Kurztrip nach Stettin – Urbex in der Wiskord

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Aus irgendeinem Grunde hatten wir einen Kurztrip nach Stettin durchgeführt.

Stettin liegt ca. 25 Kilometer hinter der deutschen Grenze in Polen und gehört seit ’45 zu eben diesem, und ist mit ca 400.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt Polens.
Für einen Kurzstrip ist Stettin ganz nett geeignet, nichts was man nicht schon irgendwie gesehen hätte, aber auf der Reise von hier nach da kann man gut und gerne mal eine Nacht dort verbringen, jedoch nicht mehr.

Irgendwie war Stettin für uns wie eine Suppe ohne Salz.

Ja, es gibt ein Schloss, es gibt handfestes polnisches Essen, in den “Milchbars” zu noch günstigeren Preisen und als Kinogänger kann man sich über günstige Eintrittspreise freuen. Ja sogar das am längsten am Stück operierende Kino gibt es dort zu finden.
Das “Pionier” von 1907. Einiges an Streetart im wunderschönen Hafengebiet.
Die Philharmonie die wirklich heraussticht und im Inneren sogar an das Guggenheim in New York erinnert.
Eigentlich damit auch alles was man für einen Kurztrip nach Stettin benötigt.

Aber weshalb hat unser Herz nicht zu lodern begonnen? Angesichts der Kontraste zwischen historischen Gebäude, Jugendstil, Sozialismusplatten und Brutalismus sowie die Bausünden des Kapitalismus…ja zumindest hier hätte sich eine Art von “Liebe” entwickeln müssen.
Nicht zu vergessen, die wohl hässlichste Kirche die wir bisher gesehen haben steht hier.
Standesgemäß in Ostputz verhüllt.

Was hat uns nur gefehlt?

Wir konnten beim besten Willen keine coolen Locations finden. Vintage, Retro, was Rockiges, was Subkulturelles. Wie gesagt…wie eine Suppe, ohne Salz. Trotz ihrer sehr aufwühlenden Geschichte -> Stettin bei Wikipedia

Zum Glück sind wir immerhin auf das alte “Wiskord” Gelände gestoßen, das machte unseren Kurztrip nach Stettin doch noch etwas aufregend.

Die “Wiskord” ist wohl eine alte Fabrik zur Kunstseidenherstellung gewesen, die 2000 endgültig aufgelassen wurde und nun die Urbexer der Region erfreut. Und die Rechten der Polnischen Naziszene… überall Hakenkreuze und Propagandaschmierereien wie man sie im Berlin von ’45 gesehen haben muss.
Ganz nach dem Motto “Sieg oder Sibirien”.
Was ein Widerspruch, ausgerechnet in einer in Trümmern liegenden Fabrik den Trümmern des dritten Reiches nachzutrauern, welches Polen als erstes hingerichtet hatte…

Wie sich in der nachträglichen Recherche herausgestellt hat, wurde die “Wiskord” wie sie nun heisst, oder besser “hieß”, 1901 gegründet.
Damals noch unter dem Namen “Vereinigte Glanzstoff Werke A.G.” – ein paar historische Bilder finden sich HIER
Unglücklicherweise gibt es von der “Wiskord” keine Einträge in der deutschen Wikipedia.
Wer dem Polnischen mächtig ist, HIER auf Wikipedia die Geschichte.
Ab 1976 wurden hier wohl unter dem Markennamen “Superton” Musikkasetten hergestellt – für die jungen Leser – das war die Übergangstechnologie zwischen Schallplatte und CD. 😉

 

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