Die Roten Khmer – Kambodschas Leid

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Die Roten Khmer sind ein Teil der kambodschanischen Geschichte um den man keinen Bogen machen sollte, wenn man sich ernsthaft mit dem Land auseinander setzen möchte.
Auf den wunderschönen Landschaften, den Karst Gebirgen, den Tempeln, den langen Sandstränden, klebt Blut.
Das Blut der Kambodschaner.

Ich habe lange überlegt ob ich diese Thematik hier in den Blog aufnehme, aber ich muss, es wäre respektlos und ignorant die Roten Khmer und ihre wahnsinnige, fehlgeleitete Ideologie nicht erscheinen und Kambodscha nur im Glanze Angkor Wats erleuchten zu lassen.
Natürlich ist die Thematik, die durch den maoistisch geprägten Führer namens Pol Pot ihren grausamen Stempel aufgedrückt bekommen hat, kompliziert und weitläufig und kann von mir hier in diesem Rahmen nicht annähernd vollständig wieder gegeben werden.
Aber wenn diese kleine Einleitung, mit ihren weiterführenden
Verweisen und die nachfolgenden zwei Artikeln über die „Killing Fields“ und das Foltergefängnis „Tuol Sleng“ (oder auch schlicht „S21“) nur dazu dienen, sich auch über diesen Teil der Geschichte zu informieren, habe ich erreicht was ich erreichen wollte.

Erinnerung verhindert Wiederholung.

Angkar ist alles
Angkar ist alles

Die Roten Khmer (Khmêr Khrôm) putschten sich 1975 unter der Leitung des Vorsitzenden „Pol Pot“ geschickt an die Macht.
Kambodscha war durch die französische Besetzung vor dem zweiten Weltkrieg, die japanische Einverleibung im zweiten Weltkrieg und danach wieder als französische Kolonie bis zum ersten Indochinakrieg in den späten 50ern stark gebeutelt worden. Als dann in den 60ern die Amerikaner in Südostasien begannen ihr Unwesen zu treiben und sich der Vietnamkrieg auf die gesamte Region ausweitete, blieb auch Kambodscha nicht davon verschont.
Pol Pot, dessen Identität lange unbekannt war und lediglich „Bruder Nummer 1“ genannt wurde, machte sich die Wirren der andauernden Kriegszeit zunutze.
Das einstmals mächtige Kambodscha sollte zu ehemaliger Größe zurückgeführt werden, das Königshaus, welches an Gesicht und Einfluss in der Bevölkerung verlor, wurde ausgespielt und Pol Pots Organisation „Angkar“ („Organisation“), die ihre Wurzeln in der kommunistischen Partei Kambodschas hatte, kam an die Macht.

Pol Pots Vorbild war der chinesische Revolutionsführer „Mao Tsetung“, der wenige Jahre vorher mit seiner Kulturrevolution die Gesellschaft Chinas neu ausrichtete.
Die Roten Khmer unter Pol Pots Angkar vertraten die Auffassung, dass die reinste Form des Kommunismus‘ das Leben und Wirken auf dem Lande war.
Stadtleben und jegliche Form der Bildung und Fortschritllichkeit war verpönt.

Mehr noch, sie war nicht erwünscht.
Die Roten Khmer rekrutierten sich zum Großteil aus Kindersoldaten aus ländlichen Gebieten, die oftmals weder lesen noch schreiben konnten, denen jegliches fortschrittliche Leben fremd war und die so lange indoktriniert wurden bis sie die Lehren der Organisation als die einzig wahren anerkannten.

Die Uniform
Die Uniform Angkars

Die Intellektuellen, die Lehrer, die Studierten, diejenigen, die eine Fremdsprache beherrschten, die sogenannten „neuen Leute“ waren ein Dorn im Auge der Organisation.
Die Roten Khmer, die die Wandlung Kambodschas in einen einhundertprozentigen Bauernstaat vollziehen sollten, um den „alten Leuten“ dienhaft zu sein, waren die rechte Hand in der Durchführung der Transformation.

Wenige Tage nach der Machtergreifung der Roten Khmer (1975) wurden die Städte evakuiert und deren Bewohner an willkürlich ausgewählte Orte auf dem Land verschickt.
Phnom Phen, eine Millionen Einwohner starke Stadt, die Hauptstadt, glich einer Geisterstadt.
So erschienen alle anderen Städte.
Wer sich weigerte mitzuwirken, oder sich in irgendeiner Weise verdächtig machte, gegen die Ziele des neuen Regimes zu stehen – und es war schon aussreichend für einen Gebildeten gehalten zu werden, weil man weiche
Hände hatte oder eine Brille trug – wurde verschleppt, gefoltert und getötet.

Diejenigen, die es auf das Land schafften, wurden in Zwangsarbeitsprojekten eingesetzt.
Die Reisernte sollte gesteigert werden. Um das Dreifache.
Ohne Maschinen.
Ohne (Aus)Bildung.
Lediglich mit dem Mittel der Repression und der Gewalt.

Pol Pot - Bruder Nr. 1
Pol Pot – Bruder Nr. 1

 

 

Pol Pot, der Führer der Roten Khmer, schon zu Beginn an paranoid, witterte in jedem Zweifler einen Saboteur, der seinen Auftrag, die Revolution zu verhindern von ausländischen Geheimdiensten, dem CIA oder dem KGB, erhalten haben muss. Jeder auch nur ansatzweise Verdächtige wurde in geheimste Verhöranlagen gebracht und mit Inquisitionsmethoden so lange verhört bis dieser ein „Geständnis“ von sich gab.
An dessen Ende immer der Tod stand.

 

 

 

 

Die Roten Khmer herrschten von 1975 bis 1978 aktiv in Kambodscha.
In dieser Zeit starben schätzungsweise bis zu 3 Millionen Menschen.
Durch Mangelversorgung, Folter und Mord, durch kriegerische Handlungen.

 

1979 marschierten vietnamesische Truppen in Kambodscha ein, nachdem es mehrere Grenzzwischenfälle gab und vertrieben die Roten Khmer. Sie setzten diese letztendlich ab und platzierten eine neue Regierung.
Dies gefiel dem Westen, der UN, jedoch nicht. Trotz der Gräueltaten, die die Roten Khmer an ihrer eigenen Bevölkerung begingen, 25% der Bevölkerung war gefoltert oder getötet worden erkannte der Westen die Roten Khmer als rechtmäßige Vertreter des Volkes an und unterstützten diese mit Geld und Waffen, um den Kampf gegen die Vietnamesen leisten zu können (auch die BRD).
1989 zog sich Vietnam wieder aus Kambodscha zurück, das alte Königshaus kam wieder an die Macht, der Buddhismus wurde zu Staatsreligion erklärt.

Die Roten Khmer, nun eine Untergrundorganisation, mordete aus der Grenzregion zu Thailand noch bis zu ihrer offiziellen Auflösung 1998 nach Pol Pots Tod, weiter.
Zehntausende Zivilisten wurden bis dorthin entführt, gefoltert und getötet.

Wichtige Institutionen zur Durchsetzung der Gewalt gegen das eigene Volk waren geheime Foltergefängnisse und Todesstätten.
Sie befanden sich in Städten und im Dschungel. Akribisch geplant und Beweise ebenso oft akribisch vernichtet.
Sie waren über das gesamte Land verteilt,  allerdings sind nicht alle gefunden worden.
Überlebende gab es kaum.
Oft wurden sogar die Wärter getötet.

Die bekanntesten, da in der Hauptstadt Phnom Phen gelegenen, Orte des Mordens der Roten Khmer heissen „S21“ – „Tuol Sleng“ – eine zum Foltergefängnis umfunktionierte Schule.
„The Killing Fields“ – ein ehemaliger chinesischer Friedhof auf dem Massenhinrichtungen stattfanden.

Auch wenn es nicht schön ist, dorthin zu gehen und sich mit dieser Geschichte des Landes auseinander zu setzen.
Es gebietet der Respekt gegenüber der Kultur und den Opfern es doch zu tun!

Über hundert Jahre der verschiedensten Kriege und Fremdherrschaften in Kambodscha, am Stück, hin zum Autogenozid durch die Roten Khmer zeichneten tiefe Narben in das Gesicht, dieses einstmal so stolzen Volkes, die noch heute deutlich zu sehen sind und nachwirken.

Weitergehende Artikel auf Wikipedia findet ihr hier:

Pol Pot
Die Killing Fields
S21  -Tuol Sleng

Ein Video dazu hier:

Mit den Mördern leben

 

Artikel von mir über den Besuch beim „S21“ und den „Killing Fields“ hier.


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