Manitoba, Lower Fort Garry und ab, rüber …

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Manitoba war der nächste Bundesstaat auf unser Liste der kanadischen Ländereien, die wir gefühlt in Überschallgeschwindigkeit abfuhren. Machte aber nichts, das Wetter war scheisse (das muss man einfach so sagen) und generell hatten uns die Prärielandschaften Kanadas nicht so arg in den Bann gezogen wie wir es erwartet hatten. Mag daran liegen, dass es keine mehr gibt, weil alles Ackerfläche und eingezäunt worden ist.

Auf unserer Fahrt nach Manitoba besuchten wir in Saskatchewan ein Fort … oder einee Nachbildung.
Das Fort la Reine in Portage la Prairie.
Doch das war jetzt eher enttäuschend weswegen wir unbedingt noch in ein kanadisches Fort wollten um die Besiedlungsgeschichte des Kontinents nördlich des 48 Breitengrades besser kennen zu lernen. Und da gab es tatsächlich noch eins … 40Km nördlich der Hauptstadt Manitobas, Winnipeg, liegt Lower Fort Garry, das älteste erhaltene Steinfort Nordamerikas. Das wollten wir uns ansehen, bevor es in die Staaten gehen sollte.

Wie so oft blieb uns keine wirkliche Möglichkeit irgendwo über Nacht zu stehen und so schliefen wir in Winnipeg auf einem Walmart Parkplatz. Aber das kannten wir ja schon aus BC und Alberta. Und wie eigentlich immer seitdem wir in Vancouver losgefahren waren, regnete es Hunde und Katzen. Immerhin… Wir hatten auf dem Parkplatz Zugang zum WiFi des Marktes und konnten mal wieder mit Freunden weit weg „daheim“ ein bisschen chatten.

Winnipeg, die Hauptstadt von Manitoba, haben wir wenig beachtet. Nachdem wir eine ruhige und gute Nacht auf dem Parkplatz hatten und unsere Morgentoilette in der Kundentoilette verrichtet hatten (das Gefühl der Asozialität fing an sich zu manifestieren), machten wir uns in Richtung Lower Fort Garry auf.

Upper Fort Garry, welches noch aus Holz bestanden hatte, wurde irgendwann um 1826 durch ein Hochwasser stark beschädigt, weshalb man Lower Fort Garry etwas Flussaufwärts, höher und aus Stein gebaut hatte.

Lower Fort Garry war ein Sammel und Lager Fort. Handel wurde zwar betrieben und auch Militär stationiert, aber das war eher eine hintergründige Bedeutung.
Waren, Pelze, Holz, Vorräte wurden hier gesammelt und dann per Kanu zur Hudson Bay gebracht, wo diese entweder von oder nach England verschifft wurden.
Berühmt wurde Lower Fort Garry um die Tatsache der Abschlüsse der berühmten „Treatys“, also die Abkommen mit den Ureinwohnern, welche über die weitere Nutzung der Gebiete Neuenglands und die dafür duch die englische Krone zu zahlenden Entschädigungen bestimmten.

Lower Fort Garry entstand also in einer Zeit in der die Hudson Bay Company die Zügel über den Handel schon fest im Griff hatte, die Franzosen in Kanada nichts mehr zu sagen hatten und eine annähernd vollständige Assimilierung der Urbevölkerung stattgefunden hatte.
Das Besondere an Lower Fort Garry ist seine für damalige Verhältnisse fortschrittliche Bauweise aus Stein, die maßgeblich durch schottische Einwanderer ins Land gebracht wurde.
Wer mehr über die Kolonialisierung Kanadas wissen will, klicke sich auf Wikipedia. 😃
KANADA
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NEUENGLAND
WINNIPEG

Fort la Reine in Portage la Prairie war die einfache Replik eines Forts.
Auf einer Grundfläche von 50 x 25 Metern waren 5 Meter hohe Pfähle in den Boden gerammt, an zwei Ecken ein Ausguck montiert und ein „Pelzhandelsposten“ in die Mitte gestellt worden.
Als Forterlebnis ein Reinfall.
Nett war das „Pioneer Village“ aussenrum mit seinen authentischen Gebäuden aus der Besiedlungszeit zwischen 1800 & 1900 der Region.
Und wir erinnerten uns.
In solch einem „Cottage“ hatten wir während unserer Reise auch schon gelebt.
Damals in Forbs, in Australien während unserer Zeit als Farmsklaven.

Eintritt  für Erwachsene 10CAN$, Studenten 8CAN$

Aber das hier, die Anlage um Lower Fort Garry war anders. Der Unterschied lag in einer staatlichen Pflege des Kukturerbes, wohingegen es in Fort la Reine ein „Hobby“ der Dorfgemeinschaft war das Andenken zu pflegen.

Wir wurden von einem großen, modernen Empfangsgebäube begrüßt.
Der Kassierer drückte uns eine Geländekarte in die Hand, verlor ein paar Worte zum Fort und gewann einige Dollar aus unserer (7,80CAN$, keine Studentenermäßigung ).

Der Kassierer sagte noch, es befänden sich „Historical Interpreters“ in den einzelnen Gebäuden, die uns gerne unsere Fragen beantworten würden.
Historical Interpreters? Wir waren gespannt.
Wir zogen unsere Regenjacken wieder zu und verließen das Gebäude mit der Karte in der Hand, auf den uns gewiesenen Wegen und waren sehr sehr gespannt.

Von weitem sahen wir die drei Meter hohen, steinernen Mauern die sich auf ca. 300 x 500 Metern ausquadratierten. An jeder Ecke der Befestigung eine Art hervorgelagerter Turm mit spitzem Dach.
Die Schiessscharten, die sich auf der gesamten Mauerlänge befanden, kündeten vom Zwecke der Verteidigung.

Ausserhalb des Fortes stehen vier kleine Häuser. Wir traten gerade in das erste ein als wir die „Magd“ beim Fegen sahen, die „Hausdame“ kam gerade um die Ecke und gab Anweisungen.
Das müssen die historischen Interpreter sein dachten wir.
Zwei junge Frauen um die 25, mit Kleidung des frühen 18. Jahrhunderts die Szenen aus dem Alltagsleben nachspielten.
…sich zu uns wendeten, uns begrüßten und anfingen uns über die Geschichte des Hauses und deren ehemalige Hausbewohner zu erklären.
Es war als wäre man in einem interaktiven Theaterstück gelandet.
Ungewöhnlich, aber absolut grossartig.
Wo man sonst Informationstafeln liest oder Nummern auf Audioguides drückt, gibt es hier echte menschliche Interaktion.
Hat man seine Fragen gestellt, oder schaut sich um, wenden sich die Darsteller wieder ihrem „Alltag“ zu und unterhalten sich über Dinge des 19. Jahrhunderts.
Das Wetter, Klatsch und Tratsch, die Königin und so weiter.
Niemals aufdringlich.
Wahnsinnig toll!

So ging es Haus für Haus, Gebäude um Gebäude in Lower Fort Garry.
Der Schmied erzählte uns über sein Handwerk und fertigte mir eine Pfeilspitze als Souvenir an, der Bäcker teilte sein Brotrezept und etwas Brot mit uns, der Fellverpacker erzählte uns über verschiedene Felle, die Damen im Handelsdepot erzählten uns über die Wirtschaft und Handelsbeziehungen zu England, die Arbeiter im Lager spielten ein Lied auf der Fidel und tanzten.
Da es draußen kalt und nass war, bollerten in jedem Raum die Öfen und machten alles noch etwas urlich- authentischer.

Was mir wirklich gut an den Darstellern im Lower Fort Garry gefiel, war die Tatsache diesen Fragen stellen zu können, die über die eigene Rolle hinaus gingen um so etwas Hintergrundwissen über das Verhältnis zur Krone, den First Natives, den sozialen Gefügen innerhalb der Gesellschaft gewinnen zu können.
Das machte die Figuren noch ein ganzes Stück lebendiger und echter.

Ein sehr sehr tolles Erlebnis, das von dem Wetter nicht unbedingt schlechter gemacht wurde, eher glaubwürdiger, weil es die Härte des Lebens und des Landes noch näher brachte und einen so nicht auf die Schiene der Romantisierung laufen ließ.

Wer also jemals in Winnipeg sein sollte, fahr dort hin!
Ein tolles Erlebnis.

Da uns auch Manitoba unfreundlich bewirtete und uns Wetter und Stellplatzmäßig unfreundlich gesinnt war, machten wir uns auf in Richtung Grenze.

Mal sehen wie uns die vereinigten Staaten von Amerika bewirten wollten.

Good bye Manitoba.
Auf nach Minnesota.

Auf geht´s


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