Alberta, Lake Louise

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Früher oder später wird man auch auf der noch so abgeschiedensten Backpacker – Off-Touri Entdeckungstour den Weg mit touristisch ausgetretenen, oder zumindest erschlossenen Pfaden teilen (müssen).

Warum auch nicht, nicht ohne Grund sind diese Wege oder Hot Spots so stark frequentiert und man kann schöne Dinge entdecken, wenn man es wagt, einfach mal einen Schritt zur Seite zu machen und den tausendfach gegangenen Weg zu verlassen – oder einen Schritt weiter zu gehen.

Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Lake Louise, auf 1660m üNN im Banff National Park in Alberta, am Trans-Canada Highway gelegen. Großartigste Landschaften, die alle Klischees vereint die einem in den Sinn kommen wenn man an Kanada denkt. Nadelwald, Gebirgspanorama der auslaufenden Rockie Mountains, smaragdgrünes Wasser der Gletscherseen und herrliche Wanderwege.

Lake Louise. Blick vom Chalet
Lake Louise
Blick vom Chateau

Am Ufer des 90 Hektar großen Sees, der nach einer Tochter Königin Victorias benannt wurde, ein um 1890 ursprünglich als bescheidenes Chalet erbautes, dann einem Feuer zum Opfer gefallenes und als 5 Sterne Luxushotel, dem “Fairview Chateau”, wiedererrichtetes “Häuschen” welches im starken Kontrast zu allem vorher genannten steht.

Busladungen an Touristen, sehr (sehr) wohlhabende Besucher, Kanuverleih, mit großen Kameras bewaffnete, kleine Fotografen, Postkartenverkauf – auch diese Klischees werden hier erfüllt.

Wer sich aber die Mühe macht den Pulk zu verlassen und einem der zahlreichen von hier beginnenden Wanderwegen folgen will, wird reich belohnt.

Lake Louise Lakeshore Trail
Lake Louise
Lakeshore Trail

Mit Blick vom Fairview Chateau auf den Lake Louise folgt am rechten Ufer ein gut erschlossener “Wanderweg”, der “Lake Louise Lakeshore Trail” bis zum Scheitel des Sees. Dieser Touristenweg hat keine Steigung, ist nicht asphaltiert aber alles andere als ursprünglich, die Strecke ist einfach ca. 2 km und lässt sich super mit der Schwiegermutter nach dem Sonntagsbraten spazieren, am Ufer sind in regelmäßigen Abständen Bänke aufgebaut die zum verweilen einladen.

Lake Louise, Rock Flour
Lake Louise,
Rock Flour

Folgt man diesem Weg nun in Richtung der Berge, der Gletscher, der Natur und wagt es diesen Sonntagsbraten-Trail zu verlassen wird man gleich dafür belohnt.
Die Gletscher, die in den Sommermonaten schmelzen und den Lake Louise nähren, bahnen sich als Wasser ihren Weg von den Gipfeln durch endlose Geröllbetten. Durch den Fluss des Schmelzwassers wird das Gestein der Berge zerrieben und Kalk herausgelöst, sogenanntes Steinmehl oder “rock-flour” setzt sich in ruhigeren Zonen ab und ist ein erster Augenschmaus. Dem Weg weiter folgend beginnt die erste Steigung. Wir haben uns zum Ziel gesetzt das auf 2.100m Höhe gelegene “Plain of six Glaciers Tea House” zur erreichen und folgen aus diesem Grunde fortan dem gleichnahmgen Trail.
Der “Plain of six Glaciers Trail” ist nun schon anspruchsvoller.
Wenngleich der touristische Hintergrund dieses Trails zu erkennen ist, fordert er festes Schuhwerk, eine stabile Kondition und keinen Sonntagsbraten im Bauch – respektive Schwiegermutter im Gepäck.

Lake Louise Plain of six Glaciers Trail
Lake Louise
Plain of six Glaciers Trail

Für Kinder ist dieser Trail fortan nichts mehr.
Ab dem Scheitelpunkt des Sees werden am Ende des Trails ca. 3 Km und 500 Höhenmeter vergangen sein, seit dem Chalet ca. 5 Km. Teilweise über Schotterwege, oder über fast lose Steine kraxelnd.

Der Plain of six Glaciers Trail belohnt uns mit wundervollen Aussichten, unter anderem, auf die Gletscher des Mount Temple mit 3.500m, des Mount Whyte und Mount Niblock mit 2.980m Höhe. Wenn man kurz inne hält, Augen und Ohren Spitzt kann mit mir etwas Glück, dann und wann das Grollen einer abgehenden Lawine auf dem Weg in das Tal hören.

Unser Ziel, das Plain of six Glaciers Tea House fest vor Augen, genießen wir die betörenden Gerüche des Indian Summers und die wärmende Höhensonne und fliegen, getrieben durch die fast schon inflationäre Schönheit der uns umgebenden Natur die letzten Meter hinauf.

Lake Louise Tea House
Lake Louise
Willkommen

Auf dem Plain angekommen werden wir, bevor wir am Tea House angelangen von einer kleinen Hinweistafel begrüsst, die uns auf die Erstbesteigung um 1897 belehrt und uns auf das Tea House vorbereitet – übrigens schon seit 1920, also beinahe 100 Jahre, dort bewirtschaftet. Doch auch 100 Jahre nach Eröffnung gibt es dort noch immer keinen Strom (nur Solar), kein fliessendes Wasser, Plumpsklos und jedes Verbrauchsmaterial muss über den von uns gegangenen Weg mühsam transportiert werden. Umso schöner, dass man dort einen, ganz der britischen Tradition folgend, frisch aufgegossenen Tee zu sich nehmen kann und auch ein Sandwich und andere kleine Speisen serviert bekommt. Dem modernen Zeitgeist folgend gibt es auch glutenfreie Lebensmittel auf die die Nordamerikaner gesteigerten Wert legen – Kreditkartenzahlung ist jedoch nicht möglich. Handys, so weisen uns diverse Schilder hin, möchten bitte nicht verwendet werden, um die Ruhe nicht zu stören.

Lake Louise Plain of six Glaciers Tea House view
Lake Louise
Plain of six Glaciers Tea House view

Aber ganz ehrlich…wer möchte denn, nach so einer wundervollen Wanderung, einer herllichen Tasse heisser Schokolade und diesen Sinneseindrücken seine Zeit im Internet oder am Telefon verschwenden? Das wäre wirklich nicht sehr schlau.

Man sollte sich einfach mal – verweilen. Im wahrsten Sinne des Wortes, einfach mal die Zeit – Zeit sein lassen und sich auf das sein konzentrieren.

Man könnte für einen Moment dem Gedanken verfallen der Welt entkommen zu sein – leider folgt der Abkehr auch die Rückkehr in die Zivilisation. Aber so wie man sie auf diesem sanften Trail langsam abstreifen konnte, hat man die Gelegenheit sich diese auf der Rückkehr gaaanz langsam wieder überzustreifen.

Lake Louise Der Teufel ist ein Streifenhörnchen
Lake Louise
Der Teufel ist ein Streifenhörnchen

Aber bei allen, sich ankündigenden meditativen Einflüssen, gebt acht (!), ihr befindet euch in wildester Natur…Fressfeinde die euch euren Platz an der Spitze der Nahrungskette streitig machen wollen lauern überall…einen heimtückischen Angriff planend.
Lasst niemals – also wirklich niemals euer Sandwich unbeobachtet liegen, diese Unachtsamkeit könnte sich sofort rächen!

Manchmal kann es sich tatsächlich lohnen wenn sich die eigenen Wege mit dem des Mainstreams kreuzen…

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Anspruch:

1 10
“Lake Louise Lakeshore Trail”
3 10
“Plain of six Glaciers Trail”
Dieser Artikel ist auch als Gastbeitrag unter www.reiseinsidertipp.de erschienen.
Wir bedanken wir uns ganz herzlich für die Einladung von Kilian solch einen Artikel schreiben zu dürfen!!!

Wenn ihr wissen wollt wo wir gerade stecken, könnt ihr euch auch hier über unsere Route informieren.

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