New World Plaza Bangkok – die verlassene Fishmall

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Das „New World Plaza“ in Bangkok – auch unter dem Spitznamen „Fishmall“ bekannt ist eine jener urbanen Erzählungen, um die sich
Legenden ranken. Steht diese verlassene Ruine, mit einem Namen, den sich Orwell dafür nicht hätte besser ausdenken können, doch mitten im Herzen dieser pulsierenden Milionenstadt und verrottet vor sich hin.

Jahrelang lag die Mall, das „New World Plaza“, einsam und verlassen zwischen Essens- und Kleiderständen und fristete ein eher unbeachtetes Dasein.
Für die Einwohner ein altes, unnützes Ding das auf seinen Abriss wartet, für abenteuerlustige Touristen aber nach Einträgen in den sozialen Medien bekannt und interessant geworden.

In den späten Jahren der 1980 erbaut, gehörte das elfstöckige „New World Plaza“ zu den wichtigsten Malls im Lande.
Das „New World Plaza“ versprach den Einwohnern und den Besuchern Bangkoks, unweit der berühmt berüchtigten Kaoh San Road gelegen, vollen Konsumrausch.

Aber irgendetwas ging gründlich schief, irgendjemand hatte wohl einen Stempel – oder eine Handvoll Dollars an der richtigen Stelle vergessen und 1997 entschieden Richter über die Rechtmäßigkeit dieses Bauwerkes. Negativ.

Zumindest teilweise. Die zuständige Bauaufsicht urteilte, dass die obersten 7 von den insgesamt 11 Stockwerken ohne entsprechende Genehmigung erbaut wurden und wieder abgetragen werden mussten.

Die Mall wurde geschlossen, die obersten 7 Stockwerke wurden abgetragen, die ersten 4 verblieben, allerdings vorerst ohne richtiges Dach.
Irgendwann brach dann noch ein Feuer aus und das war es dann komplett.

dystopia

Das „New World Plaza“ füllte sich von nun an nicht mehr mit im Kaufrausch verfallenden Kunden, sondern mit Regenwasser welches nach und nach das Erdgeschoss flutete.
Durch den Haupteingang eingetreten, ging es ersteinmal einige Stufen nach unten – diese Fläche, hunderte Quadratmeter, füllten sich nun wie ein Basin.

Auch mit Moskitos, die sich in diesen Umgebungsbedingungen herrlich wohl fühlten.

Da die Anlieger nicht wirklich Lust auf eine Moskitoplage hatten, hatten sie eine geniale Idee.

„…da ist Wasser und da ist Futter.
Lasst uns doch einfach Fische aussetzen!?
Die Fische essen die Mozzies und am Ende des Tages essen wir die Fische…“

Gesagt getan. Kois, Barsche, Karpfen wurden ausgesetzt und vermehrten sich in den folgenden Jahren, unter diesen großartigen Bedingungen im „New World Plaza“ wie die Karnickel.

Die Fische aßen die Mozzies – die Anwohner die Fische. The Circle of Life.

Der fette, hässliche Klopps war zum alltäglichen Bestand des Lebens geworden und keine weitere Erwähnung wert.
Bis nun am Anfang des Jahres 2015 die Entscheidung zum entgültigen Abriss der Mall gefasst wurde…
…die Medien interessierten sich und das „New World Plaza“ kam zurück ins Gedächtnis der Menschen.

Um den Abriss vorzubereiten, wurden im Januar 2016 durch das städtische Veterinäramt über 3000 Fische entfernt und an neuen Orten angesiedelt.

Unser Weg hinein.

Während wir also im Bus zum „New World Plaza“ saßen, machte sich aufgeregte Vorfreude in unserem Bäuchen breit.
„New World Plaza“, ein so dystopisch verstörender Name für einen verlassenen und heruntergekommenen Betonbau mitten im Herzen Bangkoks, als hätte ihn Orwell persönlich dorthin gelegt; die Bekanntschaft mit einer urbanen Legende stand uns bevor und ließ unsere Herzen höher schlagen.

Der Eintritt in das „New World Plaza“ ist freilich nicht legal und so konnten wir nicht erwarten straight durch den Haupteingang zu spazieren und der „schönen neuen Welt“ die Hand zu reichen.

Wir standen nun also vor der Mall, hierhin hatten wir es schonmal geschafft, der Haupteingang war natürlich verschlossen – durch eine Holztür an der sich offensichtlich schon der ein oder andere zu schaffen gemacht hatte.
Ein kleiner Spalt lies einen kurzen Blick ins Innere zu. Aber nicht weit.
Direkt gegenüber eine Obstverkäuferin, die unser Interesse an diesem freiliegenden Fassadenteil wohl schon zu Kenntnis genommen hatte.
Hier kamen wir ohne sofort bemerkt zu werden also nicht rein.

Wir beschlossen eine Runde um die Mall zu drehen, irgendwo musste es doch noch einen Weg hinein geben.
Die Mall liegt zwischen viel befahrenen Straßen und die Fassadenzeile des Erdgeschosses des „New World Plazas“ ist noch immer mit Geschäften versehen.

Wir liefen vorbei an den Ständen der Textilhändler, der Schmuckverkäufer, Essenswägen.
Die Gerüche Bangkoks schlugen uns ins Gesicht.
Abgase, Essen, Stoffe – Pisse.

In einer kleinen, dunklen Seitengasse entdeckten wir an einem Zaun ein selbstgeschriebenes Schild.
„All Fish removed, no more fish, do not cross!“

Tatsächlich wurden im Januar 2016 ein Großteil der in der Mall lebenden Fische eingefangen und weggebracht, da die Mall demnächst abgerissen werden soll…eigentlich schon seit 2004 als es in der Ruine einen tödlichen Unglücksfall gab.

Da auch dieses Tor genau zwischen Essenswägen war, konnten nicht durch oder über den Zaun klettern, wir fielen sowieso schon zu sehr auf.
Zwei Ausländer – zwei Farangs die möglichst unauffällig versuchten durch eine Gasse zu schlendern, in der sich sonst keine aufhielten.
Fehlte nur noch, dass wir ein Liedchen pfiffen.

Hier also auch nicht.

Wir gingen weiter, die neugierigen Blicke auf unsere neugierigen Blicke ignorierend.

Ungefähr auf der dem Haupteingang gegenüberliegenden Seite des „New World Plazas“, der vermeintlich ehemalige rückwärtige Eingang, kleiner Holzverschlag, Treppenstufen, Tür – sah fast machbar aus sollte die Tür zu öffnen sein.
Fast, vor dem Treppenaufgang natürlich T-Shirt Verkäufer und Essenstände und noch dazu an den Essenständen zwei Männer in Polizeiuniform.
Nein, besser nicht…

Wir folgten der Straße, der Fassade entlang.
Schmuckverkäufer (echtes Gold!), Kleiderverkäufer (echt Armani!), Essen (Curryyy – PadThaiiii!), Katzen und Menschen jagten sich gegenseitig über den einstmals als Gehweg gedachten, gepflasterten Streifen zwischen Mall und Straße, der nun mit Ständen und Menschen überfüllt war, TukTuk Lärm und Gerüche rundeten die Erfahrung auf allen Sinnesebenen ab.

Wieder vor dem Haupteingang – irgendwas mussten wir übersehen haben.
Wir schauten uns um.
Die Obstverkäuferin war mittlerweile in einen Halbschlaf verfallen – (oder durch die Abgase der Straße betäubt) und schlummerte auf ihrem Schemel sitzend vor sich hin.
Vielleicht also doch, todesmutig und leichtsinnig durch den Haupteingang stoßen?
Wir schmiedeten unseren Plan.
Zwei TukTuk Fahrer die sich in der Nähe niedergelassen hatten wurden auf uns aufmerksam:
„Where do you go?!“ – „We are waiting for someone!“ – „Aaaah, TukTuk?!“ – „Nein Danke! – Mai au krap!“ -„No TukTuk?!“ – „Noooo…“
Also doch kein Haupteingang.

Wir waren nun schon ein bisschen fragender ob das -hier- war?! Also der Eingang ins „New World Plaza“.

Vom 30 Jahre alten Beton der Eingangssäule sprang uns ein mit Schablone gesprühtes Grafitti ins Gesicht:

„The right place!“

the right place

Es musste also hier sein…wir hatten gehört, dass man sich eine „Tour“ kaufen kann.
Aber das wollten wir nicht.
Das musste so gehen – was wären wir für Abenteurer.

Noch eine Runde – ansonsten durch den Haupteingang.

Wir wurden nun, in einem uneinsichtigem Winkel gelegen, in etwa auf der Höhe des ersten Stocks auf ein Loch in der Fassade aufmerksam.
Hinter einem Baum, auf einem Vordach eines ehemaligen Treppenhauses eines Seiteneinganges in ca. 4 Metern Höhe.
Davor eine ca. 2 Meter hohe Mauer.

Ein Sprung, mit den Händen auf der Mauer und den Füßen am Baum kräftig abgestützt und wir knieten wackelig auf der Mauer.
„Beeilung damit wir nicht gesehen werden!“
Ein weiterer Sprung, am Vordach hochgezogen, mit den Füßen am Baum abgedrückt und schon befanden wir uns auf dem Vordach vor dem Loch.
Dem Eingang ins Unbekannte, nun durften wir nicht zögern, wir waren schon zu weit gekommen um jetzt umzukehren oder erwischt zu werden.

Auf allen Vieren durchs Loch, mit den Knien im Schutt ins Halbdunkel – in eine andere Welt.

inside the dream

Wir fanden uns im schummrigen Licht eines alten Treppenhausvorraumes wieder und stellten fest, dass wir weder an eine Taschenlampe für die Sicht noch an ein Tigerentenpflaster gegen etwaige Schürfwunden gedacht hatten.
Wir waren auch schon besser vorbereitet gestartet.
Wenigstens waren alle Kameras aufgeladen. Nicht wie damals beim „Tough Mudder“ in Sydney“.

Wir bewegten uns nun, ungesehen von der Aussenwelt, an einem vom Menschen verlassenen Ort.
Wie in einem Paralleluniversum in dem alles im Gegensatz zur Aussenwelt und der Vergangenheit des Raumes abläuft.
Die Geräusche und Gerüche von draussen schafften es nicht mehr hinein.
Ebenso fehlte es an Luftbewegung, durch das Wasser im Erdgeschoss war es extrem schwül.
Der Schweiss rann uns sofort von der Stirn.

Wir drückten uns durch einen mit einem hochkant stehenden alten Schreibtisch verbarrikadiertem Türschlitz und sahen in die Halle.

inside the dream

Nichts, soweit das Auge reichte.
Eine komplett leergeräumte Mall stand uns entgegen, lediglich die grauen Betonwände machten noch den Versuch von vergangenen Tagen zu erzählen als die Menschen hier, dem Konsum- und Kaufrausch verfallen, versuchten ihre Gelüste zu stillen und ihr Glück zu finden.

Unsere Füße knirschten auf den von der Decke herabgefallenen Betonstücken, alte Fliesen knackten unter unseren Füßen, dann und wann knirschte Glas.
Ansonsten Stille.
Alles was wir hörten waren wir selbst.

Das drei Stockwerke über uns einfallende Sonnenlicht zauberte eine gespenstisch magische Atmosphäre.
Die Ruhe und das Nichts, wie zerbrochene Träume als Scherben auf dem Boden liegende Glassplitter, das Halbdunkel.
Drehte man die Uhr 15 Jahre zurück; der absolute Kontrast von ursprünglichem Zweck zu jetzigem Sein!

Das Glas der Rolltreppen, die die Menschenmassen einst von Ebene zu Ebene transportierten, lagen gesplittert auf dem kahlen Beton, die verrosteten Stufen ragten in das Wasser welches zwar teilweise abgelassen wurde, aber noch immer ca. 30cm hoch stand. Eine handvoll Fische jagten sich durch ihr zu Hause, womöglich aufgeschreckt durch die Eindringlinge. Einige im Wasser wachsende Pflanzen hatten Wurzeln gefasst und waren noch nicht entfernt worden.
Ein alter Sonnenschirm stak kopfüber im Schutt des Wassers.

Wir liefen in Richtung des Ortes an dem der Hauptteil der Mall einmal war.
Das Foyer am Boden eröffnete einen großen Freiraum für Rolltreppen und Aufzugschacht.
Das „New World Plaza“ muss einst riesig und funkelnd gewesen sein.
Bei genauem Hinsehen konnten wir noch wenige, kleinere Kois entdecken, die sich in die schattigeren Teile des Wassers flüchteten um nicht gesehen zu werden.

Der Anblick der 3000 Fische die hier bis zu ihrer Umsiedlung lebten, muss großartig gewesen sein.

Der Rolltreppe bis zum Wasserspiegel folgend sah ich nun auch weshalb es gut ist nicht durch den Haupteingang zu kommen.
Nach betreten hätten wir einige Treppenstufen nach unten machen müssen und wären so mit den Füßen im Wasser gestanden, wenn wir weiter auf Explorationskurs hätten bleiben wollen.
Die Wasseroberfläche war spiegelglatt und reflektierte die Lichtstrahlen auf eine surreale Weise in der Mall.
Keine Spuren von Moskitos im klaren Wasser – zum Glück.

Wir drehten unsere Runden, im vierten Stock hatten sich einige Sprayer verewigt.
Weshalb eigentlich nicht?
Könnte mir kaum einen besseren Ort vorstellen um einige Bilder zu malen.
In den späten 90ern und frühen 2000ern wäre diese Mall in Deutschland sicherlich Veranstaltungsort für einige illegale Raves gewesen.
Ich konnte die zu den hämmernden Beats schwitzenden Körper förmlich vor mir sehen.

In den ehemaligen Waschräumen angekommen, wurde ich durch heftiges Geflatter und Fiepen erschreckt – Fledermäuse wohnen hier also auch.
Beeindruckend wie sich die Natur ihren Lebensraum wieder zurückerobern kann – wenn man sie nur lässt.

Eigentlich wollten wir uns noch die Skyline Bangkoks vom Dach des „New World Plazas“ ansehen, konnten aber aus dem Treppenausgang spähend einen Wachmann des angrenzenden Parkhauses erkennen.
Lieber nicht übermütig werden dachten wir uns mit dem Ziel diesen abenteuerlichen Vormittag mit einer ganzen Menge aufregenden Eindrücken ohne Trouble zu Ende bringen.

So schlupften wir wieder aus dem Loch durch das wir gekommen waren und fanden uns auf dem Vordach der Mall.
Ein Sprung noch der uns in das alte, hektische Treiben Bangkoks zurückkatapultieren sollte.
Zwischen den T-Shirt Ständen hindurch – high five – ein Schmunzeln und erstmal was zu Essen finden.

Eine lupenreine Anleitung, in Form einer „Schatzkarte“, wie man in das Gebäude reinkommt wollen wir nicht schreiben.
1. Ist der Zutritt nicht legal.
2. Geht dann das Abenteuer vollkommen vor die Hunde.
3. Denken wir haben wir schon genügend Hinweise in dem Text da gelassen um den Weg zu finden.

Wenn ihr euren Weg rein gemacht habt, seid vorsichtig, ihr steht in einer Bauruine.
Tragt keine Flip Flops – es liegt Glas auf dem Boden und nehmt vorsichtshalber eine Taschenlampe mit.
Wie gesagt, es ist nicht legal. Vermeidet Ärger und Aufsehen.

Genießt sie, die schöne neue Welt.
Noch ist die Mall mit den Fischen, die den Netzen entgehen konnten auf
13°45’41.76°N 100°29’53.99°E zu finden.

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Bangkok Post
Huffington Post
NY Daylie News


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