Eine Städtereise nach Warschau – intensiv und wundervoll

Eingetragen bei: Europa, Polen | 0

Eine Städtereise nach Warschau, der Hauptstadt unseres östlichen Nachbarn Polens, ist eine hervorragende Gelegenheit eine tolle, geschichtsträchtige Stadt kennenzulernen.

Warschau ist eine dieser europäischen Städte, die schon seit jeher unter den Machtinteressen seiner Nachbarn gelitten hat.
Um das polnische Territorium haben sich mal Russland, mal Deutschland, dann wieder Russland, dann wieder Deutschland und dann ist erst einmal Russland geblieben.
Für eine lange Zeit.

Doch seit den 90ern, dem Zusammenbruch der Sowjetunion, bekommen die Polen endlich einmal wieder die Chance ihres eigenen Glückes Schmied zu werden. Um sich eindrucksvoll davon zu überzeugen, kann eine Städtereise nach Warschau sehr dienlich sein.

Und sie scheinen, zumindest nach dem oberflächlichen Eindruck Warschaus zu urteilen, fest anzupacken und sich diese Chance nicht nehmen lassen zu wollen.
Sicherlich – Warschau steht nicht für Polen, hier gibt es sicherlich Nachholbedarf und auch die momentan eher rechtskonservative Führung des Landes wird sich beweisen müssen.

Aber hier soll es um Warschau gehen und wie eine Städtereise nach Warschau mit der polnischen und mit der eigenen Geschichte vertraut machen kann.

das Wahrzeichen Warschaus
Das Wahrzeichen Warschaus: Die Meerjungfrau

 

Bevor wir uns auf den Trip nach Warschau machten, um unser Silvester dort zu verbringen habe ich einige Artikel versucht zu finden, die uns Tipps geben wie wir im postkommunistischen, erzkatolischen Warschau unser Ding drehen können.

Amazon.de Steffen Möller Bücher
Ich weiss nicht genau was ich erwartet hatte, aber was wir fanden, war etwas ganz anderes, der Autor Steffen Möller hat es in seinem Interview mit der Zeit treffend als „grellsten Konsumismus“ geprochen…so war es.
Warschau ist im Kapitalismus angekommen.

 

Möller hat einen großartigen Humor und beobachtet zynisch genau was die Polen in seiner Wahlheimat Warschau so treiben – ein Blick in seine Bücher lohnt! Oder …für Lesefaule auch ein Ohr ins Hörbuch.




 

Ein weiteres Zitat von Möller „komm nach Warschau – Großvater war auch schon da“ ist zwar ziemlich grenzwertig – aber auch das trifft zu. Warschau wurde mit sehr viel deutscher Gewalt konfrontiert; diese Spuren sieht man noch immer.

So …wie 1945 sieht es zum Glück nicht mehr aus…

Warschau 45 von oben...
Warschau’45 von oben …

Wir erlebten in Warschau etwas wohl Einzigartiges.

Vier Gesellschaftssysteme sind hier noch greifbar.
Und jede einzelne hinterließ gut sichtbar ihren Fingerabdruck – oder besser eine Narbe.

Die Prä-Nazi-Zeit
Die herrlichen Gebäude der Köngisstraße oder der Altstadt, die entweder überlebt haben, oder neu aufgebaut wurden.

Die Zeit der Okkupation durch die Nazis
Fast die gesamte Stadt wurde nach dem Warschauer Aufstand (1944) dem Erdboden gleich gemacht und noch heute gibt es unzählige Fassaden die Einschusslöcher aufweisen.
Ein Tourguide sagte uns: „Wenn du wissen willst ob es alt oder neu ist – achte darauf, ob es Einschusslöcher gibt (die ggf. geflickt wurden)“.
Vom jüdischen Ghetto, in welches die 300.000 Warschauer Juden bis zu ihrer Vernichtung gesperrt wurden, sind heute nur noch zwei originale Mauern übrig. Andere Punkte wurden rekonstruiert oder es wurden Gedenktafeln aufgestellt.

Der Sozialismus
Stalins Schreckensherrschaft machte auch vor der Architektur nicht halt, wobei diese auch sehr schöne Gebäude entlang der Paradestraße hat entstehen lassen – allen voran den Palast der Kultur und Wissenschaft. Hauptsächlich aber betonen die Plattenbauten, die Wohnmaschinen des Klassenkampfes, die Sterilität seiner Interpretation der kommunistischen Systemphilosophie. Da wir alle diese typischen Plattenbauten kennen – habe ich die hier nicht mit aufgenommen, was wir nicht kennen sind die Prachtbauten der Wohnmaschinerie.

 

zum Beispie dieses
Zum Beispiel diese hier

 

Der Neo Kapitalismus
Gläserne Glaspaläste, die versuchen sich und alles andere zu übertrumpfen, unzählige Einkaufsläden von Rossmann bis Ferrari, von Mont Blanc zu C&A, neonscheinende Banner, die den Weg zu McDonalds strahlen. Turbokapitalismus auf dem Höhepunkt.
Für Geld kann man in Warschau alles haben – das Erzählen einem auch die auf dem Boden liegenden Flyer mit halbnackten aufgedruckten Mädchen z.B. Ewa oder Anastacia und wie auch immer, freuen sich über deinen Besuch…

aus dem 31 Stock
aus dem 31 Stock

 

Welche Narben der Kapitalismus letztendlich hinterlassen wird …wir (alle) werden es sehen (uns spüren).

Und so gibt es für jede Interessenslage das passende Futter.

Kulturelles:

Stadtführungen gibt es natürlich auch in Warschau – und wer die ein oder andere Stunde parat hat, sollte unbedingt auch eine machen. Darum soll es ja letztendlich während eine Städtereise nach Warschau auch gehen.
Durch das ehemalige jüdische Ghetto, durch die Altstadt oder über den Kommunismus …das coole ist:
Die Stadtführungen sind kostenlos!

Anbieter sind hier:
the free walking tour  (hier bekommt ihr auch noch eine free map mit vielen Tipps)
orange umbrella

Lernt die Gebäude und die Statuen kennen – kleiner Tipp:
Hält er einen Säbel in der Hand und hat einen Schnurrbart ist es ein Heldenhafter Kämpfer.
Kein Schnurrbart und kein Säbel? Dann entweder ein Dichter oder – wahrscheinlicher Frédéric Chopin, auf letzteren ist man hier ganz besonders stolz.

An Parks ist Warschau sehr gesegnet, Warschau gilt als die zweitgrünste Stadt Europas – gleich nach Berlin, diesen Ruhm verdanken diese Städte einem schrecklichen Ereignis. Dem Krieg.

Ein ganz besonderer Park ist definitiv der Łazienki Park schaut ihn euch an!

Und das Jüdische Museum (kostenloser Eintritt am Donnerstag) – das Museum des Warschauer Aufstandes (Studentenrabatt) – das Grab des unbekannten Soldaten und so vieles mehr, was nicht vergessen werden will…

Der Kulturpalast
Eine Städtereise nach Warschau führt euch zwangsläufig auch zum Palast der Kulturen und Wissenschaften.
Das wahrscheinlich meistgehasste und gleichzeitig das imposanteste Gebäude der Stadt.
Stalin ließ ihn hier errichten – 1955, und dafür wurde Platz gebraucht, und weil Stalin Stalin war, hat er mehrere Häuserblocks abreissen lassen und dieses monströse „Geschenk“ an die Stadt errichten lassen.
Mit seinen 237 Metern höhe ist er noch heute das höchste Gebäude Polens und war bei seiner Fertigstellung das zweithöchste Europas.
Es beherbergt Kinos, Museen, Theater und alles was man irgendwie mit Kultur und Wissenschaft in Verbindung bringen kann, seinerzeit gab es sogar ein öffentliches Schwimmbad.
Im 30 Stock gibt es eine Aussichtsplattform. 17 Szloty für Studenten – 19 für „normale“
Gebaut ist dieses wundervolle Monster der architektonischen Überheblichkeit im zeitgenössischen Stile des sozialistischen Klassizismus – er könnte aber ebensogut in New York stehen.
Schaut euch auch das Kino (Kinoteka) an, wundervolle Art Deco Ausstattung.

„Fun fact“ – Stalin war niemals in Warschau …er hätte definitiv eine Städtereise nach Warschau einrichten sollen.

 

Booking.com

Kinos
Warschauer gehen gerne ins Kino und so haben auch wir das getan, schliesslich kann man nicht den ganzen Tag nur rumstreunern und zweitens sind Kinofilme hier mit 18 Szloy sehr sehr günstig (für uns Deutsche).
Ausländische Produktionen werden nicht ins Polnische übersetzt, sondern nur mit polnischem Untertitel gezeigt, dennoch lohnt sich die Frage nach der Sprache.
Es gibt die freie Wahl ziwschen Megaplexsupermodernkinoswieüberall oder Kinos wie z.B. die Kinoteka im Kulturpalast oder das mindestens ebenso schöne Muranow im ehemaligen jüdischen Viertel.
Nur süsses Popcorn …das war für uns in drei verschiedenen Kinos nicht zu finden. Zweimal salzig und im Muranow garkeins …darfür kann man dort unbehelligt seine eigenen Snacks mit hereinnehmen.

Essen

Zapikanski
Zapikanski

Essen gibt es an jeder Ecke und zu jeder Preisklasse. Wenn man Qualität und Kosten mit dem vergleicht was man hier in DE (Frankfurt Innenstadt) zahlen würde liegt man bei ca. -30%.
Man hat die freie Wahl. Bars, Restaurants, Kneipen, traditionell oder westlich.
Wer eine Städtereise in Warschau hungrig durchführt, ist definitiv selbst dran schuld.
Esst die Pirogie, Fuczki, Platski und Bigos …und die Zapiekanki!

Wir haben hier gegessen: Barn Burger (günstig), Zapiecek (polnisch, günstig), Spring Roll (asiatisch, nicht viel gewürzt, aber okay), Specjaly Regionale (polnisch, etwas teurer, aber sehr gut), Zapiekanki Regionale (Chielna 2, günstig), E.Wedel (Schokolateria, etwas teurer) und Bar Mleczny (Aleje Jerozolimskie 32), … .
Wenn ihr es auf etwas günstiges und deftiges abgesehen habt, dort wo auch Studenten und junge Leute essen, sucht euch eine „Milchbar“ eine „Bar Mleczny“.
Trinkgeld wird in Polen bei 10% angesiedelt.

Irgendwo habe ich glesen, dass das Angebot für Vegetarier und Veganer gering, bis nicht vorhanden sein soll – nein, zumindest im Stadtzentrum können sich auch die nach Chlorophyl hungrigen Mäuler ohne Angst zu verhungern bewegen.

Und wenn ihr wissen wollt, wie man „gut bürgerlichen“ Kaffee in Polen (Kawa Sypana) zu sich nimmt, interessiert euch sicherlich dieser Artikel von Shari auf www.schwarzundheiss.de.

Zahlungsmittel

Gezahlt wird Cash in der Landeswährung Zloty – 1€ entsprechen ungefähr 4PLN.
Per EC oder Kreditkarte kann aber überall gezahlt werden.
Sogar am Ticketautomat für den ÖPNV.
Das hat uns Polen auf jeden Fall voraus.

Nahverkehr

Der ÖPNV ist hervorragend ausgebaut, Busse, Trams, Metro alles da.
Vieles sehr modern.
Die 20min., Karte ohne Umsteigen kostet 3,30PLN.
Die 75min. Karte mit Umstiegen 4,40PLN.

Der Bus 175 vom Flughafen ins Stadtzentrum (Nowy Świat „Neue Welt“) fährt alle 20 Minuten und benötigt in etwa 35 Minuten.

Taxen kosten 8PLN für den Start und dann im Schnitt 2,2PLN pro Kilometer.

Kleiner Tipp: Nutzt Zebrastreifen und bleibt an roten Ampeln stehen. Die Autofahrer werden das respektieren. 😉

Schlafen

Wir sind über ein Expedia Angebot für Silvester sehr günstig nach Warschau gekommen.
Für 300€ hatten wir Flug, 6 Nächte im super zentralen und sauberen Hotel „Gromada“ mit Frühstück ergattert …und nichts falsch gemacht.
Andere Plattformen bieten ähnliches, AirBnB, Hostels von Cheapo bis Luxus ist Warschau auch hier auf der Höhe der Zeit.


72h-Sale_728x90

Flug

Eine Städtereise nach Warschau beginnt wahrscheinlich mit einem Flug.
Anscheinend fliegt von Frankfurt aus nur die Polish Airways – die „LOT“ mit schon etwas älteren und sehr kleinen Maschinen, aber für ca 1,5 Stunden Flug reicht das.
Die Preise liegen hier je nach Saison zwischen 100 und 200 Euro.

Aus dem Hotelzimmer
Aus dem Hotelzimmer

Eine Städtereise nach Warschau ist in jedem Falle ein Must-do wenn man an solcherlei Urlauben interessiert ist, Kultur, Essen, Menschen und das Nachtleben haben einiges zu bieten.
Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Wenn ichs in einem kurzen Satz zusammenfassen sollte: Warschau ist wie Berlin in den späten 90ern, Wien und Frankfurt heute zusammen.

Im Kapitalismus angekommen und den Sozialismus noch auf den Straßen, viel Potential in den Nieschen, hip jung und modern.

Viva Warszawa Polen für Fortgeschrittene Amazon.de Steffen Möller
Viva Warszawa Polen für Fortgeschrittene
Reiseführer Warschau
Reiseführer Warschau
Polnisch kochen
Polnisch kochen

 

Und wer etwas ganz besonders eigenes erleben will, der hat vielleicht glück und kommt noch an Toiletten vorbei, die so wie damals gekennzeichnet sind – Damen ein Kreis, Herren ein Dreieck. Ist klar oder?


Wenn ihr wissen wollt wo wir gerade stecken, könnt ihr euch auch hier über unsere Route informieren.

Habt ihr Fragen und Anregungen oder Themenvorschläge?
Dann Lasst es uns wissen!

Hat es gefallen? Dann auch!

Ihr findet uns für die „latest News“ auch auf Facebook unter:
www.facebook.com/rollkoefferchen

Unseren Youtube Kanal findet ihr unter:
www.youtube.com/c/RollkoefferchenDe




 

Hinterlasse einen Kommentar