Weshalb Australien? Antworten und Fragen…

Weshalb Australien?

Keiner von uns beiden hatte Australien jemals auf seiner „Bucket List“ und dennoch verschlug es uns zum Start unserer Reise dorthin. Weshalb? Das wissen wir noch immer nicht so recht. Auch nicht nach den fast 12.000 Kilometern die wir auf dem roten Kontinent hinter uns gebracht hatten.

Es erschien uns irgendwie logisch unsere Weltreise in einem Land zu starten da so weit weg ist von zu Hause, in dem alles so anders ist und doch, doch irgendwie gleich. Was wir aber mittlerweile wissen ist, dass es tatsächlich eine wundervolle Erfahrung war. Europa haben wir beide schon ausgiebig bereist – also. Weshalb nicht Australien?!

Ein Fehler war es auf keinen Fall. Wir trafen auf fast durchweg freundliche und hilfsbereite Menschen, auf Menschen die alle irgendwie von Einwanderern abstammten und ihre Wurzeln in Europa finden. Um die indigene Bevölkerung ist es nicht allzu gut bestellt – die Auswirkungen der Kolonialisierung, der Eroberung und der Bewirtschaftung des Kontinents sind überall sichtbar. Der westliche Lebensstil brachte Zucker, Alkohol und Drogen, veränderte Lebensbedingungen – nicht nur in der Ernährung.
Für ein Volk welches 40.000 Jahre isoliert, im Einklang mit der Natur lebten und nun 1750 auf den brutalen weissen Mann stieß der sich von Anfang an keine Mühe gab in friedlicher Koexistenz zu leben sondern wie überall auf der Welt sein Glück in Reichtum und Unterdrückung suchte und den neumodischen Waffen und Technologien nichts entgegenzusetzen hatte ein Todesurteil.
Tatsächlich sind heute ganze Landstriche „ethnisch Gesäubert“.
Auf Tasmanien ist kein Ureinwohner verschont- und übriggeblieben, wurde Tasmanien doch wegen seiner isolierten Insellage von Beginn an zu einer Sträflingskolonie.
Und obwohl Australien so eine schwarze Vergangenheit hat, und die Bevölkerung fast ausschließlich aus Einwanderern besteht die aus allen Teilen der Welt, hauptsächlich aus Europa, kommen wird Rassismus sehr oft sehr offen gelebt.



Australien ist ein Land mit ca 25 Millionen Einwohnern auf etwas mehr als der Landfläche Europas und einem sehr hohen Lebensstandard, sehr amerikanisiert.
Es ist also viel Platz – und mehr als genug zu Essen vorhanden.

Und dennoch – man tut sich schwer.
Mit den (verbliebenen) Ureinwohnern die offensichtliche Probleme haben mit dieser aufgezwängten Kultur klarzukommen und Flüchtlingen die an die Türe klopfen.
Es scheint so als hätte man panische Angst etwas weggenommen zu bekommen.
So kann eine echte multikulturelle Integration (nach allen Seiten) doch nur eine Bereicherung sein.
Weshalb Australien?
Liegen nicht hier deine Wurzeln?

Eine große Erzeugernation ist Australien nie gewesen. Man hat eine starke Agrarkultur und ist mit dem Abbau der reichen Bodenschätzen beschäftigt die von Kohle über Kupfer bis zu Opalen und Uran reichen.

Gibt es Schwankungen der Preise auf dem Rohstoffmarkt, gibt es also auch Schwankungen in den Beschäftigungszahlen. Ungefähr 6% Arbeitslose wurden während unseres Aufenthaltes gezählt – Krisenstimmung in manchen Teilen Australiens. Eigentlich unverständlich.

Australien ist reich, reich an Rohstoffen und an einer wunderbaren diversen Natur die es so, nirgendwo anders auf der Welt zu finden ist.

Viele Backpacker zieht es nach Asutralien in der Hoffnung mit dem Working Holiday Visum und etwas (harter) Farmarbeit, auf einer Plantage oder als Bedienung als saisonale Aushilfskräfte die Urlaubskassen aufzufüllen wenn die Jobsuche in OZ ersteinmal erfolgreich war und einiges an Lebenserfahrung hinzuzugewinnen.
Einige Australier sehen dies als Konkurrenz auf dem eigenen Arbeitsmarkt, der Staat hat unlängst die Steuerlast für Backpacker auf über 30% erhöht.
Doch sein wir mal ehrlich, hier werden oft Jobs gemacht die hart und schlecht bezahlt sind und von Australiern oft selbst nicht gemacht werden wollen. Jobs die oft weit ab vom Schuss sind und oft auch nur zeitlich befristet.
Diejenigen die sich für zwei, drei, vielleicht vier Monate in Australien einen Job suchen geben das Geld auch hier wieder aus auch wenn man versucht Geld zu sparen.
Es werden Lebensmittel benötigt, Mieten bezahlt, Kraftstoff verbraucht und Geld für touristische Attraktionen ausgegeben, die Finanzen von australischen Banken verwalter.
Kaum einer kommt mit mehr zurück als er gekommen ist – das Gegenteil ist oft eher der Fall.
Das Geld bleibt im Umlauf, der Binnenmarkt treibt sich selbst.
Eigentlich ein Glücksfall für die Wirtschaft.
Die Krankenversicherungen müssen selbst finanziert werden, Rentenleistungen werden nicht fällig.
Man könnte also diesbezüglich manchmal ruhig etwas freundlicher sein und dieses Glück anerkennen.
Weshalb Australien?

Der Grund für die einzigartige Natur Australiens ist in der frühen Abspaltung der australischen Kontinentalplatte vom Urkontinent Gondwana zu suchen.
Während sich Flora und Fauna in Eurasien und Afrika in die eine Richtung entwickelte ging es in Australien in die andere. So gibt es nur hier, und das in beachtlicher Zahl, Kängurus, Platypus, Koalas, Wombats und die vielfältigsten Vogelarten – von den ganzen aussergewöhnlchen Pflanzen mal abgesehen.
Schließlich gibt es auch noch genügend Rückzugsraum um vor der voranschreitenden Industrialisierung und dem Populationszuwachs auszuweichen.
Auch aus Europa eingeführte Tierarten.
Dem Hasen zum Beispiel, der zu Jagd – also Unterhaltungszwecken nach Australien eingeführt wurde, mangelte es so sehr an natürlichen Feinden, dass dieser sich ungebremst, innerhalb weniger Jahre über den Kontinent ausbreitete und zu einer Plage wurde.

80% der Bevölkerung befindet sich in direkter Küstennähe und im Outback ist Platz. Viel Platz. Es kann durchaus sein, dass man auch mal 400 Kilometer auf einem „Highway“ , der aus einem geteerten Streifen Fahrbahn besteht (wenn überhaupt), fahren muss ehe die erste Siedlung und damit Tankmöglichkeit am Horizont auftaucht.

Wo all dieser Platz und die Natur besonders geschützt werden soll weil sie sich durch ihre bloße Wildniss nicht alleine verteidigen kann werden Nationalparks aufgebaut.
So stehen zum Beispiel rund 40% Tasmaniens unter diesem speziellen Schutzmantel der eine Ausbeutung verhindern soll und das ist gut.
Schliesslich aber geht es hier aber nicht nur um die Natur wenn man ehrlich ist.

Es gibt da noch eine andere sehr wichtige Industrie in Australien die sich mit nachwachsenden Rohstoffen beschäftigen.
Mit dem Tourismus.
Jährlich kommen aufgrund der wilden Schönheit in etwa 7 Millionen Touristen in das Land welches seine Einwohner die „Aussies“ auch einfach nur „OZ“ nennen und diese beschäftigen direkt etwa 500.000 Menschen und bringen der australischen Wirtschaft in etwa 100 Milliarden AUD.
Weshalb Australien?

Jahresreport Tourism OZ
Quelle: Report Tourism Australia: www.tourism.australia.com

 

Generell haben die „Aussies“ aus „OZ“ einen Hang zu Abkürzungen – Barbeques, die eine Hauptfreizeitbeschäftigung der Aussies darstellen zu scheinen, werden „Barbies“ genannt.
Sunglasses – „Sunnies“,
Mosquitos – „Mozzies“,
Frühstück – „Brekky“
…und so weiter.

'stralish. Quelle: Facebook
’stralish. Quelle: Facebook

„Der typische Australier“ ist eher der etwas entspanntere, richtig stressig machen es sich dort wenige (nicht böse gemeint).
Dem deutschen Auge fallen sofort die Baustellen auf den Straßen auf die nicht durch Effizienz glänzen (können).
Zwei arbeiten – zwei sehen zu.

Zu Recht, bei Sommertemperaturen die locker die 40℃ knacken können und die Sonne erbarmungslos auf die rote, fruchtbare Erde brennt darf man es auch mal langsamer angehen.

Trotz all der wundervollen Umwelt wie dem sagenhaften „Great Barrier Reef“, den Regenwäldern oder der Wüste, den Walen, Delfinen und Haien und deren Zerbrechlich- und Einzigartigkeit ist das Umweltbewusstsein nicht sonderlich stark ausgeprägt.
Man fährt Autos mit großvolumigen Motoren die oft noch ungeregelt über das Land knattern, Rußpartikelfilter kennt man höchstens aus dem Zubehörkatalog, Fahrzeuge die mit laufendem Motor vor dem Geschäft warten die Sprit für einen bis einendollarzwanzig den Liter verbrauchen damit die Klimaanlage weiter kühlt – die auch im Häusern, Büros und Einkaufszentren im dauereinsatz ist sind ein alltägliches Bild.
Mit Plastiktüten wird beim Einkauf nur so um sich geworfen und sogar im Wald liegt so oft viel Müll herum. Autobatterien, Reifen, Hausmüll und dergleichen mehr…
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Da tröstet es kaum, dass auf vielen hausdächern Solarzellen vorzufinden sind die die hauptsächlich aus Kohle und Gas gewonnene Energie ersetzt die der Erde in Minenstädten wie Mount Isa dem Boden mit aller Gewalt entrissen werden oder Regenwassersilos das Regenwasser sammeln und damit das knappe Grundwasser entlasten.
Hoffentlich wird das Great Barrier Reef um Cairns herum, an der Ostküste, verschont unter dem millionen von Tonnen an Kohle vermutet werden.
Es gibt noch sehr viel zu tun…
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Die Steuern auf Alkohol und Tabak sind hoch. So kostet eine Zigarette im Schnitt 1$ (aber auch mehr) und die billigste Flasche Wodka 40$ (0.7l Aldi) gut so!

Cannabis ist verboten, lediglich in der Hauptstadt Canberra toleriert.
Weshalb Australien?

Wir haben in unseren acht Monaten viel gesehen, erlebt und gelernt bevor es jetzt durch Südoatasien geht. Viel von Menschen gehört mit denen wir gelebt und oft auch freiwillig gearbeitet haben uns viel ausgetauscht und miteinander gesprochen – sofern wir den speziellen Dialekt immer richtig verstanden haben.
Immer wurde gegenseitig, wie beim Quartettspiel verglichen.
Australien ist ein wunderschönes Land. Westlicher, oft auch konservativer Demokratiekapitalismus der noch viel Raum für Veränderung und Verbesserung lässt wenn das Land seine Schönheit behalten möchte.

Aber auch als Deutscher kann man so einiges lernen, vielleicht einfach mal nicht immer Meckern, vielleicht einfach mal sehen wie verdammt gut es uns geht und wie weit wir entwickelt sind.
Man muss nicht immer perfekt sein. Ein bisschen weniger tuts vielleicht auch.
„That will do!“, oder „Rough enough is good enough!“ Könnten wir uns auch dann und wann einmal sagen.
Unser Schulsystem ist nicht perfekt – aber im Vergleich?! Super.
Auch das deutsche Gesundheitswesen ist nicht perfekt, aber hey – wie weit müssen wir nochmal zum nächsten Arzt oder Krankenhaus fahren? Richtig – selten mehr als 15 Minuten.

Und so nehmen wir viele Lehren und neue Fragen (auch über uns selbst) wieder mit auf unseren Weg, denken weiterhin über unsere Abenteuer nach, reflektieren und freuen uns nach Australien gegangen zu sein und verbleiben nachdem es uns mit einem warmen „G’day mate, how are you doin‘?“ empfangen hat mit einem „Cheers, see you later.“

Weshalb Australien?
Weil vergleiche ziehen sehr wichtig ist im Leben und in Australien geht es hervorragend wie wir im Nachhinein festgestellt haben.

Danke Australien, wir wünschen Dir alles Gute!


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