Glen Helen Homestead

Circa 130 Kilometer westlich Alice Springs´ befindet sich die Glen Helen Homestead Lodge in welchem wir auf unserem Weg in Richtung Eyers Rock, oder dem “Uluru”, für einige Tage verweilten. Auch diesmal hieß das Motto mal wieder “Hand gegen Koje” oder auf Backpackerisch: HelpX was soviel wie “Help Exchange” bedeutet – einige Stunden Arbeit am Tag also gegen Unterkunft und Verpflegung, in den zehn Wochen unseres Australienaufenthaltes sogar schon der dritte Einsatz dieser Art – und eigentlich hatten wir diesmal gehofft unsere Stunden etwas ausbauen zu können sodass wir etwas zu unserer Reisekasse hinzufügen können.

Die Glen Helen Lodge ist ein geschäftiges kleines Unternehmen mit Stellplätzen für Wohnwägen und -mobile, Zeltplätzen, Motelzimmern und “Bunkrooms” für Backpacker – also Mehrbettzimmern mit 2 Doppelstockbetten zum low-budget Preis, in solch einem waren wir untergebracht, zum Glück mit eigener Heizung, wir hatten nun seit unserer Abfahrt in Mareeba fast jede Nacht gefroren, da tut so ein weltlicher Luxus wirklich mal ganz gut.

Das Homestead ist herrlich gelegen am Glen Helen Gorge, einem von neun Wasserlöchern die in der Trockenzeit als Überbleibsel des sonst 600kmlangen Finke River bis zum nächsten, aber in dieser Region sehr spärlich fallenden Regen und damit zum nächsten anschwellen des Wasserspiegels verbleiben.
Der Finke River wird, so lehrte es uns eine Schautafels als der älteste Fluss überhaupt geschätzt, mit angenommenen 100 milionen Jahren alter ist das, zumindest für mich als nicht Flussologe zumindest eine denkbar ehrwürdiges Alter, viel beeindruckender allerdings empfanden wir die Tatsache, dass der
Fluss nicht ins Meer, sondern in die Wüste die – Simpsons Desert führt und sich dort verliert.

Das Panorama der Landschaft und die Verlockungen des erfrischenden Nass´des Gorge ziehen einen förmlich in Richtung des Sees und zwingen einen förmlich hinein – bis man es allerdings wagt mal seine Hand hineinzuhalten um sich nach der Wassertemperatur zu erkundigen. Nein, es mag am “Winter” liegen, aber mit ca. 10°C Wassertemperatur ist mit dieses Wasserloch doch eindeutig zu kalt.
Da bleibe ich lieber am Ufer stehen, beeindruckt von der Schönheit der Landschaft und der Natur deren Urtümlichkeit wir in unseren Breitengraden doch schon fast vergessen haben.
Es hätte uns bei eingen Wanderungen und Spaziergängen tatsächlich nur wenig gewundert wenn hinter dem nächsten Strauch oder Fels ein Dinosaurier erschienen wäre, mit einem Male fühlte ich mich um hunderte Millionen Jahre zurückversetzt und komplett fehl am Platze in meiner Spezies Mensch an diesem Ort..

Vom Homestead führen einige Fuß- und Wanderwege in die Wildnis. Der einfachste mit ungefähr 500 Metern ist der zum Gorge, einige weitere, zum Beispiel der Larapinta Trailmit 4 bis 20 Kilometern Länge, gemischter Schwierigkkeitsstufen von “easy” bis “hard” und teilweise sogar Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke welche durchgehend und gut ausgeschildert ist.

Ungefähr zwei Kilometer nach der Glen Helen Lodge befindet sich noch ein kostenloser Campingplatz direkt am Finke River, allerdings ohne jedwede Annehmlichkeiten, als bloße Übernachtungsmöglichkeit jedoch herrlich geeignet.

In der Sprche des ansässigen Stammes ist der Fluss auch als “salziger Fluss” oder “salziges Wasser” bezeichnet, ein Blick auf die Ablagerungen an den Uferrändern oder auch ein Schluck Wasser aus den Leitungen des Homestead vermittelt auch einen ziemlich deutlichen Eindruck weshalb. Das Wasser ist sehr mineralhaltig und salzig.

Die Arbeit auf dem Homestead

war im großen und ganzen Fair geregelt, von acht bis zwölf, Arbeit im Garten für mich oder für Tina auch
im Homestead, alles easy und ohne Stress und Hektik.
Der Tag begann mit einem Frühstück am Buffet, Müsli, Cerealien, Rosinenbrot, Toast, Obst, Saft, Kaffee, Tee, Bacon/Eggs, Pfannkuchen – was man eben so wollte und einem doch nicht oft im Busch begegnet. Auch die Schwere der Arbeit hielt sich in Grenzen, der Morgen begann damit die Hinterlassenschaften des vorangegangenen Tages zu entfernen, Flaschen fürs Recycling sortieren (der Pfand wird den Flying Doctors gespendet) und den Müll auf dem Platz einsammeln und zur “Dump” fahren, nach dem “Rubbish Run” wurden die Sprinkler auf- und die Bewässerung angestellt.
Gärtnerarbeiten die wir nun ja schon in Mareeba und auf der Three Horse Home Ranch zu genüge praktizierten fielen uns nicht schwer und jeder Handgriff saß beim Rechen und Jäten und was auch immer zu erledigen war – sogar das Regenrinnensäubern habe ich überlebt und bin nicht vom Dach gefallen, im Gegenteil, es war sogar richtig spaßig und habe eine herrliche gelb / weiße Feder des Cookatoos gefunden die ich jetzt an meinem Hut trage.

Der Arbeitstag wurde um zwölf mit dem Mittagessen, welches aus Sandwiches bestand beendet – um 17:30 gab es dann wieder Abendessen, Schnitzel mit Fritten, Currywurst, Fisch – was immer sich der Koch für das Personal hat einfallen lassen, reichaltig und meistens frittiert. 🙂

Das Personal bestand hauptsächlich aus um die 25 Jährigen und war dementsprechend locker und immer gut gelaunt, vor allem abends an der Bar.
Erwähnenswert auch die Vögel, Papageien, Honeyeater, Galah´s die, zum Teil zahm, viel Spaß für die Besucher sind und diesen gerne mal etwas aus der Hand stibitzen oder sich in Erwartung auf eine Belohnung auf deren Schultern niederlassen oder zu “sprechen” beginnen, Schlangen und Spinnen sollte es auch geben, haben aber keine gesehen, dafür aber unseren ersten Dingo und nicht nur die Spuren.
Die australische Tierwelt ist herrlich!

Und weil man neben all der Arbeit auch mal einen Tag “Off” benötigt, hat uns unser Chef Colin mit auf einen Tagesausflug genommen den er für zwei zahlende Gäste arrangiert hat, für uns natürlich free.

Abfahrt war um 07:30 morgens, also kurz nach dem Frühstück in Glen Helen unser erstes Ziel sollte der Roma Gorge ganz in der Nähe sein, auch hier ist die Range wieder gespalten, nur diesmal ohne wirkliches Wasserloch – eher ein Pfützchen war vom letzten echten Regen noch übrig, allerdings stand das Baden auch nicht imZentrum dieser über beschwerliche 6 Kilometer Offroadstrecke zu erreichenden Fleckchen Erde die wir uns mit einigen Rindern und auch Dingos teilten, auf ungefähr der Hälfte der Strecke hielten wir ersteinmal zu einem zweiten Frühstück, einem Schlck Kaffee und einem Stück Kuchen. Roma Gorge war in vorangegangener Zeit, bevor das Land durch den weissen Mann genommen worde ein Platz der Männer der Aborigines.

Diese haben hier ihre Nachkommen in Traumzeitgeschichten über den Mondmann unterrichtet und diese mit Steinkeilen in den Fels eingeschlagen sodass auch wir noch zumindest eine Idee davon haben bekommen können wie diese Zeichnungen die hier überall auf den Felsen verteilt vorzufinden sind einmal aussahen.

Heute ist dieser Platz eher in Vergessenheit geraten und wir seltenst von Besuchern heimgesucht – dafür aber umso mehr von Rock Wallabies und Finken aller Art die das Wasserloch zum durststillen heimsuchen, dennoch hat sich dieser Ort etwas von seiner Magie über die letzten 20.000 Jahre bis heute behalten.

Das zweite Ziel unseres Ausfluges war ein kurzer Stopp am Tylers Pass von welchem aus wir einen unglaublichen Ausblick in die weite der Landschaft und auf die Kraterränder des Gosse Bluffs haben konnten.

Weiter ging es in das etwa 100 Kilometer entfernte Palm Valley, eine Oase in der Wüste. Auf dem Weg dorthin noch ein kurzer Stopp an dem Hause Albert Narmatijra´s einem berühmten eingeborenen Aquarellmaler der 1940er Jahre.

Palm Valley ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzigen Orte in Australien an dem Palmen wachsen, große, bis zu 30 Meter hohe Palmen untermalt von unzähligen Cykaden die sich entlang eines dortigen Flusses der sich seit milionen von Jahren in die felsige Landschaft frisst angesammelt haben.

Die Urtümlichkeit der Landschaft und der Wandel der Welt der einem hier im Outback immer wieder vor Augen geführt wird, der einem immer und immer wieder zu verstehen gibt das unser, mit etwas Glück, hundert jähriges Leben, nichts – aber auch gar nichts zu bedeuten hat wenn man es am Alter der Erde misst – erdet einen immer wieder. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gedanke, oder das Gefühl nur Gast auf diesem Planeten zu sein, war nie größer als in diesen Tagen hier im Outback.

Der Rückweg führte uns nach einem kurzen Lunch dann noch direkt in den Krater des Gosse Bluff einem Meteoriten welcher vor circa 142 Millionen Jahren hier seine Endstation gefunden hatte. Schätzungsweise muss dieser Meteorit 800 Meter im Durchmesser gehabt haben und hatte solch eine Wucht beim Aufschlag, dass dieser Gestein aus etwa 5 Kilometer Tiefe zu Tage gefördert hatte.

Der Meteoritenaufschlag hatte zwei Kraterwände zur Folge, die in zwei Kilometer entfernung war nicht ganz so gewaltig und ist deswegen fast vollständig der Erosion zum Opfer gefallen und nur noch aus der Luft sichtbar. Für uns, ebenso wie denindigenen Stamm der Vorzeit sehr beeindruckend für die dieser Ort ein Ort der Fruchtbarkeit war
und die hier liegenden Steine je ein Bush Food also eine essbare Buschpflanze symbolisierten die entweder von Männern, oder von Frauen verehrt worden um die Ernte positiv zu stimmen. Nach dem der Sonnenuntergang die Kraterwände in ein wundervoll warmes orange-rot tauchte machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Nach 12 Stunden Tour mit Colin der in seiner “Vorzeit” als Biologe doch so einiges Wissen hat sammeln können, waren wir um viel Wissen um die Region bereichert und hatten die tolle Gesellschaft von Jane und Bruce auf unserer Reise sehr genossen und werden uns sicherlich auf unserer Reise nocheinmal mit beiden in Melbourne treffen wo diese leben.

Da Glen Helen leider, für uns, mit aussreichend Personal besetzt war und für uns in absehbarer Zeit keine Möglichkeit zum Geldverdienen bestand, abgesehen einer Teilzeitstelle für eine Person, haben wir uns nach einer guten Woche weiter auf die Reise gemacht – noch 580 Kilometer zum Uluru.

 


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