The Nations Capital – Canberra

Canberra.
Wann immer wir auf unserem Weg durch Australien einem Australier erzählten, dass wir auf der Reise durch dieses Land
der schier unendlichen Weite auch die dazugehörige Hauptstadt besichtigen wollen, wurde seicht gelächelt und die Augen verdreht.

Canberra sei langweillig, durchschnittlich, eine Planstadt nichts aussergewöhnliches – egal wo, in Coober Pedy, Adelaide, Mareeba, Sydney.

Canberra scheint bei den Australiern keinen besonders guten Ruf zu haben, aber weshalb?
Ja es stimmt, Canberra, die achtgrösste Stadt australiens mit 350.000 Einwohnern ist eine Planstadt, am Reissbrett konzipiert weil sich Sydney und Melbourne nicht einigen konnten wer die Hauptstadt werden sollte.
Es wurden Kleinstädte zwischen den beiden Kontrahenten besucht, für tauglich – oder eben nicht bewertet und als dann Canberra gefunden war und die Lage von beiden Städen als akzeptabel befunden wurde, wurde ein
Wettberwerb über die Konzeption einer Hauptstadt ausgeschrieben.

Gewonnen wurde dieser Wettbewerb von einem amerikanischen Architekten der die Planhauptstadt nicht einfach nur auf die entsprechende Landschaft aufsetzte, sondern plante diese in die Landschaft zu integrieren.

Was das bedeutet kann man am besten von Ainslie Ausblick erfahren. Die Stadt ist mit der Landachse entlang der Wasserachse angelegt, die Straßen führen in das Zentrum, direkt zum Parlament. Parlament – Old Parliament House – ANZAC Parade – War Museum liegen direkt auf einer Achse.
Die Stadt wirkt aufgeräumt und durchdacht. Die Straßen sind breit genug um den Verkehr schnell abfliessen zu lassen.

Sozialwohnungen, also Government Housing sind nicht in einem bestimmten Viertel angelegt, um eine Ghettoisierung zu vermeiden wurde die Anzahl der benötigten Sozialwohnung auf die zur Verfügung stehenden Viertel aufgeteilt.

Auch ist Canberra – beziehungsweise der Staat in dem Canberra liegt „ACT – Australian Capital Territory““ der erste Staat Australiens in dem Cannabis „entkriminalisiert“ wurde. Man hat schliesslich wichtigeres zu tun.

Wer sich für Stadtplanung interessiert sollte sich auf jeden fall mal mit Canberra auseinandersetzen.

Ja es stimmt wohl, Canberra ist eine überaus durchschnittliche Stadt. Nicht groß, nicht klein, nicht besonders aufgeregt aber doch voll Schaffensdrang, 45% der Einwohner sind Regierungsbeschäftigte, alles was man zum Leben benötigt, aber keine besondere Szene.
Aber: überdurchschnittlich viele Universitätsabsolventen leben in Canberra und die Stadt weist überdurchschnittlich viele Radfahrer im australischen Vergleich auf.

Es gibt schlimmeres.

Hervorragend sind die Museen in Canberra.
Die meisten davon sind kostenlos aber auf garkeinen Fall umsonst.
Während unseres einwöchigen Aufenthaltes in der Hauptstadt, der den bisherigen kulturellen Höhepunkt unserere Reise darstelle haben wir folgende Sehenswürdigkeiten besucht:

Das Australian War Museum
In der Regel geöffnet von 09:00 – 17:00, wir kamen um 14:30 und dachten: „Jaja – passt scho…“ …passt eben nicht, wir sind am nächsten Tag wieder gekommen. Es hat doch wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen als geschätzt.
1. Aus einem traurigen Grunde; Australien ist doch in mehr Kriege verstrickt als gedacht. Fast überall wo das „Mutterland“ England oder die USA mitmischten war auch Australien mit von der Partie. Erster und zweiter Weltkrieg, Vietnam, Afghanistan …
2. Aus einem erfreulichen Grunde, diese traurige Tatsache war hervorragend aufgearbeitet.

Tausende Exponate, vom türkischen Tabaksbeutel aus der Schlacht von Gallipoli über den letzten existierenden deutschen Panzer aus dem ersten Weltkrieg „Mephisto“, über „Messerschmitt“ und Bomberflugzeuge aus dem zweiten, ein U-Boot, Hubschrauber, Filmvorführungen, Informationstafeln zu den einzelnen Konflikten, interviews mit Koreanern und Japanern, informationen zu vergangenen und aktuellen „Friedensmissionen“ Denkmal und
tägliche Gedenkzeremonie der Gefallenen.

Ohne zu heroisieren, ohne Propaganda, ohne Verherrlichung – wirklich gut.

 

Mephisto

 

Das Deep Space Center
Etwas ausserhalb gelegen auf dem „Discovery Drive“ befindet sich der „Deep Space Communication Complex“, eine Bodenstation zur Übertragung extraterrestrischer Signale.
Wr sich schon immer für Filme wie „Krieg der Welten“, „Independence Day“ oder E.T.“ – oder die Frage ob wir ~hier~ alleine sind interessierte, der sollte doch auch auf jeden Fall einmal einen Blick hierrein werfen.
Exponate verschiedener Raumfahrtmissonen, Mondgestein, Lehrtafeln und der beeindruckende Blick auf riesige Sattelitenschüsseln lassen nicht nur Kinderaugen größer werden.
Die Signale der ersten Mondlandung am 21.07.1969 liefen über diese Schüsseln.
Man sollte ich allerdings Picknick mitbringen – das angeschlossene „Moon Rock Cafe“ ist nichts für Sparfüchse.

Und…ich kann mir nicht helfen, ich hatte die ganze Zeit dieses komische Gefühl nach Hause telefonieren zu müssen.

NASA Deep Space Center

Das National Museum of Arts
Im Regierungsviertel, 10 Minuten zu Fuss vom „Old Parliament House“ und in direkter Nachbarschaft zum „High Court of Australia“ liegt das australische Nationalmuseum. Australische Künstler der Vergangenheit und Gegenwart werden hier ausgestellt. Popart, Surrealismus, Zeitgenössisch.
Alles das. Umrahmt von wechselnden Gastausstellungen von Partnerstädten im In- und Ausland oder Künstlern oder Thematiken. Während unseres Besuches gab es eine Gastausstellung des Nationalmuseums von Kambodia.

Die National Libary of Australia
Wie bei jedem Besuch einer größeren Stadt durfte auch in Canberra der Besuch der Nationalbibliothek nicht fehlen.
Ein großes, modernes Gebäude im Regierungsbezirk Canberras. Eindrucksvoll auf ihre Art und Weise. Der Modernität geschuldet fehlte aber leider dieses besondere, altmodische Flair wie wir es in Sydney und ganz besonders in Adelaide bewundern konnten.
Aber das ist jammern auf hohem Niveau.
Wie immer gab es schnelles Internet, auch als WiFi Zugang kostenfrei und eine Ausstellung die dann und wann wechselt. Zu unserer Besuchszeit wurden gerade Logbücher und Lebensgeschichten Captain Cooks ausgestellt der in der Entdeckung und Erkundung Australiens zu einigem Glanze kam.

Das Parlament
Ist man in der Hauptstadt eines Landes sollte man es sich nicht entgehen lassen auch den Regierungssitz zu besichtigen.
In Canberra bietet sich hier eine herrliche Gelegenheit dazu. Die Tiefgarage ist am Wochenende kostenfrei und unter der Woche für eine Stunde, jede weitere kostet 2,50$, was der ortsübliche Satz pro Stunde parken in Canberra ist.

Das Parlament mit seiner 101 Meter über der Erde ragenden Staatsflagge kann von 09:00 bis 17:00 täglich besichtigt werden, an Feiertagen mag es Ausnahmen geben, der Haupteingang der weiß gehaltenen Fassade blickt direkt über die ANZAC Parade auf das War Memorial – hoffentlich als tägliche Mahnung. Ein kurzer Sicherheitscheck nach dem Eintreten der dem am Flughafen gleicht und schon befindet man sich zwischen Angestellten die Fragen beantworten und einen zur Magna Charta im ersten OG geleiten, Touristen und Parlamentariern.
Wer will und Kamera, Handy und dergleichen abgibt kann, wenn es gerade die Question and Answer Stunde gibt, politischem wirken beiwohnen.
Wem es nichts taugt sich in lange Schlangen anzustellen um darauf zu warten einem Politiker beim reden zuzusehen kann an der Schlange vorbeiziehen und sich den Aufzug zum Dach rufen. Auf dem Dach kann man einen herrlichen Ausblick über Canberra genießen. Während man nun über den Dächern Canberras steht, steht man auch über den Politikern, eine Symbolik die nicht ganz zufällig daherkommt.
Sollen die Politiker doch Entscheidungen zum Wohle des Volkes treffen und zufällig oder nicht aber von nicht zu verachtendem Symbolcharacter steht das neue Parlament „über“ dem Alten welche sich auf gleicher Achse befindet.

vom Parlament

Das Australian National Museum
ist alleine schon wegen seiner Architektur sehenswert. Ein sehr ambitionierter Architekt hat es gekonnt vermieden eine gerade Line nur allzulange fortzuführen. Loopings, Schlenker, Bögen „davon wird mir schlecht“ sagte eine befreundete Architektin – Ansichtssache, ich finde das aufregend.
Hunderwasser hätte sicherlich auch seine Freude daran gefunden.
Das aufregendste, weil noch nie zuvor gesehen, eine Filmvorführung die die Geschichte australiens erzählt. Also ja, Filme kenne ich wohl, und die Geschichte dieses riesigen, diversen Landes von Tag zu Tag besser aber die Art wie diese Geschichte erzählt wird.
Man betritt einen kleinen Kinosaal. Vielleicht 30 Plätze und schaut auf eine Leinwand die von größeren und kleineren Monitoren flankiert wird, soweit so gut, eine Stimme ertönt und leitet ein: „12 Minuten, vier Epochen australischer Geschichte, von der TRaumzeit über die industrielle Revolution bis heute.“ und es geht los. Man sieht einen Adler über ein Flussbett fliegen, Naturgeräusche ertönen, Gezeiten werden gespielt, das Meer, Stimmen aus dem off die in vermeintlich indigener Sprache sprechen – das Kino dreht sich – ja richtig, der Zuschauerraum beschreibt eine 180° Drehung um die vertikale Achse des Raumes, ein neuer Raum wird betreten. Die Entdeckung Australiens, die „first Fleet“, Verurteilte besiedeln das Land auf einer großen Leinwand – Lichteffekte. Abermals eine Drehung um 180°, alle vier Minuten eine Epoche, alle vier Minuten ein neuer Raum, neue Monitore, Leinwände, Sound- und Lichteffekte, die industrielle Revolution / die Kriege, vier Minuten – Drehung – „heute“, Holden, industrielles Mining, Großstädte, hier sind wir Licht geht aus – Tür geht auf.
Wow…waren das kurzweilige 18 Minuten.
Der Rest des Museums ist ebenso kurzweillig aufgebaut.
Man wird an einem roten Faden durch die Geschichte australiens geführt.
Von damals – also ganz ganz damals, über die Landung der Europäer, die Gründung der Städte, die Entdeckung des Inlandes zu den Konflikten mit den Ureinwohnern – zu jetzt.

Sehr sehr interessant!
Ein muss für jeden Touristen und Reisenden

Für dieses Museum reichen zwei, zweieinhalb Stunden vollkommen aus da wichtiges und ohne Schnörkel vermittelt wird.
Viele Exponate, das Kino, tolle Architektur.
Es auszulassen wäre ignorant – go for it!

Wer nun von all dieser Kultur nichts mehr wissen möchte kann sich natürlich auch in das Stadtzentrum aufmachen um den Alltag der hier lebenden Menschen zu erkunden.
Im CBD findet man eine Jazzkneipe, Comicshop und Plattenladen – zu unserer Besuchszeit auch einen Weihnachtsmarkt (etwas skurril bei 30°C) mit deutscher Wurst, einen Aldi und all das was man in einer Großsstadt eben so findet.

Und nicht zu vergessen – den canberra Market im alten Bus Depot am Samstag.
Vintage, Design und alternatives.
Internationales Food.
Wer auf der Suche nach einem Geschenk ist der findet hier sicherlich etwas.

Dann gibt es noch das Wissenschaftsmuseum, das „Old Parliament House“, den botanischen Garten, den Telstra Tower, den Rosengarten – ach, und so vieles mehr.

Von Canberra aus geht es für uns an der südlichen Ostküste weiter nach Melbourne zu unserm ersten Einsatz als Housesitter über Weihnachten und Neujahr.


Wenn ihr wissen wollt wo wir gerade stecken, könnt ihr euch auch hier über unsere Route informieren.

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