Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias.

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Kuala Lumpur kommt einem, wenn man gerade das saubere, geordnete und glattgebügelte Singapur hinter sich gelassen hat, wie eine schmutzige, wilde Hure vor die für Geld alles zu tun bereit ist.

Die Schere zwischen Arm und Reich scheint hier extrem, auf der einen Seite die Petronas Towers die als eine der höchsten Wolkenkratzer überhaupt über allen anderen, zahlreichen Hochhäusern multinationaler Firmen und Banken tronen und den Superkapitalismus hell erleuchtet in die Nacht
hinein schreien.
Auf der anderen Seite, in den Schluchten der Hochhauswelt, kleine rauchige Straßenbuden die ihr Essen unter hygienisch bedenklichen Aspekten für diejenigen zubereiten die sich oft nichteinmal ein Paar Schuhe für ihre wunden Füße leisten können.

Mit Geld scheint in Kuala Lumpur alles machbar und zu bekommen und so versuchen die Gewerbetreibenden uns Touristen so gut zu melken wie es irgend geht, sind wir weisse Europäer – und dann noch Deutsche – doch der Inbegriff für Wohlstand und Reichtum.
Wer kann es ihnen wirklich verübeln ein Geschäft mit Touristen machen zu wollen, Malaysia verfügt zwar über die stabilste Wirtschaft Südostasiens (Singapur mal aussen vor gelassen), dennoch handelt es sich hier eher um ein Schwellenland in dem es nicht viel an sozialer Absicherung zu geben scheint.

Anfänglich war es befremdlich und nervig ständig angesprochen zu werden ob man nicht dies oder jenes kaufen oder machen möchte oder an, zum Beispiel, Museumskassen als Ausländer einige Ringgit mehr zahlen zu müssen als als Malaye – der „ich werde diskriminiert“ oder „nur weil ich weiß bin – das ist Rasissmus“ Schrei in mir wurde laut, auch wenn es nur um wenige Ringgit ging.

Zum Beispiel im Museum für islamische Kunst, welches absolut zu empfehlen ist, als Ausländer werden 15Ringgit fällig (ungefähr 3€), als Malaye sind es hingegen lediglich 10Ringgit, also ungefähr 2€…so what?!
Ich glaube bei meiner anfänglich inneren Ablehnungshaltung ging es eher um ein typisch deutsches gleichbehandlungs Ding, das total vergessen hat, dass die meisten Malayen ungleich härter und länger für ihr Geld arbeiten müssen als wir es mussten.

Allerdings sollte man typisch deutsche Dinge auch lieber in Deutschland zurücklassen wenn man sich ausserhalb des europäisierten Einflussbereiches begibt. Man muss sich einfach damit abfinden, dass Zebrastreifen eher als dekoratives Straßenelement gelten und es jedes mal einen ganzen Haufen Mut kostet eine Straße überqueren zu wollen. „…Todesmutig auf die Straße stürzen…“ hat das ein Freund genannt. Und so ist es auch.
Auch sollte man Gedanken wie „…hygienisch nicht unbedenlich…“ eher nicht übergewichten wenn man ein möglichst realitätsnahes Lebensgefühl erleben und das supergünstige und leckere Essen von den Ständen genießen möchte, auch „…in der Schlange anstehen…“ – wer zu seinem Vorderen nicht so nah aufschliesst, dass er fast schon auf desjenigen Rücken sitzt muss damit rechnen als „nicht anstehend“ gewertet und überholt zu werden. Höfliche Zurückhaltung oder Beachtung einer persönlichen Privatsphäre ist da eher ein Zufallsereignis.

Kuala Lumpur, oder KL ist crazy, überall stehen Hochhäuser, es gibt super ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr der sogar eine Monorail beinhaltet und absolut erschwinglich und „für uns“ super billig ist.
Die Fahrt zu den „Batu Caves“ einem Hindu Tempel 15 Kilometer ausserhalb hat uns 6,20Ringgit, also 1,35€ gekostet.
Aber auf der anderen Seite scheint die Stadt dem Verfall preisgegeben zu sein.
Überall wird gebaut, doch einmal gebaut scheint nicht mehr gewartet zu werden und was irgendwann einmal kaputt ist, scheint kaputt zu bleiben bis…
..ja, bis irgendwann einmal. So stehen verlassene, heruntergekommene Häuser direkt neben Hotels, aus Straßenlampen schauen Drähte heraus, Rolltreppen und Aufzüge in Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen scheinen schon etwas länger defekt zu sein und selbst auf den Gehwegen sind immer wieder Platten herausgebrochen oder fehlen ganz.
Das gilt auch für Gullydeckel – man muss also immer ein Auge auf dem Boden haben wenn man nicht in ein Loch fallen und sich nicht verletzen möchte.
Und das direkt in der Innestadt, sogar um die Börse herum.

Rollercoaster TycoonUnd gleich zwischen dem Versagen der Straßenreinigung und dem heruntergekommenen Polizeihauptquartier steht die größte Schoppingmall der Welt.
Der „Berjaya Times Square“ welcher sogar ein eigenes Stockwerk mit Vergnügungspark beheimatet, die Achterbahn sieht beachtlich erschreckend aus, leider waren nicht alle Fahrgeschäfte geöffnet sodass wir darauf verzichteten 52RM für den Eintritt auszugeben – daneben noch andere neun Stockwerke für alles erdenlich erschwingliche, von Luxus bis Schrott.
Ganz unten im „Keller“ findet sich der „Hero Supermarket“ dessen Bäckerei und Kantine sehr günstiges Essen und Getränke anbieten.

In Kuala Lumpur wird sehr schnell sehr deutlich wie eine (Haupt-)Stadt aussieht wenn die öffentliche Hand, nicht mehr in der Lage ist den Instandhaltungspflichten nachzukommen, der privatisierte und (freigegebene) Kapitalismus jedoch prosperiert, wächst und gedeiht.
Gründe hierfür gibt es einige, aber das würde (jetzt) zu weit führen.

Dicke, schwarze Mercedes Benz Karossen, Lotus, Porsche, alle auf den Straßen zu sehen, umwuselt von knatternden Zweirädern und stinkenden Autos, überall Schmutz und Luxusboutiquen, Menschen die an Bushaltestellen schlafen und Menschen die Tüten voll Designerprodukte umhertragen.

Diese Stadt ist so unglaublich divers. So voller Menschen und Leben. Voller Kontraste.

Ein Besuch Kuala Lumpurs ist absolut empfehlenswert wenn man in der Nähe ist.

Von Singapur sind es mit dem Bus ungefähr 6 Stunden und rund 25€ (wenn kein „Chinese New Year“ ist, dann verdoppeln sich die Preise), Tickets gibts beim „Golden Mile Komplex“. Vergleicht die Preise der Anbieter! Oder etwas günstiger vom Bahnhof „Woodlands“ zu „KL Sentral“ mit dem Zug.

Der Islam ist Staatsreligion und somit im Alltag sehr ausgeprägt, 60% der Einwohner Malaysias sind orthodox-islamisch, lasst also auch die Sehenswürdigkeiten nicht aus die euch einen seltenen Einblick in diese Religion gewähren.

Und obwohl es sich bei Malaysia um einen Islamischen Staat handelt, hat auch Malaysia mit der Bedrohung durch den Terrorismus zu kämpfen, es herrscht eine hohe Polizeipräsenz die um „westliche Wahrzeichen“ mit Maschinenpistolen schwer bewaffnet Patroullieren und von Militär mit Sturmgewehren unterstützt werden.
Auch das ist für einen Europäer ersteinmal einzuordnen.
Dagegen scheinen die ganzen Streifenpolizisten auf den Straßen und die privaten Sicherheitsleute vor Restaurants, Firmen und Parkhäusern eher harmlos und lassen zurück an Alice Springs denken wo vor jedem Bottleshop eine Polizeistreife positioniert ist.

Das Museum für islamische Kunst welches Schriften des Korans aus dem 14 Jahrhundert ausstellt und herrliche Zeugnisse der Handwerkskunst bereit hält.

In direkter Nähe ist die „Staatsmoschee“ zu finden. Von 08:00 – 12:00 und von 15:00 – 16:00 könnt ihr diese besuchen und die Architektur bestaunen. (Arme und Beine bedecken!)

Entsprechend der anderen Kultur gelten auch etwas andere Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit von Kuala Lumpur als bei uns.
Küssen in öffentlichen Einrichtungen (z.B. der Bahn) ist nicht gerne gesehen.
Homosexualität ist nicht straffrei.
In der Bahn gibt es zwei Waggons, die roten, die ausschliesslich für Frauen bestimmt sind, Männer haben darin nichts zu suchen.
Aber daran kann man sich anpassen.

Ein großteil der Bevölkerung ist, wenn nicht Moslem, Hindu und so gibt es auch den ein oder anderen sehenwerten Tempel in Kuala Lumpur und der näheren Umgebung. Besucht also unbedingt die „Batu Caves“ – ein Hindu Heilligtum mit beeindurckender Statue des Gottes „Murugan“ der über den
Dämon „Soorapadam“ siegte. Rund 300 Stufen ist der Weg zur Tempelhöle lang den Makakenäffchen
bevölkern und durch die 42 Meter hohe, goldene Statue Murugans eingeleitet wird.

Die Petronas Towers sind für einen Eintrittspreis von 86 Ringgit pro Person zu besuchen. Die Führung dauert 45 Minuten und verschafft einem Zutritt zur Sky Bridge im 42 und zum Observation Deck im 86 Stock. Auch wenn der Eintritt für Malayische Verhältnisse nicht ganz günstig ist – der Ausblick, vor allem in die Nächtliche, funkelnde Stadt ist ihr Geld wert. Tickets sind begrenzt und wenn weg, dann weg. Kommt also früh genug oder bucht eure Tickets im Internet um die Gelegenheit nicht zu versäumen aus diesem „Wunder“ von Kuala Lumpur zu blicken.

Aber was soll man alles für Tipps für diese tolle Stadt geben die so viele Abenteuer hinter jeder Ecke bereithält wenn man sich nur darauf einlässt?
Raus auf die Straße und genießen – nur nicht in die Touristenfallen tappen. 🙂

Bars gibt es in Kuala Lumpur wie Sand am Meer, unser großartiges Guesthouse „Oscar“ welches wir über bookig.com gefunden hatten lag direkt im Zentrum in einer ruhigen Seitenstraße so waren wir direkt an köstliche Essensstände und dem Unterhaltungsbezirk angegliedert. Leider müssen wir sagen, dass es auf den Straßen doch eher zuging wie auf dem Ballermann und wir diesem Viertel kein Geld in den Rachen warfen, allerdings hat KL auch die ein oder andere Hipsterbar die nur zu finden ist wenn man weiss das es diese gibt.

Hier DER Tipp um an einen verdammt guten „Lemongrass Gin Tonic“ zu kommen:

„Barlai“ in der 3, Jalan Sin Chew Kee, Bukit Bintang

…nebenbei bekommt ihr dort noch eine abgewandelte Form des „Singapur Sling“ – den „Barlai Sling“, auch ganz köstlich. 🙂

Geniesst euren Aufenthalt und habt Spaß, Kuala Lumpur ist eine großartige Stadt in der es noch sooo viel mehr zu entdecken gibt! Also volle Fahrt voraus.

 

Für uns geht es von hier aus mit dem Zug weiter nach George Town im  Bundesstaat Penang bevor wir Malaysia in Richtung Thailand verlassen werden.

 


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