Die Küste des Südostens und des östlichen Südens

Die Küste australiens ist legendär – besonders die Küste im Osten ist touristisch sehr ausgebaut, doch es gibt auch ruhige Abschnitte.

Die Australier lieben ihre Strände sind diese doch tausende Meilen lang, aus weissem Sandstrand mit besten Gelegenheiten zu fischen, zu surfen, zu segeln, tauchen, schwimmen und schnorcheln – in herrlich blauem Wasser.
80% der australischen Siedlungsgebiete liegen im direkten
Einzugsgebiet der Küstenregionen. Natürlich auch weil die ersten Siedlungsgebiete in den heutigen Metropolregionen um die Küste von Sydney und Melbourne – und natürlich in Tasmanien lagen als die englischen Schiffe die Verurteilten, deren Familien, Siedler und Glücksritter nach monatelanger Überfahrt dort ausspuckten.

Die Landung der „first Fleet“ ist nun um die zweihundertfünfzig Jahre her, die Europäer und auch andere Nationen haben Fuß gefasst und somit auch der Tourismus, heutzutage kommen die Menschen freiwillig hierher, nichtmehr weil sie für Strafen in der Heimat zur Buße verschifft wurden. Die Südküste ist bekannt für ihre „Great Ocean Road“ von Adelaide nach Melbourne und die Strände zwischen „Batemans Bay“ und „Cairns“ für das „Great Barrier Reef“, die Walwanderungen, Tauchgebiete und ewige Badestrände, eine herrliche Region mit vielen Naturspektakeln, großen und kleinen Städten und … Touristen, vielen Touristen. Diese Region ist de facto die Toursitenhochburg australiens.

Wer sich nach etwas mehr Ruhe auf seinen Wegen am Meer sehnt muss nicht etwa bis an die verlassene Westküste reisen, es reicht schon sich den Abschnitt der südlichen Ostküste und der östlichen Südküste anzusehen – und dabei einen Schlenker über Canberra – der Hauptstadt zu machen die etwa 250 Kilometer landeinwärts auf halber Strecke zwischen Sydney und Melbourne liegt.

Da wir die Region um Wisemans Ferry nach Sydney und Nowra schon aussreichend erkundet hatten und gerade eine Woche damit verbracht hatten uns in der Kultur der Hauptstadt zu suhlen und wir Weihnachten als Dogsitter in Melbourne verbringen würden haben wir die Gelegenheit am Schopfe gepack und sind einmal mehr zu einem Roadtrip in die eher verlassenen Regionen australiens aufgebrochen.

Nunja – aller Anfang ist etwas schwierig und so haben wir uns ersteinmal nach „Batemans Bay“ gewagt, Wikicamps hatte uns hier einen kostenlosen Campingplatz empfohlen. Batemans Bay ist eine sehr bekannte Touristenregion für Australier. Direkt am Meer – Küste, Strände, fishing etc. und so kam es dass wir uns auf einem absolut überlaufenen Campingplatz wiederfanden den wir in den ersten zwei Nächten unter anderem mit feierwütigen Australiern und in den folgenden zwei Nächten mit einer Horde ebenso feierwütigen Franzosen teilten.

Der Platz war wunderschön, Wallabys und Kängurus grasten direkt vor unserem Wagen, riesige Leguane zogen durch das Unterholz. Zum Strand an dem sich Fische und Krabben tummelten und die Wellen ihre Gischt in den Himmel warfen als diese auf die Felsen liefen die den Sandstrand
umrahmten waren es nur kurze, wenige hundert Meter.

 

Und so hielten wir es dort dann doch vier Nächte aus, kochten unser Essen auf den Feuerstellen und vertrieben uns die Zeit mit Spaziergängen durch den Wald oder entlang des Strandes. Zum baden war es leider zu kalt und die See zu aufgewühlt, aber schön, schön hat es sich dort angefühlt.

 

Der ca. 10 Kilometer lange Weg durch den Wald den man bei schlechtem Wetter mit einem Allrad fahren sollte hat das Outdoorerlebnis abgerundet.

Von hier wollten wir zu den „Mumbulla Falls“, ca. 140 Kilometer weiter Südlich auf 36°34’32.0″S 149°53’38.0″E zu finden.

Ziemlich einsam im Wald, ziemlich abgelegen. Da das übernachten an diesem Ort untersagt ist haben wir uns eine Stelle mitten im Wald ausgesucht, entlang eines richtigen offroad Tracks im australischen Wald. Ohne eine richtige allrad Untersetzung, all terrain Reifen und eine hohe Bodenfreiheit wäre diese Fahrt nicht möglich gewesen, eine schlammige ausgewaschene Piste mit hohen Steigungen führte uns mit maximal 10 Kilometern pro Stunde
über den Track der Waldarbeiter – misstrauisch beäugt von Kängurus durchquerten wir einen Bach und räumten abgerissene Äste von der „Straße“.

Das war ein Erlebnis.

Rumpelnd schafften wir es vor Sonnenuntergang auf eine kleine Lichtung, sammelten etwas Feuerholz und backten Kartoffeln im Feuer und tranken dazu einen Becher Weisswein bevor die Nacht einbrach und die Moskitos über uns herfielen.

Wir haben schon oft auf irgendwelchen Plätzen und auch oft abseits der Menschheit übernachtet, doch es ist jedesmal wieder etwas gruselig in der stockdunklen Finsternis der Nacht abseits jeglicher Zivilisation zu schlafen…oder ich habe einfach zu viele schlechte Filme gesehen. 🙂

Der nächste Morgen brach natürlich ohne irgendwelche mörderischen Erlebisse an und nach unserer Frühstücks- und Müsliroutine legten wir erwartungsvoll die letzten zehn Kilometer zu den Wasserfällen zurück.

Unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen!

Der Weg war frisch angelegt, die Anlage ist vermeintlich nicht älter als ein Jahr. Toilette, elektrische Barbeques, einige Parkplätze – und kein Mensch weit und breit. Der Weg zu den Wasserfällen führte entlang einiger Informationstafeln die die Schöpfungsgeschichte der Menschheit aus der Sicht des ansässigen Stammes erzählte und über die Bedeutung dieses Platzes für eben diesen Stamm aufklärte. Hier wurden Mannwerdungsrituale durchgeführt evor die vom Gold und Holz besessenen Weißen in den frühen 1900ern den Eingeborenen auf den Leib rückten und diese (bestenfalls) aus dieser Region vertrieben.

Das absolut klare Wasser schoss die Felsen herunter und wirbelte durch Auswaschungen in den Felsen in denen Pools entstanden…der beste Ersatz für die morgentliche Dusche.
Das Wasser war kalt und erfrischend und wenn man sich ersteinmal daran gewöhnt hatte wollte man garnicht mehr aufhören zu baden. Kleine Fischlein schwommen herum und im Flussbett fanden sich immer wieder stellen an denen man herunterrutschen konnte.
Wetter und Wasser waren so herrlich, dass die Stunden verflogen ohne das wir dies irgendwie wahrgenommen hätten. Es war der beste Wassererlebnispark den ich je gesehen habe.

Wasserrutschthotz
Beim klettern über die Felsen am Ufer stand ich mit einem male vor einer Red-Bellied-Black-Snake, die es sich ebenfalls in der Mittagssonne gemütlich machte – oder machen wollte. Wir beide waren vom gegenseitigen Anblick so erschrocken, dass wir ersteinmal einen Schritt zurück machten und dann unsere Wege in der entgegengesetzten Richtung fortsetzten.

Nun hatte ich also auch eine Erfrischung durch etwas Adrenalin erhalten welches meinen zweiten Kaffe ersetzen sollte.

Da wir nun den Vormittag mit Klettern und Plantschen verbracht hatten wurde es dann doch wieder Zeit weiter zu ziehen.

Unser Nachtlager für diesen Tag hatten wir uns im Städtchen „Genoa“ ausgeguckt. Ungefähr 140 Kilometer weiter südlich
im Bundesstaat „Victoria“ entlang des „Princess Highways“gelegen.

Ein großer kostenfreier Campingplatz, sogar mit Dusche – kalt, aber immerhin.
Weil baden hungrig und durstig macht haben wir uns etwas leckeres gekocht und inder Dämmerung einen Wein getrunken.
Die Nacht war ruhig und erholsam.
Was nicht schlecht war, denn jetzt lagen 350 Kilometer für die heutige Etappe vor uns.

Unser Zwischenziel war „Lakes Entrance“ eine große Küstenstadt, genau richtig um unsere Vorräte wieder aufzufüllen, schliesslich wollten wir uns für die nächsten Tage wieder am Meer niederlassen.

„Der 90 Mile Beach“ war unser Ziel und er trägt diesen Namen nicht zu unrecht. Neunzig Meilen Strand, so weit das Auge reicht und kaum eine Menschenseele.
Da die Australier wahre Campingnarren sind gab es auch hier wieder einen kostenfreien Stellplatz, saubere einzelne Parzellen, fast alle unbelegt, in direkter Nähe zum Meer, nur eine Düne war zu überqueren.
Man schlief mit dem Rauschen der Gezeiten der Küste ein und begann den Tag mit den gleichen Klängen der Natur. Lange Spaziergänge am Meer, gemütliches sitzen und horchen, beobachten von Vögeln.
Das war unsere Beschäftigung für die nächsten Tagen.

 

Vier Tage verbrachten wir hier, feierten Tinas Geburtstag, die wirklich glücklich war das erste mal in ihrem Leben, als Dezemberkind, im Freien und am Meer ihr Geburtstag zu feiern.

Irgendwann braucht aber jeder einmal einen Ortswechsel und so zogen wir weiter in Richtung Melbourne wo wir über die Feiertage auf ein Haus und auf Oscar, einen zweijährigen Schnautzer aufpassen sollten.

Bevor es allerdings nach Melbourne gehen sollten mussten wir nocheinmal 100 Kilometer zurück in die Richtung aus der wir kamen, diesmal handelte es sich bei dem Grund unserer Umkehr jedoch nicht um ein verlorenes Telefon wie damals in Glen Helen im Outback, nein, der Grund war so viel flauschiger und süsser…

Es ging um Koalas

Wir hatten von Raymonds Island gehört, eine minikleine Insel auf der in den 50er Jahren Koalas ausgewildert wurden. Da die Insel noch heute keine feste Verbindung zum Festland hat, trotz „Spuckweite“, gibt es dort auch keine Fressfeinde, ausser dem Menschen – die jedoch das Zusammenleben sehr zu schätzen wissen – weswegen die Koalasiedlung hervorragend gedeiht.

Über die Insel zieht sich der in etwa zwei Kilometer lange „Koalawalk“ der über das Leben der Koalas aufklärt und wichtige Tipps zur Suche gibt.
In etwa derjenige, der darauf hinweist nicht nur in den Bäumen zu suchen, die Biester sind nämlich wirklich schwierig zu entdecken, leichter hat man es oft wenn man einfach auf dem Boden nach Kot sucht.
So ein Koala ist nämlich sehr faul, sitzt der ersteinmal auf einem Eukalyptusbaum wird der kahlgefressen
bevor es weiter geht. Das bleibt nicht spurenlos unter den Bäumen, aber auch nicht folgenlos für die Bäume, gibt es zu viele dieser Tierchen oder sitzen diese zu lange auf einem Baum sterben diese ab.
Weswegen auch auf Raymond Island die Population überwacht und kontrolliert wird.

Auf den 2 Kilometern haben wir 14 Koalas einen Igel und unzählige Vögel gesehen von Papagaien bis zu schwarzen Schwänen, der Umweg hatte sich absolut gelohnt!

 

Unser Tag endete mit einer Übernachtung an einem Autorastplatz, immerhin mit Hungy Jacks und einer Dusche,
die aber, im wahrsten Sinne des Wortes, so beschissen war, dass wir sie nicht nutzten.
Aber unmengen an Softeis haben wir dort gegessen. Zivilisationskompensation oder so…
50cent die Portion und so riesig…wahnsinn.

Tinas Augen haben geleuchtet wie die einer Schneekönigin.

Bevor wir dann nach Melbourne kamen – also so richtig in die Stadt hatten wir uns noch einen Stellplatz am Meer gesucht. Auf der Mornington Halbinsel, mit wundervollem Ausblick über das Meer auf die Skyline Melbournes.

Auch hier gab es ein, sehr saubere Dusche, Toiletten und die direkte Nähe zum Strand, es handelte sich nicht wirklich um einen Campingplatz, aber verboten war es auch nicht hier zu nächtigen.
Einmal mehr genossen wir spaziergänge am Strand, konnten diesmal sogar im warmen Wasser des Meeres baden. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Salzwasser, aber irgendwie war es lustig denn wir hatten das Gefühl, dass hier überdurschnittlich viel Salz im Wasser enthalten sein musste, hat man doch tatsächlich im Wasser schweben können
wenn man ruhig hielt.
So ähnlich muss es sich auch am toten Meer anfühlen.

Wir hatten schon viele wundervolle Sonnenuntergänge in Australien gesehen. Die in Coober Pedy waren wundervoll, im Outback am Uluru – großartig, aber diese Szenerie hier, die war etwas ganz besonderes.

 

Wir waren voller Vorfreude auf Melbourne zu treffen, unser Heim über die Feiertage als „Housesitter“ und unser Ausgangspunkt nach Tasmanien, auch wenn das bedeutete ersteinmal Abschied von unserem Leben an der Küste zu nehmen und wieder wie zivilisierte Menschen zu leben…

 


Wenn ihr wissen wollt wo wir gerade stecken, könnt ihr euch auch hier über unsere Route informieren.

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2 Antworten

  1. G’Day Michael,
    danke für Deinen Bericht in Deiner Homepage u. A. „Die Küste des Südostens und des östlichen Südens“. Da ich bald ebenfalls dort rumkrakseln werde, Frage an Dich, ob Du mir die Namen oder die Koordinaten der angeführten Gratisplätze angeben kannst?!?!
    Ab 7. Januar bin ich von Ipswich ( Brisbane ) auf Tour nach Sydney, Melbourne, Adelaide, Esperance mit dem Ziel
    Perth, wo ich Anfang März 2016 zu meiner Australienumrundung aufgebrochen bin.
    Mit Travellergrüßen
    Peter

    http://www.peter-the-traveller.tumblr.com

    • G´Day Pete 🙂
      Danke für das Lob!
      Leider kann ich dir die Koordinaten nicht geben da mein Handy irgendwann abgeschmiert ist…aber…du könntest die die App „Wikicamps“ herunterladen dort sind unsere Plätze…und viiiieeeeele mehr hinterlegt.

      Vielleicht findest du ja auch in diesem Artikel ein paar Helfer oder hast Anregungen für uns?

      http://rollkoefferchen.de/australien/elektronische-helfer-apps-und-webseiten

      Viele Grüße nach Down Under und geniesse deine Reise!!

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