Coober Pedy: Von Opalen, Staub und Kängurus

Als wir am Uluru waren und unsere Reise für die nächsten Tage planten lasen wir in unseren Reiseführern von „Coober Pedy“, der australischen Opalhauptstadt.
Eigentlich ist dies sogar die weltweite Hauptstadt der Opale 85% ALLER Opale kommen nämlich aus Coober Pedy, kein Wunder daher die Herkunft des Ortsnamens.
Coober Pedy ist eine Ableitung des indigenen Spottnamens für diese Region:
Kupa Piti – weisser Mann im Loch.

Auf Platz zwei und drei der Exportgüter Coober Pedy’s muss allerdings Staub liegen – Staub und Fliegen, da in Zentralaustralien gelegen, regnet es hier überaus selten,
an Vegetation ist hier nicht viel vorhanden und im Sommer sollen sich hier millionen Fliegen tummeln.
Vor vielen vielen Jahren, also so ziemlich ganz früher, war das hier mal ein Ozean, der gleicht jetzt aber eher einer Mondlandschaft.

Kein Wunder also, dass in Coober Pedy einige mitunter auch sehr berühmte Filme gedreht wurden.
Red Planet zum Beispiel, oder Pitch Black – oder Mad Max jeseits der Donnerkuppel.

Man ist hier also einiges gewohnt. Das Klima ist Rauh, die Arbeit hart aber die Einwohner des ~2.000 Seelen Dörfchens von denen so gut wie jeder seinen eigenen Claim zum Abbau der
Opale besitzt sind im Grunde genommen eigentlich ganz herzlich. Es gibt zwei Supermärkte, ein Visitorcenter, eine Bibliothek und einige Restaurants, die Gastronomie ist hier
vornehmlich in griechischer Hand.

Lange wollten wir hier nicht bleiben, bloß eine Nacht, maximal zwei, uns ein bisschen umsehen und auf der „Public Noodling Site“ selbst ein bischen nach Opalen schürfen – thats it.
Dann dachten wir uns, warum nicht nach einem Job umsehen? Ein bisschen Geld verdienen kann auch mal nicht schaden zumal wir ja eigentlich seit Alice Springs auf der Suche waren
und Glen Helen verlassen hatten weil es nur einen Halbtagsjob im Angebot für uns beide gab.

Gesagt getan.

Coober Pedy hatte seine Glanzzeiten definitiv während der 80er Jahre, die Stadt war etwas leer, trotz Hochsaison und mit einigen geschlossenen Geschäften geschmückt.
Dennoch noch immer ein überdurchschnittliche hohe Angebot an Campingplätzen, Hotels und Hostels die zum Großteil unterirdisch in sogenannten Dugouts liegen.
Ist ja auch irgendwie logisch, wenn man nach Opalen gräbt hat man Löcher en Masse und da es im Sommer hier mal eben bis zu 50°C werden kann hat man sich so seine dauerhaft temperierte Wohnung
angelegt – nachezu kostenfrei.

Wir haben also aktiv Klinken geputzt und leider nur semi-erfolgreich, allerdings wurden wir von Anna, der Betreiberin eines Untergrund B&B zu Josephines Gallery geschickt – die beschäftigt immer
mal wieder „Outsider“, sagte uns die liebenswürdige Dame in den frühen Siebzigern.

Warum also als „Outsider“ nicht dorthin gehen wo Outsider in Coober Pedy willkommen sind?

Jo´s Gallery

ist nicht nur eine Gallery für feine Opale und Schmuck und indigener Kunst wie Gemälde und Didgeridoos sondern – und das ist eine wirkliche Besonderheit,
ein Känguruweisenhaus für die flächenmäßige Größe deutschlands. Kängurus deren Mütter einem Straßenunfall zum Opfer fallen oder durch die natives gegessen werden und sich noch im
Säuglingsalter befinden werden hier abgegeben und aufgepeppelt und später entweder ausgesetzt, ausgewildert oder anderen Pflegern übergeben. Zum Beispiel dem Känguru Dundee in Alice Springs.

Da Terry und Jo nicht nur für Känguruwaisen ein großes Herz zu haben scheinen, sondern auch für halb verwilderte und verhungerte Backpacker, nahmen sie uns spontan, nach einem kurzen
Kennenlernchat mit Terry auf und kümmerten sich herzlichst auch um unser Wohl.

Warum nicht? Nachdem wir jetzt einige Zeit durch Zentralaustralien tingelten und in Alice Springs das letzte mal länger an einem Ort verweilten war es durchaus reizvoll mal wieder täglich duschen zu können
und eine abwechslungsreichere Essensauswahl zu haben – achja, und der Kängurus´ wegen…und der Opale natürlich.

Es gab viel zu sehen und viel zu lernen.

Wir bezogen also unser Lager, in einem ausrangierten Wohnwagen aus den 70ern im Hinterhof – von zehn neugierigen Känguruaugen verfolgt.
Da es zu dieser Zeit gerade etwas stürmisch war war unsere erste Aufgabe den Wohnwagen vom Staub zu reinigen, das hatte er auch tatsächlich nötig, wenn es denn überhaupt jemals getan wurde.
Ansonsten bestand unsere tägliche Arbeitsroutine daraus am Morgen das Gehege von der „Vortagesproduktion“ an Kängurudung zu befreien, bei der Fütterung der Miniroos (zu dieser Zeit waren 5 große und 6
kleine Kängurus an Bord) mitzuhelfen und in der Galerie einzuspringen wenn nötig, beziehungsweise diese vom ebenfalls eingedrungenen Staub zu befreien.

Kängurus sind nicht nur putzig – enorm putzig sogar, sondern wahre Kackmaschinen, je kleiner und putziger – je größer der Ausstoss sogar.
Es war tatsächlich so als hätten Terry und Jo sechs kleine Kinder, dazu die Galerie und die Opalmine.
Es gab also immer etwas zu tun, die beiden arbeiten in Tag- und Nachtschichten um den Kängurus hinterherzuputzen und alle zwei Stunden den Hunger zu stillen.

Kängurus und ein Taschentuch sind eine lustige Kombo:

 

Ah ja – Opale, noch etwas für das Coober Pedy berühmt und berüchtigt ist und Glücksritter aus aller Herren Länder angezogen hat.
Sonst eher englisch geprägt weist Coober Pedy eine hohe Anzahl an Bürgern aus dem Balkan und aus Griechenland auf, zum teil in zweiter oder dritter Generation, im gros nach dem Krieg nach Australien
ausgewandert und hier hängengeblieben.

85% aller weltweit gehandelten Opale stammen von hier, manchmal, und das ist im wahrsten Sinne des Wortes so, muss man sich lediglich bücken um einen kleinen Splitter aufzuheben.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass so ziemlich jeder der in Coober Pedy lebt in seiner Familie eine Opalmine besitzt und nebenbei schürft da das Einkommen aus den Opalfunden nur selten ausreichend
hoch ist um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Da viele in Dugouts leben, also alten Ausgrabungsstätten kommt es sogar vor, dass es Leute gibt die eine Opalader in ihrer Wohnzimmerwand haben.
Es muss nur ein bisschen gekratzt werden und man ist um 800$ reicher.
Live erlebt. …leider nur miterlebt.

Eine 12 Monate Schürflizenz für einen 50m² Claim kosten lediglich 65$ und so kann sich jeder dieses Hobby leisten, er muss nur raus auf dei Opalfelder – in großen oder kleinen Maßstäben.
Es wundert also nicht wenn man in den Garageneinfahrten der Einwohner Bulldozer, Bagger, Kipper, Noodler und was auch immer stehen sieht.

Da Touristen seltenst 12 Monate in der Stadt zu verweilen gedenken, man den Touristen aber gerne eine Besonderheit bieten möchte um ihnen das Gefühl vom Opalfieber zu geben, gibt es die „Public Noodling Site“.
Noodling ist nicht mit „Pasta“ zu verwechseln – es ist eher als herumwühlen im Abraum zu verstehen. In der Gründungszeit Coober Pedys befand sich direkt am Stadtrand eine Opalmine, die Stadt wuchs und
die Opalmine wurde eingeschlossen und befand sich mit einem Male innerhalb der Bebauungsgrenze. Aus diversesten Gründen, z.B. der Handhabung von Sprengstoff im Wohngebiet verbot man das Schürfen innerhalb der Stadtgrenzen.
Die Opalmine und die Abraumhalden waren allerdings da und blieben für den Publikumsverkehr geöffnet.
Wer also will macht einen Abstecher dorthin und wühlt sich ein bisschen durch den Schutt – und findet eventuell etwas.

„Sucht einfach nach etwas was dort nicht hingehört – schaut nach Farben“ sagte uns Terry nachdem er uns zwei Siebe und ein Schäufelchen in die Hand gedrückt hatte.
Und wir hatten tatsächlich erfolg.

Eine ganze Handvoll Opale verschiedener Güte hatten wir nach 3 Sessions á 2 Stunden zusammengekratzt die uns jetzt magisch anfunkelten.

 

Wie das „Noodlen“ ausschaut könnt ihr hier bewundern:

 

Wieviel unser Fund wert ist?

Wir haben keine Ahnung, wir haben es nicht schätzen lassen.
Es können 50 – 100 oder 2.000$ sein.
Das ist uns aber eigentlich egal denn der ideelle Wert ist für uns von unschätzbarem Wert.
Den ersten Fund verkauft man nicht – man geniesst trunken des funkelns die aussergewöhnliche Schönheit der Steine.

Unser Fund
Ein Teil unseres Fundes

 

So schön es auch ist sich vormittags um verwaiste Kängurus zu kümmern und nachmittags nach Opalen zu schürfen.
Man muss sich mit einer ganzen Menge Staub und einer Unmenge an Fliegen arrangieren.
Der Staub ist nicht so schlimm, man gewöhnt sich beim Noodlen schnell an das knirschen der Zähne, aber diese Fliegen. Ständig wollen sie in die Ohren, den Mund, die Nase – hunderte.
Und im Sommer soll das alles noch viel extremer sein, bei bis zu 45°C Hitze. Zum Glück waren wir im Winter dort.

All der Staub scheint aber auch die Filmindustrie anzuziehen, wie schon erwähnt wurden hier Szenen für teils berühmte Filme gedreht.

Die fantastisch spektakulären Breakaways auf denen Tina Turner und Mel Gibson in Mad Max 3 ihr bestes gaben und in grauer Vorzeit einmal ein Meeresbecken darstellten,
oder die Moon Plains, so weit das Auge reicht – nichts. Lediglich Staub verrotteter, nicht versteinertem, zu Staub zerfallenem organischen Materials.
Jeder Fussstapf fühlt sich an als würde man, in den Weiten des Mondes spazieren gehen. Jeder Tritt in die graue Oberfläche des Untergrundes versinkt sofort um einige Zentimeter und hinterlässt
den Eindruck man selbst könnte hier die Mondlandung inszenieren. Red Planet und Pitch Black haben sich das zu Nutzen gemacht.

Das Raumschiff, beziehungsweise dessen Atrappe von „Pitch Black“ steht noch heute mitten in der Stadt auf dem Parkplatz vorm Opal Cave Motel.

Noch dazu gibt es hier, aus nächster Nähe, das größte, zusammenhängende durch Menschenhand geschaffene Bauwerk zu bewundern.
Den Dog Fence der sich über 5.500km quer durch die Bundesstaaten South Australia, Queensland und New South Wales erstreckt um die Dingos aus dem Norden von den Schafen im Süden fernzuhalten.
Scheint zu funktionieren und ist definitiv ein Stopp wert.

Neben all diesen großen Besonderheiten gibt es noch einige andere die characteristisch sind für Coober Pedy,
die Kirchen – besonders die der serbisch orthodoxen Gemeinde befinden sich ebenfalls unter Tage in einem „Dougout“ wie eine ganze Menge Restaurants, Opalgeschäfte und Hotels.

Bei der ersten Durchfahrt mag Coober Pedy etwas karg erscheinen. Karg und staubig – eben so wie eine ganze Menge anderer Städte im Outback auch.
Wenn mann sich allerdings die Mühe macht etwas an der Oberfläche zu wühlen – zu Noodlen beginnt und den Staub zur Seite schiebt der sich an der Oberfläche angesammelt hat
kann man das wundervolle schimmern eines Opales entdecken.
Abenteuer und wirklich nette Menschen mit den verzwicktesten Lebensgeschichten die durch ihr Communitygedanken der Stadt ein besonderes Flair geben.

Für den Backpacker interessant dürften neben Hinweise auf diese Schönheiten noch praktische Tipps nützlich sein.

Der Pool ist nur in den Sommermonaten geöffnet.
In der Bibliothek gibt es kostenfreies Internet (Ausweis mitbringen).
In der Touristeninformation gibt es ebenfalls kostenfreies Internet (kein WiFi) und die saubersten öffentlichen Toiletten der Stadt, für 30cent können 30Liter Trinkwasser gezapft werden.
Der kostenfreie Stellplatz ohne jegliche Annehmlichkeiten befindet sich 13 Kilometer in südlicher Richtung ausserhalb der Stadt.
Im örtlichen Getränkeladen dürfen pro Tag und pro Person nur eine Flasche Wein oder Spirituosen oder ein Karton Bier gekauft werden.
Das Coober Pedy Trinkwasser ist das beste, weil Chlorärmste, welches wir auf unserer bisherigen Reise durch Australien haben trinken können.
Eine öffentliche Dusche haben wir nicht gefunden.

Die Gewerbetreibenden der Stadt müssen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Backpackern gesammelt haben, es ist nicht wirklich einfach an einen Job zu kommen meistens trifft man
bei seiner Vorstellung auf eine ablehnende Haltung da hier doch eher für längerfristig eingestellt wird. Dennoch gelang es Tina durch ihre herrlichkeit an eien kleinen Aushilfsjob
im Housekeeping eines örtlichen Motels zu kommen und konnte von unseren 10 Tagen Aufenthalt vier Tage in bezahlte Arbeit verwandeln.

Ein bloßer Aushilfsjob war uns jedoch nicht genug und so stellten wir einfach, wie in Australien üblich, eine „Job Wanted“ Anzeige auf Gumtree, dem australischen eBay Kleinanzeigen.
Australier mögen deutsche, auch wenn „wir“ im vergleich zu Austrliern unglaublich unfreundlich und schroff wirken scheinen wir doch eines zu können – zu arbeiten. Ich glaube es dauerte
keine zwei Tage bis zum ersten Anruf einer Schaffarm aus Forbes in New South Wales der uns auch gleich anbot uns für die nächsten drei Monate einzustellen.

Da Tinas Handy mittlerweile in Glen Helen wieder aufgetaucht war und sich auf dem Postweg nach Coober Pedy befand sagten wir zu in 14 Tagen in Forbes sein zu können.
Zwischen Coober Pedy und Forbes – und unserem geplanten Abstecher nach Adelaide lagen zwar 1.500km, aber das war in dieser Zeit locker machbar und für australische Verhältnisse ein
Katzensprung.

Das Handy erreichte Coober Pedy und wir verabschiedeten uns von den Abenteuern als Opalschürfer und Kängurupfleger und machten uns auf den Weg nach Forbes mit einem
kurzen stopp in „Woomera – der verbotenen Raketenstadt“ und „Adelaide – der unaufgeregten Schönheit an der Südküste“ bevor wir uns auf nach Forbes machten – wo ich jetzt am Lake Forbes sitze
und diesen Artikel in meinem open air Büro schreibe. So anstrengend die Ungewissheit des täglichen Zigeunerlebens auch ist – so schön ist sie doch, die Freiheit zu gehen und zu stehen wo und
wohin man gerade möchte.

Mal sehen was uns auf der Farm „Carroboblin“ so erwartet.


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