Vom Ho Chi Minh Pfad verschluckt…

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Zwei Tage nachdem wir im Dschungel von Laos, auf dem Hoc Chi Minh Pfad, verloren gingen, konnten wir mit unseren Freunden die wir in Savannakhet trafen schon wieder über diesen wahnwitzigen Ausflug lachen.
Aber in dem Moment, in dem wir im Wald standen, unsere Wasserflaschen mit Flusswasser füllten und mit Chlortabletten desinfizierten, weil uns die Wasservorräte bei 38°C langsam ausgingen und wir am Ende unserer Kräfte waren, war uns nicht mehr zum Lachen zu Mute. Unsere Stimmung war, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken: Angespannt.

Seit Tagen waren wir mit unseren “Motorrädern” auf den Spuren der Viet- und Lao-Cong. Die sich die Unwegsamkeiten des laotischen Dickichtes, auf dem Ho Chi Minh Pfad, in den Zeiten des Vietnamkrieges bis zu seinem siegreichen Ende vor 40 Jahren zu Nutze machten, um die technologische Übermacht der Amerikaner in einem Guerillakrieg in die Irre zu führen und verpuffen zu lassen. So trägt dieses weit verzweigte Wegenetz durch den Wald noch heute den Namen des Revolutionsführers Ho Chi Minh der als Held verehrt wird.

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Wir wollten weg vom Pauschaltourismus, seinen überzogenen Preisen, etwas mehr von Laos sowie dessen Leuten und seine Geschichte kennenlernen, welches noch heute die Narben der imperialistischen Kriege trägt, die auf diesem Boden für über 100 Jahre, bis 1976 geführt worden sind.

Wir wollten auf den legendären Ho Chi Minh Pfad der das Rückrat des Widerstandes im zweiten Indochinakrieg bildete.

Viele Kilometer fuhren wir bereits auf diesem Pfad, ausgehend von der Straße Nr.12 über Ban Nongcha erst einmal nach Bualapha (Ban Na Panang), wo wir eigentlich eine ganz besonders große Höhle “Bang Fai River Cave” besuchen wollten, aber wir diese aufgrund der Unzugänglichkeit des Gebietes nicht erreichen
konnten. So fuhren wir durch kleine Dörfer, grüne Täler, Sandpisten, rote Sandstrassen, große und kleine Flüsse, tiefe Schlaglöcher und winkten den Laoten zu die uns fleissig vom Straßenrand grüßten.

Wir schliefen im Städtchen Vilabouly für eine Nacht, knatterten weiter nach “New” Xepon und trafen auf die Straße Nr. 9. Diese Schlagader, aus dem 200 Kilometer westlich gelegenen Savannakhet kommend, leitete seinerzeit den Hauptteil des Ho Chi Minh Pfades ein.
Und damit ein hart umkämpftes strategisches Zentrum im Vietnamkrieg.

Xepon, die ehemalige Provinzhauptstadt, 45 Kilometer vor der vietnamesischen Grenze, wurde von 1965 bis 1968 während der Operation “Rolling Thunder” von den Amerikanern und deren unterstellten “Saigon Army” in die “Steinzeit zurück gebombt”.

Von “Old Xepon” ist nichts übrig geblieben.

Das Gebiet, in dem die aus Bambushütten bestehende Provinzhauptstadt einst gestanden hatte, zieren heute Bombenkrater.
Alle Brücken wurden zerstört (von den Russen 1986 wieder aufgebaut).
Lediglich zwei Gebäude stehen noch an dem Ort dieses verheerenden Angriffes.

Ein alter Tresorraum aus Zeiten der französischen Kolonie, in dem der Sold für die Soldaten aufbewahrt wurde und ein Teil des Klosters von Xepon, welches fast vollständig zerstört wurde. Eine gemauerte Aussenwand blieb schwer getroffen stehen und wurde erhalten.
Schrapnell- und Splitterspuren zieren diese Wand noch heute, im Vorhof des Klosters ein mächtiger Krater.

Ein Anblick, der mir tief unter die Haut ging …
“In die Steinzeit zurückbomben” haben die Amerikaner damals propagiert … Mit 2.5 Millionen Tonnen (!!!) Bomben gegen Bambus. Irre.

Nachdem wir uns in “Old Xepon” eine Gänsehaut abgeholt hatten, ging es weiter auf der Straße Nummer 9 Richtung vietnamesischer Grenze.
Immer wieder an Häusern vorbei, die ihren Vorhof oder ihre Einfahrten mit den nicht explodierten Bomben der Amerikaner zieren. Diese wurden beim Hausbau auf den Grundstücken gefunden, mit Hilfe von NGOs entschärft und als Deko und Warnung zurückgelassen.

Dort liegen noch überall so viele Bomben herum, dass es eigentlich an Wahnsinn grenzt, mit einem Pflug das Feld zu beackern oder auch nur die Straßen zu verlassen. Immer wieder kamen wir an Zeichen vorbei, die auf Blindgänger verweisen.
In großen roten Buchstaben auf Pfähle, Steine, Schilder gesprüht.
“UXO” = Unexploded Ordonance
weisen auf aktive, nicht geräumte Kriegswaffen hin.
Nach der Räumung werden diese Zeichen mit Blauer Schrift übersprüht … dennoch, auch dann sollte man die Straßen nicht verlassen, was bedeutet schon “geräumt”.

Der Indochinakrieg ist noch allgegenwärtig!

Immerwieder begegneten wir Hilfsorganisationen. NGOs aus Belgien, oder England (The Halo Trust), die sich um die Aufräumarbeiten kümmern.
Amerikanische Initiativesucht man vergebens – mit Ho Chi Minh werden sie nie ihren Frieden finden.

Die Straße Nr. 9 führt an Ban Dong vorbei. In dieser Region gab es einen der größten Angriffe auf den Ho Chi Minh Pfad durch die USA und die Saigon Army, welcher nach schweren Schlachten in einem Rückzug dieser gipfelte.
Im Vietnam War-Museum werden zurückgelassene Panzer, Bomben, ein abgeschossenes Flugzeug, Waffen ausgestellt und eine Siegesstatue, die die Vietnamesisch-Laotische Freundschaft feiert.

Irgendwo las ich mal, dass die USA ihre Panzer zurückforderten. Man aber darauf wohl entgegnete, dass man sie nicht hätte dalassen sollen.
Man ist stolz über den Sieg, und das zeigt man.

In Ban Dong haben wir die erstklassig ausgebaute Straße Nr. 9, den Ho Chi Minh Pfad, verlassen und sind auf Straße NR 909, Richtung Muang Nong abgebogen, die eine der unzähligen Verästelungen des Hoc Chi Minh Pfades waren.

Unser Ziel sollte für diesen Tag der Ort “Ta Oy” werden. Ca. 70 Kilometer südlich von Ban Dong. Wir hatten noch ca. 6 Stunden Tageslicht – das sollte also ohne Probleme zu schaffen sein. Selbst wenn die Straße noch schlechter würde, womit zu rechnen war.

Einige Kilometer hinter Ban Dong überquerten wir die Vietnamesisch-Laotische Freundschaftsbrücke, die nach dem Krieg 1976 errichtet wurde.
Direkt daneben eine Neue aus stabilem Stahlbeton, für “moderne” Fahrzeuge und Lastverkehr geeignet.
Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen mit dem Moped über dieses wackelige, quietschige Relikt zu knattern.
Das war ein Geschaukel. Tina bevorzugte den Stahlbeton. Ich den “echten” Ho Chi Minh Pfad.

Für die nächsten 10 Kilometer war die Straße weiterhin geteert, wir waren guter Dinge unser Etappenziel Ta Oy zu erreichen.
Der Teer wandelte sich in eine rote dirtroad Strecke aus komprimiertem Lehm, Sand und Erde … und Schlaglöchern.
Aber eigentlich kein Problem soweit, wir waren schon Schlimmeres auf dem Ho Chi Minh Trail gewohnt.

Eine Flussdurchquerung vom VorVorVortag zum Beispiel, bei der wir unsere Motorräder nebst Hab und Gut 100 Meter durch kniehohes Wasser bringen mussten.

Ho Chi Minh Trail Laos crossing river Xe Bang Fai at Bualapha
Was kann uns so ein bisschen Staub also schon ab, dachten wir in unserem Übermut.

Irgendwann kamen wir an einem 2 Kilometer langem “konserviertem” Teilstück des originalen Ho Chi Minh Pfades vorbei, der durch eine Belgisch-Laotische Zusammenarbeit eingezäunt und nicht in eine “richtige” Straße verwandelt wurde.
Die Feldsteine, die einst die Straßenoberfläche bildeten, waren noch gut zu erkennen.
Unzählige Tonnen Material, Menschen, Waffen, Essen, Verpflegung müssen diesen Weg iseit dem ersten Indochina Krieg gegen die Franzosen passiert haben. Trotz andauernder Versuche ist es auch den USA nicht gelungen dieses Netzwerk zu zerstören oder den Ho Chi Minh Pfad in seiner Funktion wirklich zu beeinträchtigen.

Nach einigen Kilometern endete die Strecke als Schotterpiste am Hauptquartier einer Belgischen NGO, die sich für den Straßenbau als verantwortlich zeichnete.

Wir erreichten Muang Nong und hatten noch 50 Kilometer nach Ta Oy. Das Guesthouse in Muang Nong war schimmlig, teuer und bot uns keinen Grund zu bleiben, bis auf ein Päuschen im Schatten. Kaltes Wasser, Fotos von Blindgängern und ein Päckchen Zigaretten – die sich noch als überaus wertvoll erweisen
sollten. Der Hotelmensch wies uns die Richtung, Maps.Me gab die gleiche an … also los.
Immer der Nase nach, wenn die Straße nur halb so gut weiter ging wie bisher, was sollte schiefgehen.

Raus aus dem Ort, über eine alte Stahlstrebenbrücke, die ebenfalls aus den 70ern stammen musste,
um die erste Kurve und…im tiefen, feinen Sand Laos steckengeblieben. Dieser heimtückische Sand, der einem die letzte Haftung nimmt, es ist wie auf Schnee.

Wir benötigten eine gewisse Geschwindigkeit um nicht umzufallen, nicht zu viel Drehmoment um uns nicht einzugraben, beide Füße gleiten über den Boden um Stabilität zu geben. Das Motorrad springt unkontrolliert durch die Spurrillen, die wir zu spät erkennen oder einfach nicht erkennen können.

Bremsen, Schalten, Lenken, alles wird zur Glückssache.

Das Gepäck verlagert den Schwerpungt, zieht durch die Trägheit in die Gegenrichtung, ein Rad gerät ins Rutschen, der Motor säuft ab und das Rad blockiert.
Tina liegt im Graben.
Sprit läuft aus.
Aus dem Tankdeckel, aus dem Vergaser.
Tina liegt unter der heissen Maschine im Staub, der mit dem Schweiss verklebt – die Zähne knirschen.
Vor Wut, durch den Sand.

Ich muss meine Maschine zum Stehen bringen, sicher, Motor aus, aufbocken, zurück rennen.
Aufstellen helfen.
Es ist heiß, es ist anstrengend, es ist staubig, der Sand kratzt in den Augen.
Die Maschine steht.
Anlasser.
Springt nicht an.
Springt nicht an!

Läuft…

Weiter.

Jeder Meter beinhaltet Flüche.
Auf jedem Meter wird gebetet.
Man rutscht.
Hält sich.
Hoffnung es möge besser werden auch.
Man weicht den aus dem Boden ragenden Steinen aus die nur darauf warten einen Reifen zu fassen zu kriegen.
Slalom, viel zu schnell, bremst runter, springt über die Spurrille, das Hinterrad zieht rüber, die Balance….Tina liegt im Dreck.
Benzin, Staub, Schweiss, Wut…
Hilfe kommt, die Maschine läuft weiter.

Wir springen über die Pisten.
Die Locals winken einem.
Lachen.
Begeistert und verschreckt, verwundert und bewundernd zugleich hier einen Weissen, einen Farang zu sehen.
Was macht ein Farang hier bloß freiwillig?!
Was will der hier?
Egal…gucken, lächeln, grüßen: “Sabaidee” -“Guten Tag”.
Weiter.
Die Strecke wird nicht besser.

Der Hoc Chi Minh Pfad trifft den richtigen Ton zur Begrüßung.

Irgendwann doch…etwas zumindest

Wir kommen an einem Fluss zum stehen.

Kartencheck – “Ja! – Hier müssen wir rüber!”

100 Meter… Bambusbrücke… wir zögern… knattern ein bisschen flussaufwärts und flussabwärts… kreisen wie die Geier… gibt es eine andere Furt?
Eine alte Frau, die aus dem gegenüberliegenden Dorf zu kommen scheint, deutet uns rüber zu fahren.
Ehrlich… das bisschen Bambus hält uns?
Wir deuten auf die Maschinen.
Sie winkt entschlossener.

Na gut – ich zuerst.
Mal sehen was passiert.

Ich lasse meine 100cm³ im Leerlauf ein paar Mal aufbrummen… lass mich nicht im Stich, Naomi.
Brücke – Moped – Glück.

Naja, ich habe ja ein Gao Yord. Das wird mich schon schützen.

Der Bambus knirscht unter mir, rasselt, knattert, rüttelt, vibriert, ich rutsche etwas über die glatte Oberfläche der Rohre, der Fluss führt wenig Wasser, jetzt in der Trockenzeit, ich würde also nicht einmal weggeschwemmt, aber die Brücke hält.
Der Maschine “Naomi” gefällt es – mir auch.
Ich habe das Gefühl echte Explorationsarbeit zu leisten.
Vor meinen inneren Augen sehe ich schon die Statue die mir, “Hotze dem Entdecker” zu Ehren, errichtet wird, wie Kinder in der Schule meine Geschichte lernen, gleich nach der Alexander von Humboldts oder Christoph Kolumbus´.
Ich komme auf der anderen Seite an, sehe mich um und grinse in mich hinein.

 

Direkt neben mir führt ein Pfad vom Brückenkopf in ein Dorf.
Einige Leute, die mit Waschen im Fluss oder mit anderen Dingen beschäftigt sind, beobachten dieses Schauspiel.
Neugierig.
Argwönisch.
Weisse haben auf dem Hoc Chi Minh Pfad noch nie etwas Gutes bedeutet.

Ich winke Tina, die noch auf der anderen Seite steht und auf mein Signal wartet, dass alles save ist.
Der Motor wird gestartet.
Die Maschinentina knattert mit ihrem “Black Sheep” über die Bambusbrücke die den Fluss Sepon überspannt.

Durchschnaufen, ein Schluck Wasser, alles gut gegangen.
Diesmal ohne nasse Füße.
Die Sandpiste ist vergessen.

Wir starten unsere Maschinen wieder und fahren den Pfad entlang ins Dorf.
Ein Mann fragt in gebrochenem Englisch wohin wir wollen.
“Ta Oy” – Fingerzeig in die Richtung.
Wir fahren etwas vor und stehen in einer Art Dorfversammlung.
Ein Redner, Zuhörer – beide Parteien begreifen gerade nicht.

Ich will nicht stören, ich will nichts erklären, gebe Gas, bleibe 100 Meter weiter stehen.
Checke kurz das GPS, warte auf Tina, müssen die Richtung besprechen.
Warte auf Tina.
Warte auf Tina?!
Tina?! … Knattert viel zu eillig um die Ecke, ruft irgendwas und ruft lauter.
“FAHR DIE WOLLEN GELD FAHR! FAHR!!!”

Ich realisiere die Worte nicht – sehe aber die Panik.
Trete den Kicker… mein Anlasser funktioniert seit Tagen nicht mehr … trete nochmal und folge.

Wir fahren einige Meter bis wir zum Stehen kommen.
“Was ist los?!”
Mehrere Männer der Dorfversammlung haben von Tina Geld gewollt.
Wegezoll.
Und Tina versucht fest- und aufzuhalten.
Tina: Gang rein, Gas, Kupplung kommen lassen und den Überraschungsmoment genutzt, um sich loszureissen.

Wasser, verschnaufen, weiter.
Weiter über eine ausgewaschene Piste, Steine, Spurrillen – aber kein Sand.

Mit einem Male stehen wir vor einem Abhang, geschätzt 35° Gefälle, 200 Meter lang, ausgewaschene Piste, Spurrillen, Felsen, lose Oberfläche.
Ein Weg durch ein Tal – eine Schlucht – über eine 50 Meter breite Brücke und auf der anderen Seite wieder hinauf.
Der blanke Horror.
Der absolute Horror.
Motorcross olé.

 

Motor aus.
Leerlauf.
Vorsichtig angerollt.
Fußbremse, Handbremse.
Das Gewicht des Gepäcks hat gedrückt, geschoben, das Eigene gezogen.
Füße gehen runter zum Stabilisieren.
Die Füße gehen wieder hoch zum Bremsen.

Irgendwas rutscht, rutscht, rutscht die Maschine wird unhaltbar.
Legt sich quer auf die Fahrbahn.
Wieder verlieren wir Benzin.
Das Aufstellen kostet Kraft, Mut – Laune.

Insgesamt sind wir vier Mal gestürzt… bis wir unten waren!
Ein Blinker ist abgerissen.
Ein Frontscheinwerfer ausgebrochen.
Der Tacho (mit Zündschloss) ist ausgebrochen.
…den Bremshebel haben wir schon vor Tagen mit einem Kleiderbügel gefixt.

Im Tal waschen wir uns im Fluss.
Kühlen im Schatten der Büsche herunter.
Trinken.
Trinken die erste Flasche aus.
Zwei Liter haben wir noch.
Die leere Flasche wird mit Flusswasser gefüllt… man weiss nie.

Wir kramen Multitool, Kabelbinder, einen Kleiderbügel und Klebeband heraus.
Fixen was zu fixen geht.

Zoffen uns im Zustand der Entkräftung, der Überhitzung und im Angesicht der Strecke, die uns nun vorauseilt.
Aber es ist klar, wir schaffen das nur im Team.

Ich springe auf ein Moped, trete den Motor an.
Spiele mit dem Gas, um uns mit dem Brüllen zu ermutigen und den Berg zu erschrecken wie ein Löwe eine Bedrohung erschrickt, um sie in die Flucht zu schlagen.

Ich fahre an.
1 Gang.
2 Gang.
Ich springe über Steine, Spurrillen, die Stossdämpfer schlagen durch, das unnachgiebige Geräusch von Metall auf Metall.
Ich rutsche über die Oberfläche und stürze…Tina eilt zu Hilfe, aufstellen, ankickern, weiter.
Das Moped wird auf der ersten Ebene abgestellt.
50 Meter runter, auf das andere Motorrad, anlassen, anbrüllen, eschleunigen, schalten, springen, stürzen.
FLUCHEN!
Dieser Scheiss Ho Chi Minh…

Wir haben keine Wahl.
Wir müssen weiter.
Zu viel Strecke ist schon geschafft.
Ob wir kehrt machen oder nicht.
Eine Steigung muss überwunden werden.
Und… ein feindliches Dorf – am Ende landen wir noch im Kochtopf.

Also weiter… immer weiter… immer weiter.
Stürzen, aufstehen, stürzen, aufstehen.

Irgendwann sind wir oben.
Dieser Berg hat uns bestimmt zwei Stunden gekostet.

Wir müssen nun endlich mal etwas Gelände gewinnen, um nicht im Dunkel der Nacht stecken zu bleiben.

Die Straße wird im Folgenden nicht besser – aber auch nicht schlechter.
Wir rutschen über Sand, springen durch Spurrillen, winken Laoten.
Sabaidee.

Wir passieren Hütten, ein kleines Dorf, von Zivilisation ist schon Lange nichts mehr zu spüren.
Die Belgier waren hier bestimmt noch nie.
Strom scheint es zu geben – einzelne Oberlandleitungen zeugen vom Fortschritt.
Ab und an knattert ein Local auf seinem Moped an uns vorbei.
Die meisten sind zu Fuß.
Es sind mehr Schweine, Ziegen und Hühner unterwegs als Menschen auf der Straße.

Wir winken, es wird gewunken, wir sind erschöpft… wir müssen weiter.
Die Tanks sind noch zu 2/3 gefüllt.
Wasser haben wir auch noch.

Wir knattern durch das nächste Dorf.
Passieren etwas das einem Dorfplatz ähnelt.
Man schaut.
Wir grüßen.
Man ruft: “Where do you go?!”

Tina möchte halten – Wasser besorgen.
Mir steht noch das Bambusbrückendorf im Nacken, ich will nicht.
WEITER!

Am Ortsausgang bleiben wir doch stehen, wir wissen nicht wohin.
Die Karte ist nicht mehr eindeutig.
Die Piste, auf der wir zuvor unterwegs waren, ist verschwunden, übrig – etwas wie ein Trampelpfad.
Viele.
Nach Links.
Nach Rechts.
Alle führen in den Wald.
“Ta Oy?!”
Rufen wir den neugierig aus den Häusern blickenden Augen zu.
“Ta Oy??”
Wiederholen wir.

Man zeigt zögernd in eine Richtung.

Wir fragen nochmal… das Zeigen wiederholt sich.

Na dann… ab in den Wald.

Auf den Trampelpfaden liegt Laub, es ist rutschig.
Aber zumindest schattig und der lästige Sand, der dem Hintermann ständig ins Gesicht geschleudert wird, ist weg.

Wir fahren ein Stück.
Das das GPS gibt noch 35 Kilometer vor.
35 Kilometer.
Bei maximal 10 Kilometern pro Stunde kommen wir nicht vor Einbruch der Dunkelheit an, rechnen wir uns aus.
Egal… weiter.
Zurück kommen wir auch nicht.
Der Berg, der Sand, das Erpresserdorf.

Aus einem Seitenweg taucht ein in oliv gekleideter Mann auf einem Moped auf.
Schaut uns fragend an.
“Ta Oy?!”
Er zeigt in die Richtung entlang des Weges…naja…okay…wird schon stimmen.
Komisch ist es trotzdem. Schliesslich ist Ta Oy eine etwas größere Stadt, die an einem Freeway liegt…naja.
Laos eben.
Er fragt in rollendem Englisch woher wir kommen.
“J´Allemann”” – Deutschland.
Er lächelt, gibt mir die Hand, fährt einige Meter vor und weist nochmal die Richtung.
“Kopchai!” – Danke.
Er nickt.
Wir fahren.

Nicht weiter als 200 Meter, es kommt eine Weggabelung.
Rechts oder links?
Beide einen steilen Hügel hinauf.
Ich hasse steile, laubige Hügel.
Die Karte ist uneindeutig.
Wir folgen dem Weg mit den meisten Fahrspuren.
Ich donnere den Hügel hoch, Tina stürzt, zurück.
Moped aufstellen.
Fahrerwechsel.
Der Steigung folgt ein Gefälle.
Kurz und Steil runter.
Wir stehen vor einem seichten, schmalen Bächlein.
Auf der anderen Seite geht es wieder hoch.
Steiler als herunter.
Steiler als alles sonst heute.
Kein Platz für Anlauf.
5 Meter 45° Steigung.
90° Rechtskurve, weitere ca. 100 Meter 15° Steigung.
Spurrillen, Steine, lose Oberfläche.
Kein Chance für meine Straßenbereifung.

Wir habe keine Lust mehr.
Wir kommen nicht voran.
Wir haben die falschen Motorräder für solch eine Strecke, für den Ho Chi Minh Pfad.

Ich trete mehrmals in meinen Kicker, entkräftet, bis der Motor läuft.
Ich fahre an.
Rutsche sofort weg, kann die Maschine nicht mehr halten und stürze sofort.
Wieder.
Mittlerweile schmerzt der ganze Körper.
Wir waren auf so eine Krasse Strecke nicht gefasst.
Das Frühstück ist schon lange lange her – Ein Küchlein, dessen Wirkung schon lange verflogen ist.
Der Kopf pocht. Hunger, Hitze, Entkräftung und Dehydrierung.
Ho Chi Minh wird uns doch nichts böses wollen?

Wir suchen eine der zwei Flaschen, die noch nicht mit Flusswasser gefüllt sind.
Weg! Irgendwo verloren.
Verdammte Scheisse.
Was habe ich dir getan Ho Chi Minh?!
“Matschak J´Allemann” – Ich bin Deutscher.
Kein Ami.

Es wird Zeit unseren Plan zu überdenken, die Karten auf den Tisch, die Optionen durchspielen.
Wir waschen uns im Bach.
Kühlen uns ab.
Trinken das verbliebene Wasser aus.
Kramen unsere Chlortabletten raus und desinfizieren die wiederaufgefüllten Wasserflaschen.
Für den Fall.

Was tun?

Im Wald bleiben und die Hängematten aufspannen?
Die Tanks sind halbvoll.
Flusswasser hätten wir.
Aber einfach so… hier im laotischen Outback bleiben, das so viel mehr ausserhalb von allem ist, was wir bisher gehsehen haben?
Was gibt es hier für Tiere?
Wo sind unsere Taschenlampen?
Was, wenn wir überfallen werden?
Haben wir eine Chance überhaupt jemals nach Ta Oy zu kommen?
Liegen hier noch UXO auf dem Ho Chi Minh Pfad?

Wir checken unsere Karten.
Analog und digital.
Wir sind irgendwo gelandet.
Wir checken nochmal.
Den Weg gibt es so ja gar nicht.

Was sollen wir tun?
Wir laufen im Kreis und grübeln.
Tina checkt die rechte Gabelung des Weges.
Nein… kein Indiz auf die Richtigkeit dieses Weges.
Noch ein Risiko eingehen?
Wir haben kaum Vorräte.
Die Nacht naht.

Wir schaffen es nicht nach Ta Oy!

Wir waren der Verzweiflung sehr nah in diesem Moment.
Immerhin hatten wir Wasser aus dem Bach das, mal abgesehen von dem Chlor, ziemlich gut schmeckte und schön kühl war.

Dennoch.
Wir hatten uns übernommen.
Wir mussten hier raus.

Hätte uns in diesem Moment jemand ein Ticket zur Heimreise angeboten.
Wir wären sofort ins Flugzeug gestiegen.
Scheiss auf meine Explorerstatue.
Ich bin n Stadtkind.

Dieser Weg ist nicht einmal eingezeichnet.

Okay, wir waren entkräftet, genervt, hatten wirklich keine Lust mehr hier zu sein.
Aber so einfach war das nicht.
Es galt: Nicht die Nerven zu verlieren.
Nicht die Mopeds einfach abzufackeln und hysterisch im Kreis zu hüpfen.

Es gab drei Möglichkeiten:
1. Weiterfahren auf dem Ho Chi Minh Pfad bis wir Ta Oy erreichen würden. Irgendwann.
2. Hier im Nichts unsere Hängematten zwischen den Bäumen zu spannen und bis zum Morgen auszuharren. Und (hoffentlich nur) von Moskitos gefressen zu werden.
3. Umkehren in Richtung nach Ban Dong und in dem letzten Bergdorf um Asyl zu bitten – für nur diese eine einzige Nacht.

Wir liefen die Pfade durch den Wald noch ein Stückchen ab.
Die GPS Uhr schaltete sich ab. “Akku leer!” – somit konnten wir die zurückgelegte Strecke nicht mehr einschätzen.
Unsere Akkus waren auch leer, in den Tanks war zwar noch genügend Sprit allerdings… wir brauchten Ruhe.
Punkt 1. wurde also von der Liste gestrichen.

 

Hängematten oder Asyl?
Wir beschlossen umzukehren und um letzten Dorf zu fahren.
Es würde sich schon jemand finden lassen, der uns einen Unterschlupf gewährt.

Wir fuhren zurück in das Dorf, dessen Namen wir nicht kennen und stoppten an dem Haus, dessen Bewohner uns vor gut einer Stunde den Weg nach Ta Oy in den Wald hinein deuteten. Man hatte sich schliesslich schon einmal gesehen. Wir erhofften uns hier die geringsten Berührungsängste mit verschwitzten, verstaubten, verzweifelten weissen Teufeln, die mit ihren Feuerkisten aus dem Urwald polterten und um Hilfe baten.

Ein Kopf lugte aus dem Stelzenhaus.
Eine Person trat auf die Veranda und schaute fragend.
Hängebauchschweine und Hühner huschten durch den Staub.
Es war noch immer viel zu heiß, obwohl die Sonne schon in Richtung Bett wanderte.
Wieviel Uhr es tatsächlich war, wissen wir nicht mehr. Die Uhr war tot – und wir auch.
Wir grüßten mit dem üblichen “Sabaidee” und versuchten zu erklären, weshalb wir nun hier sind (wieder).

Langsam versammelten sich immer mehr Menschen um uns herum.
Die Eigtentümer kamen herunter und herbei, ebenfalls die Nachbarn.
Jungs und Männer ganz nah heran.
Frauen hatten eher im Hintergrund zu verweilen oder liefen “zufällig”, Kindertragend und stillend an uns vorbei.

Wir fragten, ob wir hier schlafen könnten. “Ta Oy too far!” – “Can we sleep here?”
Achselzucken.
Wir fragten wieder.
Achselzuckend.

Wir legten unsere Hände gefaltet neben die Wangen und deuteten auf die Sonne um anzuzeigen, dass es zu spät war, um weiter zu reisen und einen Unterschlupf benötigen.
Aber keiner verstand uns. Sie lächelten, lachten. Wir lächelten und lächelten und fragten und fragten. Nutzten Zeichen als weltliche Sprache – es galt eine sehr große “language barrier” zu überwinden.
Irgendwann packten wir eine Hängematte aus und zeigten auf uns und dann auf die Balken des Stelzenhauses, dessen Freiräume im Erdgeschoss sonst als Unterstellmöglichkeiten für die Schweine und Hühner und einen Webstuhl genutzt wurden.

Endlich! Sie verstanden uns! Wir hatten uns also Übernachtungsgäste eingeladen. 🙂
Man nickte mit dem Kopf.
Zwei Querbalken waren uns.
Wie glücklich wir in diesem Moment waren.
Ein Dach über dem Kopf für die Nacht.
Nicht im Wald.
Was für ein Luxus – obwohl so grundsätzlich.

Wir schoben unsere Mopeds unter das Haus.
Noch immer beäugt von unzähligen Augen, die immer mehr zu werden schienen.
Laotische Gesprächsfetzen drangen zu uns durch.
Immer wieder auch mal wieder das Wort “Farang”.

Wahrscheinlich hat man sich gefragt, warum wir hier sind, was wir hier wollen…und warum wir nicht einfach wieder gehen.
Darauf wusste natürlich keiner eine wirkliche Antwort… ausser wir, aber wir konnten ja nichts auf laotisch erklären.
Aber man sah uns zwei Dinge an;
dass wir nicht (mehr) aus Spaß hier sind, und das wir immer lächelten und versuchten höflich und nett zu sein.

Nachdem wir die erste Hängematte gespannt und probegelegen hatten – und immer viel lächelten und lachten (auch wenn uns nicht danach zumute war), ging ich durch die Runde und verteilte Zigaretten, an diejenigen, die eine wollten.
Manche rauchten auch irgendein Kraut aus dem Wald, ein süsslicher Duft waberte von Zeit zu Zeit durch die Luft.

Zu den Zigaretten gab ich auch Feuer, lächelte und bekam nun von den ersten ein Lächeln zurück.
Rauchen verbindet.
Eine alte Frau, die eine Pfeife rauchte, lehnte dankend ab und lächelte mich mit einem nahezu zahnlosen Mund an.
Wir fühlten uns gerade etwas aufgenommener als wir begannen die zweite Hängematte aufzuhängen

Als diese hing, nahm Tina ihre Schlafposition in der Hängematte ein, zur Probe.
Es kam wie es kommen musste, die Hängematte riss an der einen Schlaufe aus.
Ein Lachen ging durch die Runde.
Zumindest sorgten unsere Bemühungen schon einmal für Erheiterung und nicht evtl. für Ablehnung.
Wir schnauften, lachten auch, aber schüttelten entnervt unsere Köpfe.
Der Junge, der zum Haus gehörte, und auf tischartigen Holzbrettern ein Schläfchen hielt, als wir ankamen
grinste und zeigte auf die Holzbretter. Wir schauten ihn fragend an. Er deutete nochmal, nickte und lächelte.
Wir bekamen gerade einen Schlafplatz zugewiesen.
Wir waren wieder etwas glücklicher.
Wie sehr man sich über so wenig freuen kann.
Das vergisst man.
Wie viel Luxus ein sicherer Schlafplatz ist.
Der Junge, ca. 16 Jahre alt, räumte ein paar Kartons vom Brett und fegte es schnell ab.
Gefühlte hunderte “Koptschais” später kam seine Großmutter, lächelte und hatte eine Bambusmatte für uns in den Händen, die sie auf den Holzbrettern ausrollte.
Wir waren so unendlich dankbar dafür, danke Ho Chi Minh, dass Du uns Asyl gewährst.

Wir bauten unsere Hängematten und das Seil wieder ab, falteten es zusammen und legten es beiseite, für später, wir wollten das dem Jungen geben – aber erst wenn nicht mehr so viele Zuschauer anwesend waren. Wer weiss welche Zölle wir sonst alles hätten entrichten müssen. Komisch wie misstrauisch wir waren. Selbst wenn uns gerade geholfen wird.
Zu viel Komisches hatten wir schon erlebt und gehört.

Wir lächelten in die laotischen Gesichter, man lächelte zurück, die Dorfbewohner hatten sich schon fast an uns gewöhnt, es gab keinen weiteren Zustrom an Schaulustigen mehr. Manche verließen uns auch schon wieder. Irgendwann ist ein Weißer dann auch nur noch ein Weißer. Die Jüngsten blieben noch immer fasziniert und in etwas Abstand zu uns stehen und beobachteten jeden Schritt, gekleidet in Trikos europäischer Fussballmannschaften oder irgendwelcher Comichelden.
Ich versuchte mich zu connecten und deutete auf ein Triko. “Manchester United!” sagte ich und lächelte … er verstand nicht und machte einen verschreckten Satz zurück. “Football! – Soocer!” sagte ich erneut. Noch ein Satz zurück.
Mir wurde klar, dass die Jungs gar nicht wussten, um was es hier geht, ich hatte auch noch nie einen Ball gesehen.
Die Trikots müssen Geschenke gewesen sein. Entwicklungshilfe? Altkleider?

Wiedemauchwar – wir brauchten Wasser, das für europäische Mägen geeignet war.
Wir erinnerten uns in der Dorfmitte eine “Tankstelle” gesehen zu haben.
Ein Bretterverschlag mit Treibstofffass und Handkurbel dran.
Da wird doch wohl auch etwas zu Trinken zu finden sein?!
Wir deuteten der Dame des Hauses, nachdem wir unsere nassen Schuhe gegen Flipflops eingetauscht hatten, eine Runde durch das Dorf gehen zu wollen.

Wir liefen also in die Dorfmitte.
Und da war auch so etwas wie ein Laden, ein Büdchen, einige Männer saßen da, einige Bierdosen lagen davor.
Ein Kühlschrank war zu erkennen und einige fragende Gesichter.
Drei Männer bildeten das Zentrum dieses Gelages, einer war wohl der Ladenbesitzer, hinter ihm stehend seine Frau.
Einer schien eher vietnamesisch.
Der Dritte trug ein Khaki farbenes Hemd, eine Umhängetasche und ein in Kunststoff eingeschweisstes blaues Schild mit laotischer Schrift.
Er begrüßte uns auf laotisch und stellte Fragen – oder sagte etwas.
Wir gaben zu verstehen, dass wir kein Lao sprächen und aus Deutschland kommen.
Er reichte uns die Hand zur Begrüßung, so taten wir es auch mit den anderen beiden.
Der Vietnamese erwiderte das nicht gerade willig. Aber immerhin flüchtig. Egal.
Der “Blauschildkhaki” deutete uns neben ihm Platz zu nehmen.
Das war doch schon mal eine freundliche Geste, ich erwartete ein in Gastfreundlichkeit aufgelöstes Trinkgelage und bereitete mich innerlich auf einen schlimmen Kater während der Rückfahrt am nächsten Tag vor.

Dieser Mann, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, sollte, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, das Zentrum unseres Aufenthaltes in den nächsten Stunden darstellen.

Er plapperte, unterstrichen von einer Bierfahne, auf laotisch los.
Wir verstanden natürlich kein Wort und versuchten ihm das deutlich zu machen.
“No Lao – no Lao” “Bo – bo” – “Nein – nein”
Er plapperte trotzdem beharrlich weiter.
Wir schauten uns abwechselnd fragend an – und lächelten.
Immer nur lächeln, lächeln, lächeln dachten wir uns.
Er dachte sich wohl: “Plappern, plappern, plappern…”
Irgendwann stand Tina auf, schliesslich hatten wir ja Durst, deswegen waren wir ja hierher gekommen, Tina fischte zwei 1,5er Flaschen Wasser aus dem funktionierenden (!) Kühlschrank, die so kalt waren, dass sie sogar etwas Eis angesetzt hatten. Wie köstlich.
Das Blauschild plapperte immernoch und zog währenddessen ein Schreibheft und Kugelschreiber aus seiner Umhängetasche.
Ein Schreiberling mit Umhängetasche UND blauem Schild. Es musste sich um irgendeinen Offiziellen handeln.
Wir hatten nur keine Ahnung um welchen.
Und selbst wenn es der Präsident höchstpersönlich gewesen wäre… das wäre uns ziemlich schnuppe gewesen.
Wir hatten Durst, waren schmutzig und einfach nur erledigt.
Wir lächelten.

Ich glaube, er wollte wissen, wer wir waren, woher wir kommen und was zur Hölle wir hier treiben und… dass wir bitteschön, sobald wir ausgetrunken hatten, wieder gehen sollten. Zumindest ließ die Intonierung seiner Wortwahl kein freundlich-fröhliches Geräusch vernehmen.
Zu einem Mahl mit Bier wurden wir auch nicht eingeladen. Wir hatten schon Freundlicheres erlebt – und auch erhofft.
Wir hatten auf jeden Fall beschlossen zu bleiben, das Auszusitzen.
Wir sind schliesslich Deutsche und kennen uns mit starrköpfigen Behörden nur zu gut aus. 😉
Den werden wir doch bezwingen können?

Er kritzelte irgendetwas in Lao in sein Heft. Keiner von uns ist der laotischen Schrift mächtig und so erschloss sich auch hier der Sinn nicht. Aus seinen Deutungen erfuhr ich, dass er gerne unseren Namen wüsste.
Kein Problem. Ich zeigte auf meine Brust: “Michael” un hörte als Echo: “Maiken” .
Ich sagte erneut: “Michael”
Echo: “Maiken”
Ich sagte: “Michael – like Michael Jackson”
Die Menschen rundherum grinsten, das Echo wiederholte: “AAAH Michael Jackson?!”
Hielt er mich nun für den Jackson Michael?! Ich war mir nicht so sicher, ich traute es ihm fast zu.
Da ich keine Lust hatte “Thriller” zu singen oder den Moonwalk zu tanzen, schloss ich mit: “Nooo, only Michael”
und lenkte auf Tina ab. Aber das machte das Drama auch nicht besser.
“Tina”
Echo: “Xinah”
“Tina”
Wieder: “XinaaH!”
Wir kamen uns langsam vor wie in der Klapse… lächeln… immer weiter lächeln… das ist die halbe Miete in Asien!
“XiiinaaaH”
“T-T-like Thailand”
“Xinah”, grinsen.
Blickwechsel.
“Jaaaa 🙂 🙂 Xinaah!, right!”
Von nun an waren wir Maiken und Xinah, warum auch nicht es gab Schlimmeres. (“Mmh, Eiswasser. Wie geil!”)
Er drückte mir das Heft in die Hand, Stift dazu.
Ich sollte wohl meinen Namen unter sein Gekritzel schreiben.
Und den von Xinaah und woher wir kommen (glaubte ich).
Also, in Großbuchstaben, nicht, dass jemand im Anschluss meinte ich hätte etwas unterschrieben und im besten Falle drei Wasserbüffel zur sofortigen Mitnahme
bestellt; Michael & Tina Germany.

Das Heft wurde gefaltet und verschwand mitsamt Stift in der schwarzen kunstledernen Umhängetasche.

Seine Stimmung war etwas schwankend, momentan war er wieder etwas harrscher.
Er deutete uns zu gehen.
Wir deuteten hier zu schlafen.
Er deutete uns zu gehen.
Wir deuteten hier zu schlafen.
Er deutete uns zu gehen.
Wir zuckten mit den Schultern, sagten “No Lao!”, zeigten mit gefalteten Händen an unseren Wangen hier schlafen zu wollen (und auch zu werden) und lächelten.
Immer schön lächeln. (Eiswasser…großartig! Die Chlortabletten konnten wir beruhigt wieder wegpacken.)

Er war so hartnäckig wie Ho Chi Minh persönlich.

Irgendwann beschlossen wir aufzustehen und wie eine in einem Kratzer auf einer Schallplatte gefangene Nadel aus der sich ewig drehenden
Wiederholung mit einem knarzenden Hoppser aus der verstörenden Monotoie der Langeweile zu verschwinden.
Soll er sein Bier trinken, sein Kraut rauchen, auf Farangs schimpfen und uns in Ruhe lassen.
Solange wir ein Brett zum Schlafen haben und etwas sauberes Wasser (Kalt!! Soooo kaaaalt!!!!) zu trinken hatten, waren wir unerschütterlich.
Was soll auch noch Schlimmeres passieren?
In Gedanken schliefen wir sowieso schon im Wald, bevor wir uns an die Hüttenbewohner gewendet hatten.

Wir erreichten nach wenigen Augenblicken wieder unseren Unterschlupf.
Es waren etwas weniger Menschen vor Ort, aber das änderte sich.
Die Dorfbewohner mussten über ein geheimes Nachrichtensystem verfügt haben, nur welches.
Ich sah weder Smartphones noch Dosentelefon. Vielleicht wurden die unschuldig umherhuschenden Schweine als Nachrichtenübermittler eingesetzt?
Ich grübelte kurz über diese theoretische Möglichkeit, wurde durch das Kichern und Getuschel der Menschen wieder zurück in die Szenerie katapultiert.
“Farang, Farang.” Drang immer und immer wieder zu uns durch.
Lächeln
“J`Alleman.”
“Sabaidee!”
“Koptschai!”
Wir waren schon wieder in einer Spurrille der schier endlos scheinenden Wiederholung unseres eigenen Unvermögens gefangen, einen halbwegs anständigen Satz bilden zu können, um wenigstens gebrochen mit den Menschen sprechen zu können. Ich war mir sicher sie waren sehr nett – und hatten eine Menge Fragen.

Wir sahen “Mr. Blauschild” in unsere Richtung laufen. Irgend ein geheimes Nachrichtenübermittlungsschwein musste aus seinem unterirdischen Loche geschlupft sein und ihm unsere Anwesenheit gesteckt haben. Er sah demzufolge auch nicht so sehr glücklich darüber aus, uns hier zu sehen.
Lächeln – Schluck Wasser (Eis!) – Kippe
Fertig zu nächsten Runde zur Schlacht an der Monotonie.
Der Kampf um den Ho Chi Minh Pfad scheint auch dieser Tage noch nicht beendet zu sein.

Wir, Xinaah und ich, saßen unter dem Stelzenhaus auf der Längsseite des in etwa hüfthohen Brettes.
In einem Dreiviertelkreis in mehreren Wällen um uns herum waren die Neugierigen aufgereiht.
Stehend, hockend, auf den Treppenstufen sitzend.
Rauchend, redend, neugierig und schüchtern schauend, kichernd wenn wir schauten und lächelten.
Eigentlich lächelten wir die ganze Zeit. Man hielt uns sicherlich für debil.

Er fing an etwas lauter mit uns zu reden. Er wollte uns definitiv nicht in “seinem” Dorf haben.
Er sagte immer und immer wieder etwas das sich wie “Moon” anhörte – aber wir waren uns sicher es sollte “Move” heissen.
“Verschwindet endlich von hier haun i g´sagt, ja seids dann narrisch un lassts euch hier nieder?! Kruzifixnochamual!!”
Aber was sollten wir tun?
Wir brauchten ein B(r)ett für die Nacht. Wenn wir hier nicht bleiben konnten, wir wären richtig im Arsch gewesen.
Zurück in die nächste Stadt mit Guesthouse, geschweige denn nach Ta Oy hätten wir es an diesem Tag nicht mehr geschafft. Von der Zeit bis zur Dukelheit und auch von unseren Kräften nicht mehr.
“Moon – Moon!” Der Arm zeigte immer wieder in eine der beiden Dorfausgangsrichtungen.
Unsere Köpfe zeigten immer wieder zusammen und fokussierten sich anschliessend mit einem Achselzucken wieder auf den Blauschimmel.
“Moon?” – “Sorry, we dont understand?!”
Wir merkten sehr wohl was er wollte und… wir merkten auch auf einmal mit ihm alleine zu sein. Naja fast. Die Älteren, einschliesslich der Hausbewohner waren nicht mehr da. Lediglich eine Handvoll rotznäsiger 4 – 10 Jähriger beobachteten noch neugierig, weshalb die Farangs dort auf dem Brett nicht endlich abhauten.
Ganz einfach, wir hatten nämlich beschlossen zu bleiben und das nebenbei auch schon besprochen. Lächelnd. Achselzuckend. Auf deutsch.
Sein deutsch war nämlich noch schlechter als unser Lao und wenn man nur lächelnd und ruhig genug, kurz und bündig spricht kann man alles verheimlichen.

Wasser – Lächeln – Kippe.
Auch eine Blauschild?
Nein?
Um so besser!

Er deutete mit überkreuzten Handgelenken immer und immer wieder an, dass wir wohl festgenommen würden, wenn wir nicht gingen… oder sowas und schleuderte sein Hand, gefolgt von dem schon vertraut abgewetzten “Moon!” in die Richtung des Dorfausganges.
Wir deuteten lächelnd auf das Brett, falteten die Hände und sagten “We sleep here! Its night, we cant drive!”
Er fummelte mit seinem Heft rum.
Dann mit seinem Handy.
Er war vor der Nichtanerkennung seiner Autorität überfordert. Durfte sich das aber nicht anmerken lassen. Erwürde sein Schild ja noch tragen wenn wir wieder weg sind. Er versuchte sich weiter durchzusetzen.
Irgendwann rannte ein Drofjunge los und kramte ein Wörterbuch heraus: “Lao – Englisch Englisch – Lao”.
Das Eis schien für uns dünner zu werden.
Er blätterte und blätterte und blätterte und konnte aber nicht so recht etwas damit anfangen.
Ich nahm es in die Hände. Suchte nach Schlafen. Hilfe. Bitte. Verstehe. Nicht.
Deutete auf die entsprechenden Laowörter und hielt sie ihm unter die Nase.
Es schien als könnte er nicht lesen.
Aber er schrieb doch?
War das ein anderer Dialekt? Hochlaotisch?
Das Eis unter usneren Füßen schien auf jeden Fall wieder dicker zu werden.
Zwei etwas ältere Laojungs die zwischenzeitlich erschienen waren, knatterten auf einem Mofa davon, es dämmerte bereits.
Einige “Dont understand, no Lao!” und “Moon – Moon!” später knatterten die Jungs wieder vor das Haus.
Mit ihren Englischheftchen aus der Schule in der Hand. Mal sehen.
Die Jungs blätterten. Fanden “Where are you from?!” (Germany), blätterten weiter, aber fanden nichts, was sie hätten verwenden können.
(Oder vielleicht auch wollen?) Wir hatten das Gefühl, dass uns die Dorfbewohner nicht argwöhnisch gegenüberstanden und “Blauschild” nicht unbedingt helfen wollten.
Zum Glück steht in solchen Heften nie geschrieben “Geh weg Ausländer, wir wollen euch hier nicht haben, wir sind besorgte Bürger.”
(Zumindest noch nicht.)
Wir sagten noch, wie alt wir beide waren und das wir Mann und Frau sind. Für mehr Englisch hat es nicht gereicht.

So ging das eine ganze Zeit lang hin und er, Jungs kamen und gingen, es wurde geblättert, gekichert, die Hand in Richtung Dorfausgang geworfen.
Irgendwann stand ein Mann in olivfarbener Uniform vor uns.
Den kannten wir aber schon. Wir hatten vorher im Wald Richtungsangaben ausgetauscht, gelächelt, Hände geschüttelt.
Das wusste nur noch keiner. Obgleich wir ihm schon gesagt hatten aus welchem Land wir kommen, fragte er uns nochmal mit besonders viel Mühe, und besonders
rollenden RRRRs sprach er stolz: “Wherrre arrre you frrrom?”
Wir antworteten zum gefühlt zweihundertdreiundneuzigsten “Germany – J`Alleman!”
“Wherrre do you go?”
“Ta Oy…we tried to but it is too far and too late. We do not get there, but we also cant go back. We need a place to sleep.”
Sprudelte es aus uns heraus.
Ich glaube spätestens nach “Ta Oy” war alles folgende nur noch gibberish für ihn.
Den rollenden Rs nach hatte er bestimmt seinerzeit von den Russen English gelernt, zumindest ein paar Fetzen und war sciherlich noch live dabei als es auf dem Ho Chi Minh zur Sache ging.
Er sah zu dem Blauschild und ohne das eine Kommunikation, zumindest eine, die wir bemerkten, zwischen beiden stattgefunden hätte, drehte er sich um und
ließ uns wieder mit den neugierigen Kindern und mittlerweile auch Jugendlichen zurück.
Die Dämmerung war mittlerweile von der Dunkelheit abgelöst worden. Für uns gab es kein Weg mehr hier raus.
Zumindest keinen sicheren.
Mein Scheinwerfer funktionierte zwar, Tinas Maschine war allerdings durch einige Stürze arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Ein “Lehrer” aus einem Nachbardorf kam vorbei, fragte uns die bisherigen Fragen, unterhielt sich kurz mit mir über einen Muay-Thai Kampf zwischen einem Thai und einem Deutschen, in dem der Deutsche unterlag. Dann wollte er ein Handy von uns, evtl. um unsere Handynummer zu notieren?! Es endete damit, dass wir alle die Fotos auf Tinas Handy anschauten und die Dorfbewohner das Vietnam War-Museum in Ban Dong erkannten, die  Freundschaftsbrücke und evtl. verstanden, dass wir den Ho Chi Minh Trail fahren – einfach Touristen waren. Der Lehrer verabschiedete sich dann auch wieder mit einem: “I go home.”
Der einzig halbwegs des englisch Mächtigem im weiteren Umkreis hatte wohl auch keine Lust uns tatsächlich zu verjagen.

Dennoch ging es dann eine Zeit lang in dieser Ping-Pong Manier hin und her bis “Blauschild” irgendwann gähnte, sein Handy einpackte und sein Tasche öffnete.
“Was denn jetzt noch?” fragten wir uns…
Er kramte einen dicken Beutel Kraut heraus, wickelte eine halbe Handvoll davon in ein Stück Papier und hielt mir etwas hin.
Ich roch daran und gab zu verstehen, dass ich dem nicht gewachsen sein.
Er lachte, steckte sich seine Papierlunte an und paffte sich einen.
Nachdem das erledigt war stand er auf.
Plapperte irgendwas.
Faltete die Hände vor dem Gesicht, verbeugte sich und verabschiedete sich.
Wir tatem dem gleich und sahen etwas verstört zu wie er von Dannen zog.
Hatten wir gewonnen?
Wir hatten gewonnen!
WIR HATTEN GEWONNEN! Ho – Ho – Ho Chi Minh!
Die laotische Bürokratie besiegt – mit deutscher Dummsturheit.
Wir waren so glücklich.
Nachdem alle Gefahr gebannt zu sein schien, trauten sich dann auch die Hausbewohner und Nachbarn wieder heraus.
Die Frauen und Mädchen stapelten sich um Tina und bewunderten die roten Haare und die weisse Haut, kicherten und plapperten.
Ein kleines Baby Hängebauchschwein verliebte sich für 2 Min in Tinas Turnschuhe und kuschelte intensiv mit ihnen.
Der Junge des Hauses, dem wir die Hängematten in die Hände gedrückt hatten, kam die Treppe herunter und drückte uns zwei Kopfkissen in die Hände.
Wie nett – einfach nur nett.
Während die Mädchen kicherten, legte ich mich auf die Bambusmatte auf dem Holzbrett mit Kissen unter dem Kopf und schloss die Augen um den errungenen Sieg zu genießen. Irgendwann verschwand dann auch die Girlgroup und Tina legte sich auch hin.
Kaum gelegen, kam die alte nette Omi des Hauses herunter und drückte uns eine riesige Wolldecke in die Hand.
Bambusmatte, Kissen, Wolldecke.
So wenig – so glücklich. So nett von diesen Leuten!

Wir schlossen unsere Augen und dämmerten weg.
Mit dem Schweinegegrunze im Unterbewusstsein fanden wir einen seichten Schlaf, der immer wieder von krähenden Hähnen, heulenden Hunden und bimmelnden Ziegen unterbrochen.
Aber das war uns sooo egal. Keine Moskitos, frische Luft und etwas Schlaf.
…und pure autentizität auf dem Ho Chi Minh Pfad.

Mit dem Sonnenaufgang um 05:00 begann der Tag für das Dorf und damit auch für uns, Sachen zusammenrollen, übergeben, bedanken, bedanken, bedanken, zurück aufs Moped und GO!

Wir waren also wieder auf der Piste und mussten alles wieder retour abspulen, nur noch nicht bei Hitze und etwas erholter, wenngleich wir mittlerweile sehr hungrig waren.
Diesmal machten wir aber eine Sache anders.
Angekommen bei der Schlucht demontierten wir unser Gepäck, fuhren die Maschinen nacheinander hinunter und trugen unser Gepäck hinab… und auf der anderen Seite
wieder hinauf. Was für eine Plackerei – aber ohne Sturz. Immerhin.
Sandpiste, Löcher, Buckel, hoch und runter, Ho Chi Minh, Hängebrücke, Kriegsmuseum, STRAßE.
Einige Stunden später waren wir endlich dort, wo wir 18 Stunden vorher aufgebrochen waren.
Checkten wieder in unser schönes Guesthouse ein, entstaubten uns unter der Dusche und packten uns ersteinmal ins Bett.

Ho Chi Minh persönlich hatte uns verschluckt und mit einem blauen Auge wieder ausgespuckt.
Danke Onkel Ho, dass Du uns wieder hast gehen lassen.

Von solchen Abenteuern hatten wir nun ersteinmal genug und fuhren die asphaltierte Route der Nr. 9 nach Savannakhet.
Kurzer Stopp in Mui Phin, einen abgeschossenen Hubschrauber bewundern, das Siegesdenkmal fotografieren und am Anfang des Ho Chi Minh Pfades in Savannakhet ein Bild neben dem Denkmal von “Onkel Ho” machen.

Was ein Abenteuer mit Ho Chi Minh – für die nächste Zeit sind wir ersteinmal gesättigt.

Was mich aber doch immernoch sehr wurmt ist… durch die Aufregung und die Erschöpfung und das Dummstellen habe ich komplett vergessen, ein paar halbwegs passable Fotos aus dem Dorf, dem Dschungel und den vielen Babyschweinchen zu machen…

 

 


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