant” kennenlernte. Dieser hat mich bei Recherchen zu diesem Artikel sehr unterstützt (was ich wirklich zu schätzen weiß), Bilder zur Verfügung stellte und sich schon lange und intensiv mit diesen Tätowierungen und deren Bedeutungen auseinandersetzt.

EDIT im Oktober 2017:

Wir sind jetzt schon einige Zeit wieder zurück in Deutschland, wohl behütet sogar denn ohne blaue Flecken und auch reibungslos in die “zivilisierte Welt” eingegliedert.
Der Kontakt mit Patrick, der mich hier bei diesem Beitrag mit der Recherche unterstütz hatte ist nie ganz abgerissen (Facebook sei Dank) und so haben wir uns tatsächlich einmal getroffen als er eine Tattoosession bei sich gab.
Auch um meinen Segen aufzufrischen und um ein neues stechen zu lassen – quasi um meinen Schutz zu erweitern.

Mein “Gao Yord” ist nun zu einem “Sap Gao Yord” ergänzt worden.

Wer Interesse an diesen Tattoos hat, der sollte sich mit Patrick in Verbindung setzen.
Die Tattoos sind hier zwar nicht so günstig wie in Thailand, dafür spart man sich den Flug UND es ist hygienisch einwandfrei.

Es ist definitiv ein Erlebnis sein Sak Yant per Hand gestochen zu bekommen, von jemanden der nicht nur das Symbol sondern auch die Ästhetik des Bildes mit einbezieht.

 

Hier ein bisschen Literatur zum Thema:


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3 Antworten

  1. […] Sak Yant – Das gesegnete Tattoo aus dem Wat Bang Prah Von diesen heiligen Tattoos hast Du bestimmt schon mal gehört. Selbst Angelina Jolie hat eins. Diese Tattoos werden Dir von einem Mönch gestochen und Du hast keinen Einfluss auf Motiv oder Ort. Klingt spannend? Ist es auch. Tina hat jetzt inzwischen auch ein gesegnetes Sak Yant Tattoo und beschreibt genau, wie sie dazu gekommen ist. rollkoefferchen.de/suedostasien/sak-yant-das-gesegnete-tattoo/ […]

  2. Ich war selber vor über 3 Jahren da. Ich hab icht eine Tattoomaschine gesehen, nur Traditionelle Langnadeln. Vielleicht wart ihr auch im Touristen gebäude. Ich war Ausschließlich mit Einheimischen da, durfte mir das Motiv Aussuchen, und dann wurde mit der Langnadel eine 3/4 Stunde Tattowiert. Ein Tiger mit einem Buddhistischen Spruch der Kraft und Gesundeit vereiht, und der sagt das ich nie durch eine Kugel sterben werde.

    • Hi Andy, nein soetwas wie ein Touristengebäude gibt es da nicht.
      Dort war ein raum in dem zwei Mönche stachen.
      Einer mit den Langnadeln und einer mit der Maschine.
      Gestochen wurde dort ales und jeder – und hätte die Katze sich vor den Mönche gesetzt, ich bin mir sicher die hätte auch eins gebratzelt bekommen 😀
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