Verdun 1916 – der große Krieg ist da

Eingetragen bei: Europa, Frankreich | 0

Verdun, in Frankreich.

Grünes, Hügeliges Gelände umgibt die Stadt. Saftige Wiesen, grasende Kühe, aus dem Himmel herabstürzende Bussarde, Bäume die ihr Blattwerk im Wind schaukeln, eine ganze menge Schafe.

Eine Herrliche Landschaft hier im Osten Frankreichs, kurz hinter Metz.

Ein bisschen wie Neuseeland in meinen Vorstellungen, ein bisschen wie im Südosten Australiens, ein bisschen wie im Spessart. Eine herrliche, friedvolle Landschaft.

Eine vom Geist der Zeit schon lange überholte Stadt die auch nicht wirklich sehenswert erscheint, wäre da nicht diese Landschaft.

Eine Landschaft die fast schon vor Geruhsamkeit schreit und ihren ganz eigenen Takt zu schlagen scheint.

Einen Takt der in den letzten 150 Jahren oft geändert wurde und von eben diesen, wie sie jetzt geruhsam hier liegen, Hügeln das Blut in Strömen hat herunterfließen lassen.

1870 Besiegten „die Deutschen“ „die Franzosen“ im Deutsch/Französischen Krieg, gefochten wurde auch hier.
Mit dem Sieg wurde Elsass und Lothringen vom deutschen Kaiserreich annektiert.
Das keine 50 Kilometer von Verdun gelegene Metz wurde deutsch und Verdun die nächste wichtige Grenzstadt der Franzosen.
Verdun ist ein kleines Städtchen und heute, wäre da nicht die Vergangenheit, auch seines Verfalls wegen, keine Reise wert, aber aus militärischer Sicht, weil strategisch sehr günstig gelegen überaus reizvoll.

Wer Verdun beherrscht, dem steht Frankreich offen.

Um zu verhindern, dass das deutsche Kaiserreich mit seinen damals fast 70 Milionen Einwohner zählende Volk, das wesentlich kleinere Frankreich mit 40Milionen Einwohnern nocheinmal überrennen sollte wurde an einer mächtigen Grenzbefestigung gearbeitet.

Die „Berrière de fer“ – der eisernen Barierre sollte das Land abriegeln und einen Eintritt der Deutschen nach Frankreich verhindern.

Diese Barriere zog sich von der Nordsee bis an die Schweizer Grenze und dann die Italienische Grenze entlang.

Sie bestand aus mächtigen, Kanonenbestückten Forts, aus dem Erdboden herausragenden Panzerkuppeln mit Maschinengewehren, Bunker, Beobachtungsposten, Gräben, Stacheldrahtverhauen und die gesamte Zerstörungskraft der Militärmaschinerie dieser Tage.

Die Franzosen igelten sich ein.

1914 erklärten Deutschland und Österreich Ungarn Frankreich, Serbien, Russland und in Folge einigen weiteren Ländern den Krieg – dem Irrglaube folgend in wenigen Wochen die Erzfeinde niedergerungen und zu einer neuen Weltmacht geworden zu sein.

Der erste Weltkrieg, „die Urkatastrophe“ des Jahrhunderts entlud sich in seiner vollen monströsität der entfesselten industriellen erstörungskraft. Maschinengewehre, Flugzeuge, Flammenwerfer, Giftgas, Zeppeline, Panzer, U-Boote – all das wurde hier bis zum volkommenen Ressourcenschwund angewendet und im Verlauf dieses Krieges erfunden…

17 Milionen Menschen sollten in diesen vier Jahren ihr Leben verlieren.

Davon rund 350.000 alleine in der Schlacht um Verdun“ (700.000 Verletzte) die sich vom 21. Februar 1916 bis zum 19.12.1916 erstreckte.

An jedem Tag – über tausend Tote.

Nicht nur durch Kugeln und Granaten und Gas und Schrapnelle – auch durch Hunger, Erschöpfung und Krankheiten.
Die Zustände müssen unvorstellbar schrecklich gewesen sein im knietiefen Wasser der Schützengräben.

„Wir haben die Hölle auf Erden geschaffen.“ schrieb ein französischer Soldat in einem Brief in die Heimat.

Nun wissen wir, was Krieg bedeutet.
Nun wissen wir, was Krieg bedeutet.

Fährt man heute durch das Gebiet rund um Verdun begegnet man den Zeugen dieser Zeit.

Soldatenfriedhöfe, deutsche, französische, amerikanische, säumen den Weg.

Bunker und Forts.

Von der durch die Explosionen entfesselte Gewalt umgegrabene Erde türmt sich wie Dünen.

Eisenstangen ragen aus dem Boden wo eins eine Befestigung.

Denkmäler für die Toten. Friedhöfe an jeder Straße.

Ein Dreitagesausflug nach Verdun reicht um einen umfänglichen Eindruck gewinnen zu können wie die Menschen seinerzeit wüteten. Und sollte eigentlich als Pflicht für jeden (vor allem Europazweifler) gelten.

Die Sehenswürdigkeiten um Verdun – die Schlachtfelder

Fort Duomont und Fort Vaux, von den deutschen nach langen Kämpfen kurzfristig genommen aber wieder verloren.

Beide können Begangen werden. Der Eintritt für beide kostet 6,50€, ein Audioguide (Französisch, Englisch, Deutsch etc.) ist inklusive.

 

Von der „Ouvrage Froideterre“ (Werk kalte Erde) ist nicht mehr allzuviel übrig.
Aber allein im zerfurchten Gelände, zwischen Betonbrocken und Stahlstangen zu stehen und sich vorzustellen sich hier, um sein Leben fürchtend, durchzukämpfen ist beeindruckend (schlimm) genug.

Nicht weit davon ist der französische Soldatenfriedhof gelegen der auch den jüdischen und moslemischen Soldaten gedenkt die aus französischen Kolonien anrückten und kämpften.

Kreuze so weit das Auge reicht.

Französischer Friedhof
Französischer Friedhof

In direkter Nachbarschaft das „Beinhaus von Douaumont“ welches zum 100 Jahrestag der Schlacht durch Hollande und Merkel eröffnet wurde und die Gebeine von 130.000 nicht idenifizierten Franösischen und Deutschen Soldaten aufbewahrt.
Es steht auf dem Gebiet der ehemaligen, zerstörten Stadt, Douamont.

Verdun wurde zur Festungsstadt erklärt weshalb die gesamte Stadt mit Forts und Zwischenwerken umgeben wurde.
Ein Durchmarsch sollte unmöglich gemacht werden.
Eine Besetzung der Stadt durch die Mächtige Zitadelle im entrum unmöglich gemacht werden.

Und so kann diese Aufzählung ins schier unendliche weitergehen.

Sehr eindrucksvoll war der Amerikanische Friedhof, der größte auf nicht Staatsgebiet, der neben einer sehr ehrvollen Anlage über eine schöne Kapelle und einem „Visitor Center“ verfügt welches etwas über die Amerikanische Beteiligung des ersten Weltkrieges lehrt.

Amerikanischer Friedhof
Amerikanischer Friedhof

 

In der Nähe, in Montfaucon, auf einem schwer umkämpften Hügel, steht „das Amerikanische Monument“.
Eine geschätzte 40 Meter hohe Säule von 1937 die den Gefallenen US Amerikanischen Soldaten der Meuse-Argonnen Offensive gedenkt.
Wenn die Eingangstür geöffnet ist geleiten einen 220 Stufen auf eine Aussichtsplattform von der die gesamte Gegend zu sehen ist.
Dort wo jetzt lediglich die Ruinen einer Kirche und Reste von deutschen Befestigungen stehen, auch dort stand einmal ein Dorf.

Aber der wahre Irrsinn des „Ich bin stärker (und trotziger) als Du!“ Gehabes wird ganz besonders im Dorf „Vauquois“ deutlich.
Oder in dem was davon übrig geblieben ist – nur ein kaputter Berg.

Als keine der beiden Seiten es schaffte diesen startegisch wichtigen Hügel einzunehmen entschied man sich dazu die feindlichen Stellungen zu untergraben, unglaubliche Mengen an Sprengstoff anzuhäufen und diesen zur Explosion zu bringen.

Dieser Berg der in etwa die Größe von zwei Fussballfeldern hat musste 536 Sprengungen über sich ergehen lassen wobei die größte 60 Tonnen (!!!) betrug.

Der Berg ist zweigespalten, links saßen die Deutschen, rechts die Franzosen, beschossen sich mit Artillerie, Infanterie igellten sich mit Stacheldraht und Schützengräben ein und das Dorf…das Dof verschwand ohne jede Spur einmal da gewesen zu sein.

Ich glaube, hätte damals einer eine Atombombe im Repertoire gehabt – sie wäre gezündet worden.

Einfach…einfach weil mans kann.

Nachdem die Verbündeten Frankreichs immer neue Ressourcen auf die Schlachtfelder warfen blieb dem deutsche Kaiserreich letztendlich nichts weiter übrig als sich immer weiter zurück zu ziehen.
Als einzig verbündeter blieb Österreich Ungarn welches ebenfalls am Ende seiner Kräfte angelangt war.

Am 11.11.1918 wurde ein Waffenstillstand im Schloss von Versailles unterzeichnet.

Der Krieg war vorbei.
Das deutsche Kaiserreich, die Doppelmonarchie Österreich/Ungarn, das osmanische Reich, das russische Zarenreich zerfielen.
Australien und Neuseeland behaupteten ihre Stimme im englischen Commonwealth als eigenständige Staaten und die USA wurden zu einer international wahrgenommenen Macht.

Man sollte meinen all das Leid wäre als Warnung gegen Krieg genug gewesen, aber es ist wie so oft:

Würden die Männer, die Kriege beginnen selbst in den Krieg ziehen müssen, es würde keine Kriege geben.

Aber das müssen sie nicht – und deswegen zog der Krieg ein drittes Mal seinen Säbel in dieser Region.

Der zweite Weltkrig wütete, keine 30 Jahre später, auch hier, und wieder starben Menschen.

Was für ein Glück wir haben in Frieden leben zu dürfen.

Das dürfen wir nie vergessen!

 

Wer sich noch weitere Informationen einholen möchte dem sei folgendes empfohlen:

Im Westen nichts Neues - Remarque
Im Westen nichts Neues – Remarque

 

14 Tagebücher des ersten Weltkriegs
14 Tagebücher des ersten Weltkriegs

Wenn ihr wissen wollt wo wir gerade stecken, könnt ihr euch auch hier über unsere Route informieren.

Habt ihr Fragen und Anregungen oder Themenvorschläge?
Dann Lasst es uns wissen!

Hat es gefallen? Dann auch!

Ihr findet uns für die „latest News“ auch auf Facebook unter:
www.facebook.com/rollkoefferchen

Unseren Youtube Kanal findet ihr unter:
www.youtube.com/c/RollkoefferchenDe




Hinterlasse einen Kommentar